Cathy Hummels und die Grünen: Diese Kombi ergibt keinen Sinn

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Die Grünen haben sich in Bayern prominente Unterstützung gesucht. Unsere Kolumnistin bezweifelt aber, dass ausgerechnet Cathy Hummels die richtige Wahl für die Partei ist. Es gibt auf dieser Welt Kombinationen, die verstehe ich einfach nicht. Oder präziser: Ich verstehe einfach nicht, dass andere sie für eine gute Idee halten. Das Leben, das Universum, der Mensch – alles ist zu komplex, als dass all das miteinander matcht, was auf den allerersten oberflächlichen Blick harmonieren könnte. Cordon Bleu zum Beispiel. Fleisch, Schinken und Käse – glauben Sie mir, jede der drei Komponenten macht mich froh. Aber, und das ist elementar wichtig: Nur für sich genommen. In Kombination allerdings – gehen wir nicht ins Detail, lassen Sie mich nur so viel sagen: Ich habe meine Mutter einst sehr anschaulich und unappetitlich davon überzeugt, dass sie meinen Geschmack bezüglich Cordon Bleu kolossal falsch eingeschätzt hat. Nur, weil drei Komponenten essbar sind, sind sie nicht automatisch zusammen essbar. Das ist meine Lehre daraus. Weiter. Al Bano und Romina Power . Auch so ein kolossaler Irrtum. Als Paar vielleicht toll, kann ich nicht beurteilen, geht mich auch nix an. Aber musikalisch? Ein Duo bestehend aus einem Mann mit durchaus guter Stimme und Sinn für Rhythmus und einer Frau mit null Fähigkeit, Emotionen sicht- und hörbar vorzutragen? Das wirft Fragen auf. Allen voran diese: Warum? Nur, weil zwei Menschen Musik mögen, müssen sie sie nicht beherrschen, so lautet meine Konklusion in diesem Falle. Fröhliches Plakatekleben Es gibt eine weitere Kombi, die mich staunend bis fassungslos zurücklässt, auf die ich im Leben nicht gekommen wäre, die aber seit dem Wochenende in den sozialen Netzwerken aufploppt. Halten Sie sich fest: Cathy Hummels und die Grünen. Ja, so hab’ ich auch geguckt. Aber es stimmt: Katharina Schulze, Fraktionschefin der Grünen in Bayern, und Cathy "Moral ist was für Leute, die kein Geld verdienen wollen"-Hummels erschienen da in den Feeds beim fröhlichen gemeinsamen Plakatekleben. Man lädt für den 28. März ein zum Stammtisch im Landtag. Aber nicht irgendwen. Gäste aus Showbusiness, Wirtschaft und Politik sollen zu Gast sein. Zwar finde der Nachmittag in einer "exklusiven Runde" statt, erklärten Hummels und die Grünen-Politikerin. Dennoch wollten sie auch ihren Communitys die Chance geben, dabei zu sein. Wer schnell ist, könne sich daher über einen QR-Code auf den drei aufgehängten Plakaten für das Event anmelden. Da wird einem dann die Mailadresse [email protected] angezeigt. Es stellen sich nur noch Fragen "Zwei Frauen. Zwei unterschiedliche Wege. Ein gemeinsamer Tisch. An diesem Nachmittag sprechen wir über Erwartungen, Verantwortung und den Anspruch, allem gerecht zu werden: im Job, als Mutter, als Mensch", so fasst Hummels die geplante Veranstaltung im Vorfeld zusammen. Und spätestens da bestehe ich nur noch aus Fragezeichen. Denn wie wollen die Grünen, die einen enormen Teil ihres Programms auf moralische Grundsätze zurückführen, einen Schulterschluss mit Cathy Hummels hinlegen? Wie wollen sich die Verfechter des Lieferkettengesetzes, das sie mit Menschenrechten begründen, mit der zweifelsohne einflussreichen Cathy Hummels schmücken, ohne sie zu adeln? Die Cathy Hummels, die ausgerechnet mit dem chinesischen (Menschenrechte, ich sag’s nochmal) Billigproduzenten Shein zusammengearbeitet hat? Weil in Hummels’ Welt anscheinend das Recht auf ein bezahlbares Dirndl endlich auch in der Realität umgesetzt werden muss, um sich auf dem Oktoberfest ordentlich mit Blick auf den Kotzhügel wegballern zu können? Sie nutzt ihre Reichweite nur aus einem Grund Wie wollen die Grünen für Glaubwürdigkeit stehen, mit einer Frau am Tisch, die sich in einer Podcast-Folge zu der Äußerung verstieg, Übergewichtige sollten höhere Krankenkassenbeiträge zahlen? Und nach Protesten löschte? Ein Muster: Genauso musste Hummels nach Recherchen zugeben, dass ihr Bruder gar keinen Doktortitel trägt. Der hatte aber schon auf dem Cover ihres gemeinsamen Buches über Depressionen gestanden, das daraufhin doch nicht realisiert wurde. Cathy Hummels setzt ihre Reichweite ausschließlich für einen Zweck ein: Geld verdienen. Das kann man gut finden, das kann man doof finden. Allerdings kann man das nicht im Wertegerüst der Grünen finden. Es gibt da keine gemeinsame Sache Brücken bauen ist wichtig, keine Frage. Nur gibt es Brücken, die sind nicht tragfähig. Dass Cathy Hummels sich ob ihres inzwischen arg lädierten Images in die Nähe von Seriosität rücken will, ist logisch. Was die Grüne Katharina Schulze sich von dieser Liaison verspricht, ist zumindest für mich ein großes Rätsel. Nur, weil zwei Frauen Frauen sind, stehen sie nicht im Dienst einer gemeinsamen Sache. Ich weiß noch nicht, was ich am 28. März mache. Wäre mir meine Freizeit nicht zu heilig für allzu plumpe Marketingaktionen, würde ich versuchen, in München dabei zu sein. Zumal ich fest davon überzeugt bin, dass Politik sich selbstverständlich auf Zielgruppen hinbewegen muss – allerdings gibt es da auch Grenzen. Ich werde das also nicht versuchen. Lieber esse ich ein Cordon Bleu. Und höre dabei "Felicità". Darin sehe ich mehr Sinn als in diesem Termin.
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