Skurriler Auftritt von Fifa-Boss Infantino: Endgültig eine Comicfigur

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Einen Tag vor Start der Fußball-WM in Katar holt Fifa-Präsident Gianni Infantino zum Rundumschlag aus – und wird endgültig zur Comicfigur. Ein Kommentar.Da ist er, mein persönlicher Beckenbauer-Moment mit Gianni Infantino. "Ja, ich fühle mich auch als Frau", beteuerte der Fifa-Präsident Berichten zufolge in einer Fragerunde nach einer denkwürdigen Pressekonferenz in Doha, zu der der Schweizer einen Tag vor Start der Fußball-WM in Katar geladen hatte (das Video sehen Sie unten).Aufwändig inszeniert, mit sorgsam eingestreuten Kunstpausen erklärte der 52-Jährige, heute sei er Katari, Araber, Afrikaner, heute sei er homosexuell, behindert und auch Arbeitsmigrant. Eine gute Stunde lang zog sich der Monolog. In der Fragerunde schob er dann nach einer dezenten Erinnerung noch eilig nach: "Ja, ich fühle mich auch als Frau.""Is eh wurscht"Die berichtete Halbherzigkeit des Einschubs erinnerte mich an eine DFB-Gala in einem Berliner Luxushotel 2007, der beizuwohnen ich das zweifelhafte Vergnügen hatte. In der damals noch üblichen Runde meist älterer Herren in Anzügen wurde die deutsche Bewerbung für die WM der Frauen 2011 präsentiert. Der nicht mit allerletzter Begeisterung in seinem Sessel sitzende Stargast Franz Beckenbauer vermochte es partout nicht, den englischen Slogan "See You Again" fehlerfrei über die Lippen zu bekommen – und bockte auf eine Korrektur des damaligen DFB-Direktors Wolfgang Niersbach kaum hörbar zurück: "Ach, is eh wurscht."Gianni Infantino ist mit seinem skurrilen Auftritt am Freitag nun endgültig zur Comicfigur geworden. Es fehlt nur das Hütchen auf der Glatze des gewieften Geschäftemachers, er wäre kaum noch unterscheidbar vom Zeichentrick-Hund aus den Internet-Memes, der mitten in einem brennenden Haus sitzt und sich selbst versichert: "This is fine" (sinngemäß: "Alles gut", Anm. d. Red.).Scheinwerfer auf all die ProblemeEs war eine Selbstdemontage, die Infantino da zelebrierte: Kritik an Katar? Einseitig und überhaupt eine Heuchelei. Die Situation der Gastarbeiter im Wüstenstaat, die unter erbärmlichsten Bedingungen leben müssen und finanziell mit einem Glas lauwarmem Wasser abgespeist werden? Infantino zog einen verqueren Vergleich zur Flüchtlingssituation in Europa, das es stattdessen Katar gleichtun und den Menschen "Chancen" bieten solle. Ein Ausschluss des Iran? Die tatsächlich ernst gemeinte Antwort: "Wollen Sie einen weiteren Weltkrieg? Okay, machen Sie weiter so."In seinem Drang, die Kritik am umstrittenen Turnier zu entkräften, hat der Chef des Fußball-Weltverbands völlig ohne Not nur noch mal ungewollt einen Scheinwerfer auf all das gerichtet, was es an diesem Turnier eben doch zu kritisieren gibt. Fast könnte er einem leid tun, wenn es nicht so erschreckend wäre.
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