Borussia Mönchengladbach: Aufsichtsratschef wird deutlich – Bonhof weint

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Borussia Mönchengladbach läuft seit Jahren den Zielen hinterher. Die Stimmung ist angespannt. Das war auch am Montag auf der Mitgliederversammlung zu spüren. Fünf Spiele ohne Sieg, Bundesliga-Abstiegskampf und ein Millionenverlust auf dem Konto: Bei Borussia Mönchengladbach ist die Lage kritisch. Der Bundesliga-Riese läuft wieder einmal den eigenen Zielen hinterher. Spielte Gladbach vor fünf Jahren noch in der Champions League , sind die "Fohlen" heute einem Abstiegsplatz näher als dem Europapokal. Die Entwicklung der vergangenen Jahre bereitet Fans Sorgen. Aber auch im Verein selbst brodelt es. Aufsichtsratschef Michael Hollmann sagte auf der Jahreshauptversammlung am Montag, dass er und seine Kollegen im Kontrollgremium "auch die Schnauze voll" hätten. "Von der Tabellensituation. Aber auch von der Art und Weise, wie wir uns dahin manövriert haben", fügte er an. Der Aufsichtsrat wolle daher in Zukunft "Einfluss nehmen". Für seine Worte bekam Hollmann viel Applaus der gut 1.600 anwesenden Mitglieder am Montagabend. Kritik äußerte Hollmann an der Spielweise der Borussia. "Es war einfach ein Scheißjahr", schimpfte der 68-Jährige. "Das Schlimmste war das Spiel gegen Mainz. Da habe ich gedacht, ich werde wahnsinnig. Da hat man ja bei jedem Angriff befürchtet, ein Tor zu kassieren." An Trainer Eugen Polanski adressierte Kritik äußerte er nicht direkt, da Polanski aber nach dem Mainz-Spiel gesagt hatte, nie das Gefühl gehabt zu haben, "ein Tor zu kassieren", dürften Hollmanns Aussagen beim Trainer angekommen sein. Namentlich erwähnte er Polanski nicht. Sportchef Rouven Schröder lobte er hingegen ausdrücklich. Bonhof bricht in Tränen aus: "Das tut weh" Auch Klubpräsident Rainer Bonhof waren die ernüchternden Resultate in dieser Saison anzumerken. Zu Beginn seines Jahresberichts wurde er emotional, brach in Tränen aus. Auch er sprach von einem "Scheißjahr" und sagte: "Ich dachte, wir wären stabiler." Der verpasste Sieg im Derby in Köln nach 3:2-Führung war schmerzhaft für den Weltmeister von 1974. "Das tut weh", sagte er. "Wenn du dann bei Auswärtsspielen die Fans siehst – für die lohnt es sich nicht abzusteigen", erklärte Bonhof unter Tränen und fügte pathetisch hinzu: "Aber wir haben ein Faustpfand und das ist die Raute. Und die lasse ich nicht aus den Händen." Finanziell ist die Lage im Klub nicht besser als die Stimmung in Präsidium und Aufsichtsrat. Bedingt durch den sportlichen Rückschritt der vergangenen Jahre gab es auch im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder einen Verlust in Höhe von knapp vier Millionen Euro nach Steuern. Es war das zweite Jahr in Folge, in dem ein Verlust erwirtschaftet wurde. Trainer Eugen Polanski aber gab sich kämpferisch. "Hauptziel ist es, in der Liga zu bleiben. Dann bin ich voller Tatendrang, gewisse Dinge zu ändern", kündigte er an. Gleichzeitig übte aber auch Polanski etwas Kritik am Kader. "Mir fehlt ein bisschen die Gier auf Erfolg", sagte er. "Wir haben sehr, sehr liebe Charaktere. Wir brauchen auch ein paar Arschlöcher." Die zu finden, wäre die Aufgabe von Sportchef Rouven Schröder, der im Oktober vergangenen Jahres erst übernommen hatte. Offen ist, ob er neue Spieler überhaupt für Polanski sucht oder für einen anderen Trainer. Der 40-Jährige gilt angesichts von einem Punkteschnitt von nur 1,11 in 28 Spielen als angezählt. Aufgrund von sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz bei noch drei ausstehenden Spielen ist aber zumindest der Klassenerhalt ein wahrscheinliches Szenario.
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