Ein junger, in Deutschland geborener Kosovare will einer Frau imponieren. Er beschleunigt sein 612-PS-Auto – und fährt eine zweifache Mutter tot. Die Stadt Duisburg will ihn jetzt loswerden. Kushtrim H. ist in Deutschland geboren, hier aufgewachsen und hier zum Straftäter geworden. Der 28-jährige Kosovare aus Duisburg ist wegen eines illegalen Autorennens mit Todesfolge zu fünf Jahren Haft verurteilt, noch sitzt er im Gefängnis – aber wenn er entlassen wird, soll er abgeschoben werden. Lamborghini, Uhren und Schmuck weg: Polizei verhaftet "König von der Kö" auf Ibiza Staatsanwaltschaft durchsucht Wohnung: Lehrerin macht wohl 16 Jahre lang krank Das zumindest möchte die Stadt Duisburg, die seine Ausweisung betreibt. H. wehrt sich dagegen. Am Freitag verhandelte das Verwaltungsgericht Düsseldorf über den Fall. Ein Urteil fiel noch nicht, aber der Richter ließ bereits durchblicken, wie er die Sache sieht: "Ich halte die Ausweisung insgesamt für rechtmäßig und angemessen", erklärte er nach gut zweistündiger Verhandlung. Tödlicher Unfall mit Mercedes AMG H. war am Ostersonntag 2019 als 21-Jähriger mit einem Mercedes AMG E63 S mit 612 PS durch ein Wohngebiet in Moers gefahren. Dabei lieferte er sich ein Rennen mit einem anderen jungen Mann, der in einem Range Rover Sport mit 550 PS saß. Um Bekannten sowie einer Frau zu imponieren, drückte H. aufs Gas. Der Mercedes AMG beschleunigte in einem Wohngebiet innerhalb von Sekunden auf 167 km/h – und traf den kleinen blauen Citroën Saxo einer 43 Jahre alten Mutter von zwei Kindern. Sema S. wurde aus ihrem Auto herausgeschleudert. 40 Stunden nach dem Zusammenstoß starb sie. "Raser von Moers" zeigt Reue Der Unfallverursacher flüchtete und ließ die schwer verletzte Frau am Unfallort zurück. Erst Tage später stellte er sich. Nach zwei vom Bundesgerichtshof wieder aufgehobenen Urteilen wurde er schließlich 2023 rechtskräftig verurteilt. Am Freitag wurde er in Hand- und Fußfesseln vorgeführt und zeigte sich reuig: "Der Idiot von früher bin ich heute nicht mehr", sagte er vor Gericht. "Ich habe sehr viel Leid verursacht. Aber ich bin reifer geworden. Den jugendlichen Leichtsinn habe ich nicht mehr", beteuerte er. "Ich bin Deutscher, Herr Richter" Er sei "einfach ein dummer Idiot" und sehr überheblich gewesen. Inzwischen habe er aber drei Jahre Gesprächstherapie mit einer Psychologin absolviert: "Ich habe mich heute gebessert." Und er erklärte, wieso er in Deutschland bleiben möchte: Außer einer Großmutter habe er keine Wurzeln im Kosovo , er spreche die dortige Sprache auch nur schlecht. Er sei bisher lediglich als Tourist im Kosovo gewesen und könne sich ein Leben dort nicht vorstellen. "Ich bin Deutscher, Herr Richter", sagte er. "Auch wenn mein Pass etwas anderes sagt." Er sei mit einer Deutschen verheiratet und werde, wenn er in Deutschland bleiben dürfe, zunächst die fast 45.000 Euro Schulden abarbeiten, die er angehäuft habe. Auch seine Therapie würde er gerne fortsetzen. Richter glaubt, eine Ausweisung diene der Abschreckung Die Stadt Duisburg, die die Ausweisung betreibt, verwies unterdessen auf einen Bericht der Justizvollzugsanstalt, die dem 28-Jährigen zwar einen Reifungsprozess bescheinigt, aber auch betont, dass eine konkrete Aufarbeitung der Tat nicht stattgefunden habe. Der Richter hielt H. zugute, dass er einen Hauptschulabschluss erreicht, mehr als fünf Jahre gearbeitet und nie Sozialleistungen bezogen habe. Es sei auch möglich, dass seine Ehefrau einen stabilisierenden Einfluss auf ihn habe. Zugleich bestehe nach seiner Verurteilung zu fünf Jahren Haft aber laut Gesetz ein "besonders schwerwiegendes Ausweisungsinteresse". Er habe die Tat ohne Führerschein begangen und sei danach geflüchtet, ohne sich um das Opfer zu kümmern. Ihm seien narzisstische und dissoziale Züge bescheinigt worden. Eine Ausweisung würde auch der Abschreckung dienen. Der Anwalt des Duisburgers regte an, das im Mai bevorstehende psychologische Gutachten der Haftanstalt abzuwarten. Doch der Richter kündigte an, in den kommenden zwei Wochen eine Entscheidung zu treffen.