Hohe Renditen wecken Optimismus – oder sollten sie eher vorsichtig machen? Eine aktuelle Studie hat untersucht, was nach guten Börsenjahren wirklich folgt. Der Dax hat in den vergangenen fünf Jahren rund 80 Prozent zugelegt. Der marktbreite US-Index S&P 500 kommt auf ein Plus von gut 82 Prozent, der technologielastige Nasdaq 100 sogar auf mehr als 90 Prozent. Solche Gewinne liegen deutlich über dem langfristigen Durchschnitt früherer Jahrzehnte. Viele Anleger fragen sich deshalb: Lässt sich aus starken Börsenjahren ableiten, wie es weitergeht? Folgt auf ein gutes Jahr automatisch das nächste? Oder droht nach außergewöhnlich hohen Renditen ein Rückschlag? Um genau das zu klären, hat Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst bei HQ Trust, einen ungewöhnlich langen Zeitraum untersucht. Seine Analyse blickt auf rund 100 Jahre Börsengeschichte des US-Aktienmarkts zurück. Doch liefert dieser Rückblick tatsächlich Hinweise darauf, wie sich Aktien nach besonders guten Jahren entwickeln? Die Börse folgt keinem einfachen Muster Für seine Untersuchung hat Kielkopf die Jahresrenditen des S&P 500 von 1925 bis 2025 ausgewertet. Der Index bildet die Entwicklung von 500 großen US-Unternehmen ab und gilt als wichtiger Gradmesser für den globalen Aktienmarkt. Berücksichtigt wurden dabei auch Dividenden, also Gewinnausschüttungen an Anleger. Die einzelnen Börsenjahre teilte der Experte anschließend in fünf gleich große Gruppen, sogenannte Quintile. Diese reichten von besonders schwachen Jahren bis hin zu außergewöhnlich starken. Danach analysierte Kielkopf, wie sich der Aktienmarkt jeweils im Folgejahr entwickelt hat. Sicherheitsanker oder Renditekiller: Welche Rolle Gold im Portfolio wirklich spielt Crash! Boom! Bang! Warum Bitcoin zum Sorgenkind der Anleger wird Das zentrale Ergebnis: Aus der Wertentwicklung des Vorjahres lässt sich kaum ableiten, was Anleger im nächsten Jahr erwartet. Besonders überraschend: Die höchsten durchschnittlichen Renditen traten nicht nach starken, sondern nach eher unspektakulären Börsenjahren auf. "Die höchste durchschnittliche Rendite lag bei 17,1 Prozent – und zwar nach Vorjahren mit leicht negativem bis leicht positivem Verlauf", erklärt Kielkopf. Umgekehrt gilt das Gleiche: Starke Jahre sind kein verlässlicher Motor für weitere Kursgewinne. Nach besonders guten Börsenjahren lag die durchschnittliche Rendite im Folgejahr bei lediglich 7,3 Prozent. Auch nach sehr schwachen Jahren blieb die erhoffte Erholung oft aus. Hier lag die durchschnittliche Folgejahresrendite mit 6,3 Prozent sogar am niedrigsten. Was Anleger daraus lernen sollten Zwar unterscheiden sich die Durchschnittswerte der einzelnen Gruppen zum Teil deutlich. Doch ein detaillierter Blick zeigt: Innerhalb jedes Quintils schwanken die Ergebnisse stark. In allen Kategorien reichten die Folgejahre von deutlichen Verlusten bis hin zu kräftigen Gewinnen. Wichtig zu wissen für Anleger aus dem Euroraum: Da die Analyse auf US-Dollar basiert, kann die tatsächliche Rendite durch Wechselkurse zusätzlich steigen oder fallen. Währung erreicht Vierjahrestief: Trump: "Wert des Dollars ist großartig" Kielkopf zieht daraus ein klares Fazit: Gerade nach sehr guten oder sehr schlechten Börsenjahren bleibt die Schwankungsanfälligkeit (Volatilität) der Märkte häufig hoch. Wer seine Anlagestrategie kurzfristig an der vergangenen Entwicklung ausrichtet, trifft Entscheidungen eher aus dem Bauch heraus als auf rationaler Grundlage. "Die breite Streuung der Renditen zeigt, dass die Börse sich nicht an einfache Regeln hält", sagt Kielkopf. Statt auf vermeintliche Muster aus der Vergangenheit zu setzen, sei ein langfristiger Ansatz entscheidend. "Ein langer Atem und eine robuste Strategie funktionieren besser als der Versuch, mit Rückblicken die Zukunft vorherzusagen."