Die positive Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland ist unbestritten. Und doch werden immer mehr DFB-Spielerinnen mit einem Abgang in Verbindung gebracht. Alexandra Popp blickt mit Sorge auf die Wechsel und Gerüchte rund um DFB-Spielerinnen ins Ausland. "Optimal ist das natürlich nicht, wenn viele deutsche Nationalspielerinnen nicht mehr in Deutschland spielen", sagte die frühere Kapitänin der deutschen Auswahl am Montag in einer Medienrunde. Der vermeintliche Trend sei "nicht gerade positiv", der Deutsche Fußball-Bund wolle das wohl "auch anders sehen". Ein aktuelles Beispiel ist Vivien Endemann. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die 24-Jährige den VfL Wolfsburg im Sommer ablösefrei in Richtung FC Liverpool verlässt. Endemanns aktueller Verein wird damit in diesem Sommer nach Popp (Borussia Dortmund) eine weitere wichtige Spielerin verlieren. Im Nationalteam spielte die Noch-Wolfsburgerin zuletzt groß auf, zahlte das Vertrauen von Bundestrainer Christian Wück zurück. "Sie hat charakterlich einen unglaublichen Sprung gemacht, ist sehr erwachsen geworden", befand der 52-Jährige und verwies auf gute Leistungen für ihren Verein in der Champions League . In der "Königsklasse" wird sich Endemann allerdings vorerst nicht mehr empfehlen können, Liverpool belegt in England nur den zehnten Tabellenrang. Wie groß die Anziehungskraft der finanzstärksten und besten Liga Europas dennoch ist, zeigte unlängst auch der Wechsel von DFB-Kollegin Lea Schüller vom FC Bayern zu Manchester United . Für Alexandra Popp greift die Erklärung jedoch zu kurz, dies allein auf finanzielle Aspekte zu reduzieren: "Ich glaube nicht mal, dass es zwingend wegen des Geldes ist, auch wenn sich das Thema ein Stück weit entwickelt hat", erklärte die 35-Jährige. Und warum ist das Ausland dann interessant? "Ich glaube, es geht den jungen Spielerinnen vielmehr darum, mehr zu erleben", so Popp, die als selbst ernannter "Heimscheißer" Deutschland bislang nicht verlassen wollte. Die Spielerinnen wollen ihrer Meinung nach "noch einmal eine ganz neue Erfahrung" sammeln und die "Wohlfühlzone" Deutschland hinter sich lassen. Ein Weckruf für deutsche Klubs Auch Nicole Anyomi könnte diesen Weg einschlagen. Der Vertrag der 26-jährigen Nationalstürmerin läuft im Sommer bei Eintracht Frankfurt aus, ihre Zukunft ist offen. "Es ist noch keine Entscheidung gefallen. Ich lasse mir da Zeit", sagte Anyomi zuletzt der "Frankfurter Rundschau". Einem Bericht der "Sport Bild" zufolge liebäugelt Anyomi mit einem Wechsel nach Paris. Fraglich sei nur noch, ob sie sich Paris Saint-Germain oder Paris FC anschließen wird. "Aktuell spiele ich für die Eintracht und gebe alles, weil ich dort einen besonderen Weg gemacht habe", hielt sich Anyomi bedeckt. Doch damit nicht genug, Frankfurt, das aktuell drei weitere Nationalspielerinnen stellt, muss den nächsten Umbruch befürchten. Schlüsselspielerin Elisa Senß soll im Sommer von ihrer Ausstiegsklausel Gebrauch machen und zum FC Bayern wechseln, während auch Interesse aus Spanien besteht. DFB- und Teamkollegin Lisanne Gräwe gilt ebenfalls als Wechselkandidatin, mit Interesse aus Wolfsburg und England. Und auch Selina Cercis Tendenz soll in die englische Women's Super League gehen, nachdem ein Wechsel von Hoffenheim nach Wolfsburg übereinstimmenden Medienberichten zufolge gescheitert ist. Alexandra Popps Fazit fiel ob der Gerüchte dennoch deutlich aus: "Es ist kein optimaler Blick dahin, dass deutsche Nationalspielerinnen ins Ausland gehen." Für deutsche Klubs könnte das immerhin ein Weckruf sein, "dass wir jetzt verdammt noch einmal etwas tun müssen". Ansonsten drohe der Bundesliga ein Aderlass. Deutschland spiele dann womöglich "keine Rolle mehr", so Popp. "Und das wäre sehr, sehr traurig für die Entwicklung."