Charlize Theron erlebte eine Kindheit voller Gewalt. Jetzt erzählt die Schauspielerin, wie ihre Mutter ihr Leben rettete – indem sie ihren Vater umbrachte. Als Charlize Theron 2004 den Oscar für ihre Rolle in dem Film "Monster" über die Serienmörderin Aileen Wuornos entgegennimmt, bricht sie auf der Bühne in Tränen aus. Sie spricht über ihre Mutter, die im Publikum sitzt und sagt: "Du hast so viel für mich geopfert." Ihre Mutter hab es ihr ermöglicht, "hier zu leben und meinen Traum zu verwirklichen". Was die Schauspielerin damit meint, ist inzwischen hinlänglich bekannt: Sie wuchs bei einem gewalttätigen, alkoholabhängigen Vater auf – und der wollte sie und ihre Mutter umbringen. Diese düstere Episode aus ihrer Kindheit in Südafrika schildert Charlize Theron jetzt erneut in einem Interview mit der "New York Times" und macht deutlich, in welchem Umfeld sie in den Achtzigern groß wurde. "Dinge gesehen, die ich besser nicht gesehen hätte" "Ich erinnere mich noch sehr lebhaft daran, wie wir auf diese Farm gezogen sind. Ich war vier Jahre alt", beginnt sie die Erzählung über ihr Heranwachsen in "großer Freiheit". Zugleich sei das Land Mitte der Achtziger von der Apartheid und vielen Gewaltexzessen geprägt gewesen. "Gewalt und Unruhen gehörten in Südafrika zum Alltag. Ich habe schon in sehr jungen Jahren Dinge gesehen, die ich besser nicht gesehen hätte." Als Beispiel nennt sie einen Moment, in dem sie gesehen habe, "wie ein Mann in einem Auto am Straßenrand verbrannt ist". Als wäre dies nicht schon verstörend genug gewesen, wuchs sie bei einem Vater auf, der schwerer Alkoholiker war. "Ich habe Erinnerungen daran, wie ich schon als kleines Kind stark betrunkene Menschen gesehen habe, und das hat mir Angst gemacht." Es sei für sie Gewohnheit geworden, dass es mehrmals die Woche zu Entgleisungen und Handgreiflichkeiten kam. "Es wurde chaotisch und laut, und meine Mutter ist auch kein Mauerblümchen. Sie saß nicht einfach da und nahm es hin." Das habe zu vielen "Auseinandersetzungen" geführt. Ihre Mutter habe damals schon versucht, sie aus dem Haus zu bringen — etwa durch ein Internat. Doch Charlize Theron jagte das Wort "Scheidung" als Kind eher Angst ein. Bis zu dem Tag, der ihr Leben ohnehin komplett auf den Kopf stellte. Theron sei 15 Jahre alt gewesen, als ihr Vater samt seinem Bruder schwer betrunken nach Hause kam – mit viel Wut im Bauch, weil sich Charlize Theron einige Stunden zuvor nicht so verhalten habe, wie er es sich gewünscht habe. "Er ist schließlich in das Haus eingebrochen. Er hat durch die Stahltüren geschossen, um hineinzukommen, und damit sehr deutlich gemacht, dass er uns umbringen würde", beschreibt die heute 50-Jährige den Ablauf der Ereignisse. "Wir wussten, dass es ernst war, und als er das erste Tor aufbrach, rannte meine Mutter zum Safe, um ihre Waffe zu holen." "Keine einzige Kugel traf uns" Die beiden Frauen versteckten sich laut Theron im Schlafzimmer und hielten die Tür mit ihren Körpern fest, "weil sie kein Schloss hatte". Therons Vater habe einfach begonnen, "durch die Tür zu schießen". Wie durch ein Wunder überlebten sie. "Keine einzige Kugel traf uns. Es ist Wahnsinn. Aber die Botschaft war sehr klar: Ich werde euch heute Nacht töten." Als der Vater sich eine neue Waffe aus dem Gewehrschrank holen wollte, sei die Mutter aus dem Zimmer gestürmt, habe zunächst den Bruder des Vaters außer Gefecht gesetzt und danach den Vater erschossen. "Als ich den Schock überwunden hatte, wurde mir klar, dass sie mir das Leben gerettet hatte", so Charlize Theron in dem Interview. Die Geschichte ihrer Familie sei "leider kein Einzelfall". Solche Zustände gebe es in vielen Haushalten. Niemand nehme wirklich ernst, wie gefährlich die Lage hauptsächlich für Frauen sei, so Theron. Ihre heutige Stärke und Widerstandsfähigkeit führe sie auch auf diese Episode aus der Kindheit zurück. Sie sei früh darauf trainiert worden, zu überleben. Mit 16 Jahren verließ sie Südafrika und ging allein nach Italien . In den Neunzigern begann dann als 20-Jährige ihre Filmkarriere in den USA . Inzwischen verfolge sie das Erlebte "nicht mehr". Die Erfahrung habe sie geformt, definiere sie aber nicht gänzlich, so Theron.