Larissa Mühlhaus erlebt in Dresden ein Fußballmärchen. Beim Sieg gegen Slowenien belebt sie direkt den Konkurrenzkampf in der deutschen Offensive. Leicht nervös, aber breit lächelnd sprach Larissa Mühlhaus über ihre großen Gefühle. "Unglaublich, ich kann das gar nicht in Worte fassen. Ich muss erst mal alles verarbeiten. Es waren sehr, sehr viele Emotionen", sagte die 23-jährige Stürmerin über ihr Länderspieldebüt samt Tor für das deutsche Frauennationalteam beim 5:0 (2:0) gegen Slowenien. Nun Teil des DFB-Teams zu sein, sei ein "bisschen unrealistisch", gestand Mühlhaus nach dem erfolgreichen Start in die WM-Qualifikation, "es fühlt sich an wie ein Traum. Und der ist gerade in Erfüllung gegangen." Eingewechselt zur Pause traf die Angreiferin von Werder Bremen wenig später akrobatisch zum 4:0. "Ich hatte schon Gänsehaut die ganze Zeit auf der Bank, wo ich zugesehen habe. Weil ich das nur vom Fernsehen kenne, wenn die da spielen", so Mühlhaus. Auch Bundestrainer Christian Wück war zufrieden: "Sie hat Talent, sie hat vieles richtig gemacht, sie hat sich selbst belohnt", befand der 52-Jährige. Die eine oder andere Baustelle gebe es aber noch bei Mühlhaus. Mit ihrem Auftritt hat sie dennoch einen bleibenden Eindruck im DFB-Team hinterlassen – dabei war Mühlhaus ursprünglich gar nicht eingeplant. Drei verpasste Anrufe vom Bundestrainer Die Bremerin war gerade auf dem Weg zur deutschen U23. "Ich hatte schon ein paar Probleme mit der Deutschen Bahn, Verspätung und dann auch noch meinen Zug verpasst", gab Mühlhaus einen Einblick in einem DFB-Video bei Instagram. In der Bahn habe sie dann geschlafen und erst "irgendwann gesehen, dass ich drei verpasste Anrufe von einer unbekannten Nummer habe". Mühlhaus rief zurück, doch niemand nahm ab. "Eine halbe Stunde später kam dann erneut der Anruf und dann war das Christian", erinnerte sich die 23-Jährige. Wück habe ihr mitgeteilt, dass sie bei den DFB-Frauen dabei sei. Mühlhaus profitierte von der verletzungsbedingten Absage von Hoffenheims Selina Cerci, rückte in den Kader nach und stieg damit zur ersten A-Nationalspielerin Werder Bremens auf. Trainerin Fritzy Kromp war nach dem gelungenen Slowenien-Spiel voll des Lobes: "Die ganze Werder-Familie freut sich für sie. Dass sie so schnell ihr Debüt feiert, war eine großartige Überraschung." Mühlhaus habe sich diese Chance mit guten Leistungen hart erarbeitet, so Kromp, die Mühlhaus' Spielstil mit Bayerns Superstürmer Harry Kane verglich: "Larissa bricht total gerne aus, sie spielt Harry-Kane-mäßig, kommt aus allen möglichen Positionen nach vorn. Sie will immer den Ball und gestalten", sagte Kromp der "Süddeutschen Zeitung". Topklubs jagen Mühlhaus In der Bundesliga ist Mühlhaus mit bislang zehn Treffern gleichauf mit Bayerns Pernille Harder und Wolfsburgs Alexandra Popp. Nur Selina Cerci und Vanessa Fudalla von RB Leipzig haben bislang mehr Tore geschossen (beide 12). Als neue Hoffnungsträgerin der DFB-Frauen spielt sich Mühlhaus nun auch immer weiter ins Rampenlicht der internationalen Topklubs. Ob Bremen die Angreiferin halten kann? Ihr Vertrag läuft im Sommer aus, der Klub würde gerne verlängern. Mühlhaus zögere einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge allerdings. Demnach hat sich der FC Bayern bereits mit Mühlhaus beschäftigt, auch Eintracht Frankfurt , Klubs in England und den USA seien interessiert. Wie es für Mühlhaus in der kommenden Saison weitergehen wird, wird sich zeigen. Vorerst liegt der Fokus auf dem zweiten WM-Qualifikationsspiel am Samstag in Norwegen (ab 18 Uhr im t-online-Liveticker). "Das 5:0 ist ein guter Auftakt und jetzt schauen wir mal, was noch kommt", so Mühlhaus, die auf weitere Einsatzminuten hoffen darf.