Seit mehr als 40 Jahren ist Richy Müller erfolgreich als Schauspieler tätig. Der "Tatort"-Darsteller kennt aber auch die Schattenseiten des Lebens. Richy Müller wollte eigentlich Werkzeugmacher werden, so wie sein Vater. Über Umwege landete der gebürtige Mannheimer aber bei der Schauspielerei – und das war auch gut so, denn so konnte er sich zu einem faszinierenden Charakterdarsteller entwickeln, der zeitweise sogar für Hollywoodfilme vor der Kamera stand ("xXx-Tripple X"). Schauspielerei? Hollywood ? Das klingt auf den ersten Blick nach einem Leben im Rampenlicht, mit vielen Privilegien und frei von finanziellen Sorgen und Nöten. Und ja, auch Richy Müller hat in seiner Karriere schon viel Geld verdient, keine Frage. Der "Tatort"-Star, der früher einmal mit dem Kollegen Jürgen Vogel zusammen eine Schauspieler-WG bildete, hat aber auch schon düstere Zeiten hinter sich – eine Phase, in der sich ein riesengroßer Schuldenberg ansammelte. Schrumpfender Kontostand, aber gutes Gewissen Im vergangenen Sommer veröffentlichte die Podcast-Sendung "SWR Promitalk" eine Folge, in der der heute 70-Jährige im Beisein von Moderator Jörg Assenheimer aus dem Branchen-Nähkästchen plauderte. Neben einigen interessanten Hollywood-Anekdoten ("Es gibt Verträge, in denen es Mitarbeitern der Produktion untersagt wird, mit den Schauspielern zu sprechen"), öffnete der Darsteller, der 1979 mit dem TV-Dreiteiler "Die große Flatter" seinen Durchbruch feierte, auch die Tür ins eigene Privatarchiv. "Ich hatte Ende der Achtziger über 200.000 Mark Schulden", gestand Richy Müller. Nach dem Erfolg mit "Die große Flatter" gab es eine Phase, wo ich wenig zu arbeiten hatte. Und das, was man mir anbot, nicht ging", so der gebürtige Mannheimer. Er sei ein Bauchmensch. Und es gab seinerzeit einfach zu viele Angebote, in denen er sich als Charakterdarsteller "nicht wiederfand". So lehnte er viele Projekte ab. Die Folge: ein schrumpfender Kontostand. "Wenn du die Möglichkeit hast, mit etwas, was eigentlich nicht geht, Geld zu verdienen, dann musst du Entscheidungen treffen. Und ich hab mich immer gegen die Sachen entschieden, die mir im Magen gelegen hätten. Und das war dann immer gekoppelt mit wenig Geld, aber einem guten Gewissen", so Richy Müller. Deutsche Trump-Parodie löst Wirbel aus: Deutscher steckt dahinter Die weiße Retterin in der Not? Vorwürfe gegen Sarah Engels Um sich irgendwie über Wasser zu halten, machte er kurzzeitig beim "Traumschiff" mit. Dort lernte er einen Kollegen kennen, der ihm zu einer richtungsweisenden Theaterrolle verhalf. Später folgte eine folgenreiche Begegnung mit Jürgen Vogel, der sich in München nicht mehr wohlfühlte. "Ich hab den dann einfach zu mir nach Berlin geholt", erinnerte sich Richy Müller. Jürgen Vogel startete zu jener Zeit gerade richtig durch ("Kleine Haie"). Und so fand auch Richy Müller irgendwann wieder zurück in die berufliche Spur. "Der Film 'Einer meiner ältesten Freunde' war dann ein beruflicher Wendepunkt für mich", schilderte der Schauspieler, der kurz darauf auch finanziell wieder auf die Beine kam. Ab Mitte der Neunziger stand Richy Müller dann wieder regelmäßig vor der Kamera und präsentierte sich seitdem als feste Größe in der deutschen Fernsehlandschaft. Auch auf der Theaterbühne hinterlässt Richy Müller immer wieder große Fußspuren. Zuletzt gastierte der zweifache Vater in Dresden und schlüpfte erfolgreich die Rolle des Autisten "Raymond" ("Rain Man"): "Das Stück auf der Bühne ist noch viel intensiver als der Film. Es ist essenzieller. Im Film gibt es vieles, was witzig und lustig ist, was natürlich auch im Stück vorkommt. Gleichzeitig ist es aber auch ein Stück zum Nachdenken", erklärte Richy Müller in einem Interview mit dem MDR. "Besser hätte ich es nicht treffen können" Den beruflichen Aufs und Abs steht ebenso Aufwühlendes aus dem Privatleben gegenüber. So lernte Richy Müller seinen Vater erst sehr spät so richtig kennen. "Mein Vater stammte aus einer Generation, die nicht viel redete", so der Träger des "Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg". Erst die letzten drei Jahre vor dem Tod seines Vaters wurde die Beziehung enger. "Ich habe ihn dann regelmäßig mit meiner Frau besucht und ich muss sagen: Chapeau vor diesem Mann! Bis dahin wusste ich nicht, wie hochintelligent er war", berichtete Richy Müller. Und weiter: "Kurz vor seinem Tod habe ich eine Laudatio bei der Bambi-Verleihung gehalten. Daraufhin sagte er mir: 'Du bist ja ein Weltstar!' Ich habe das natürlich verneint, aber es hat mich schon sehr berührt." Große Gefühle und wohlige Emotionen machen sich auch breit, wenn Richy Müller über seine Frau Christl redet. Die Liebe seines Lebens traf er einst in der bayerischen Provinz am Chiemsee. Beim Brötchenholen lernte er seine heutige Frau kennen, die in einer Familienbetriebsbäckerei hinter dem Verkaufstresen stand. Aus Freundschaft wurde eines Tages Liebe. Im Jahr 2017 heiratete das Paar. "Sie gefunden zu haben, ist ein Volltreffer. Besser hätte ich es nicht treffen können", schwärmte Richy Müller in einem Interview mit dem "Bunte"-Magazin.