Altersvorsorgedepot: So denken deutsche Sparer über ETF-Rente

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Ab 2027 geht eine neue Art der privaten Altersvorsorge an den Start: das Altersvorsorgedepot. Doch wissen die Bürger auch etwas damit anzufangen? Gut zwei Jahrzehnte nach Einführung der Riester-Rente stellt die Bundesregierung die staatlich geförderte private Altersvorsorge neu auf. Stimmt nach dem Bundestag auch der Bundesrat zu, sollen Deutschlands Sparer ab Januar 2027 renditestärker, günstiger, einfacher und flexibler für den Ruhestand vorsorgen können als bisher. Dafür wird das Angebot an geförderten Produkten erweitert und eine neue Fördersystematik eingeführt. Neben Produkten mit garantierten Leistungen können Sie künftig auch sogenannte Altersvorsorgedepots ohne Garantie abschließen . Der Verzicht auf Garantien macht es möglich, das Geld chancenreicher anzulegen, beispielsweise in Aktienfonds wie ETFs ("Exchange Traded Funds") . ETFs kommen ohne Fondsmanager aus und sind daher besonders günstig. Sie bilden die Entwicklung eines Aktienindex nach, beispielsweise des MSCI World . Dieser Index umfasst rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Altersvorsorgedepot: Selbst gemacht oder vorgefertigt? Ein solches Altersvorsorgedepot werden Sie zum Beispiel bei Neobrokern und Banken abschließen können. Sie können es entweder selbst innerhalb gewisser gesetzlicher Vorgaben mit Wertpapieren bestücken oder auf ein sogenanntes Standarddepot setzen, das jeder Anbieter im Sortiment haben muss. Dieses ist für Menschen mit wenig Kapitalmarkterfahrung gedacht. Es enthält bereits zwei vorausgewählte Fonds, sodass Sparer selbst keine Anlageentscheidung treffen müssen. Während Sparer beim selbst gebauten Altersvorsorgedepot eigenständig wählen, welche Fonds sie sich ins Depot legen und dabei beispielsweise auch eine Strategie mit 100 Prozent Aktien-ETFs fahren können, enthält das Standarddepot einen risikoarmen und einen chancenorientierten Fonds. Die Aufteilung übernimmt der Anbieter, Sparer können sie aber anpassen. Neue Altersvorsorge: Wer hier nicht aufpasst, schmälert seine Rente Beispielrechnungen: Wer sich über mehr als 2.700 Euro Rente freuen kann Kosten entscheiden maßgeblich über spätere Rente Die Effektivkosten für Standarddepots dürfen bei maximal 1,0 Prozent pro Jahr liegen. Ein selbst zusammengestelltes ETF-Depot dürfte allerdings deutlich günstiger sein und dadurch am Ende auch mehr Ertrag bringen. Zusätzlich wird ein öffentlicher Träger ein eigenes Standarddepot anbieten. Verbraucherschützer erhoffen sich davon eine günstige Alternative für Einsteiger, fürchten aber gleichzeitig, dass Versicherungsvermittler und andere Vermögensberater unerfahrenen Sparern die weiterhin möglichen Garantieprodukte empfehlen . Diese stellten sich schon bei Riester als wenig ertragreich heraus. Wie begründet ist diese Sorge? Und wie sehen sich die Menschen in Deutschland selbst aufgestellt, wenn es um Altersvorsorge mit Wertpapieren geht? Eine Umfrage unter 13.670 t-online-Leserinnen und -Lesern zeigt: Schon heute traut sich ein knappes Drittel (32,5 Prozent) zu, ein Altersvorsorgedepot selbst zu bestücken und damit auf die voraussichtlich ertragreichste Form unter den neuen Vorsorgeprodukten zu setzen. Fast genauso viele (31,6 Prozent) hätten sich hingegen ein staatlich organisiertes Depot gewünscht, in das sie verpflichtend einzahlen. Zwar gibt es nach dem aktuellen Gesetzentwurf nun ein Standarddepot eines öffentlichen Trägers, die Teilnahme ist aber freiwillig. Weitere 13,2 Prozent sympathisieren ebenfalls mit dem Altersvorsorgedepot Marke Eigenbau, allerdings erst, nachdem sie sich unabhängig informiert haben. Gute Anlaufstellen dafür sind etwa die Verbraucherzentralen oder die Stiftung Warentest. Über zehn Prozent vertrauen Finanzberatern Mehr als jeder zehnte Befragte gab allerdings an, seine Altersvorsorge in die Hände eines Beraters zu legen. Verbraucherschützer warnen jedoch davor, Empfehlungen von Vermittlern blind zu vertrauen. "Hier muss man aufpassen, nicht über den Tisch gezogen zu werden", sagte Niels Nauhauser, Altersvorsorgeexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, t-online. 12,1 Prozent der t-online-Leser haben nicht vor, die neue private Altersvorsorge zu nutzen. Tatsächlich kann es in Einzelfällen sinnvoll sein, einen bestehenden Riester-Vertrag fortzuführen , wenn er gut verzinst und günstig ist. Für die meisten dürfte das neue System jedoch vorteilhafter sein. Das deutsche Rentensystem ist grundsätzlich so angelegt, dass jeder gesetzlich Rentenversicherte ergänzend privat und betrieblich vorsorgen sollte. Etwa 40 Prozent der Bürger sparen aktuell jedoch nicht privat fürs Alter und nur rund die Hälfte besitzt eine Betriebsrente. Die ausgewertete Umfrage ist nicht repräsentativ. Sie spiegelt nur einen Teil der Meinungen der t-online-Leserschaft wider und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
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