Elon Musks kindische Reaktion auf Pläne Spaniens könnte der notwendige Schritt in die richtige Richtung gewesen sein. Wenn auch nicht im Interesse des Tech-Milliardärs. Es gibt diese Partner, die machen es einem sehr schwer und dadurch sehr leicht. Lange geht man mit dem Gedanken schwanger, sich zu trennen. Das Gefühl, doch nicht den Richtigen an der Seite zu haben, lässt sich nicht mehr wegargumentieren. Das Unbehagen wächst, weil der andere in Stresssituationen plötzlich gar nicht mehr so nonchalant ist, sondern ziemlich eklig wird. Oder weil er vielleicht immer mehr erkennen lässt, dass Stilsicherheit nicht zu seinen Stärken gehört. Ringt man sich dann dazu durch, sich zu trennen, lässt er los – nur leider vor allem mit Blick auf seine nicht allzu positiven Eigenschaften. Scheidungsanwälte können ganze Liederabende mit diesem Repertoire gestalten: Plötzlich ist da nichts mehr übrig vom ursprünglich galanten, großzügigen und souveränen Gegenüber. Stattdessen offenbart sich dort ein Mensch, mit dem man so schnell wie möglich nur noch so wenig wie möglich zu tun haben will. Schutz vor digitalem Wilden Westen Insofern können wir Elon Musk dankbar dafür sein, wie er sich teilweise gebärdet. Zum Beispiel dann, wenn der spanische Regierungschef ankündigt, sehr konkret über ein Social-Media-Verbot für alle unter 16 in seinem Land nachzudenken. Pedro Sánchez findet, dass Jugendliche vor dem "digitalen Wilden Westen" geschützt werden müssen. Und wie reagiert Elon Musk auf diese Ankündigung? Idiotischerweise und Gott sei Dank exakt so, dass man sich gar nicht mehr mühsam auf die Suche nach Beispielen für diesen angeblichen Wilden Westen machen muss. Elon Musk pöbelt. Auf seiner Plattform X, in noch nicht ganz so verkommenen Tagen hieß sie Twitter, schreibt der reichste Mann der Welt: "Der dreckige Sánchez ist ein Tyrann und ein Verräter des spanischen Volkes." Diese an Eleganz, Komplexität und Reife durchaus zu überbietende Einlassung verziert der 54-jährige Musk dann auch noch konsequent in seiner Rolle bleibend mit einem Kackhaufen-Emoji. Wäre es nicht in Anbetracht der Selbstachtung ausgeschlossen, auf so einen infantilen Quatsch zu reagieren, bliebe Sánchez meines Erachtens nur eine einzige wirklich angemessene Reaktion: ein herzliches Dankeschön. Denn eindrücklicher als Musk kann man nicht belegen, wie dringend die Riege aus opportunistischen und auf dem Reflexionsgrad eines geldgierigen Grundschulkindes verharrenden Plattform-Bossen um Regulierung bettelt. Da bewegt sich etwas Australien hat es vorgemacht, da gilt ein solches Verbot bereits . Erste Berichte zeigen: Da ist noch sehr, sehr viel Luft nach oben. Die Plattformen greifen – nicht überraschend – nicht allzu konsequent bei der Altersbestimmung ihrer User durch, und die Jugendlichen sind mit altersgerecht ausreichend krimineller Energie ausgestattet, um Hürden zu umgehen. Waren wir damals ja auch, wenn wir auch mit anderen Verboten und Tricks arbeiten mussten. Trotzdem ist durch das Verbot eine Menge in Bewegung geraten. Die Frage danach, ob womöglich nicht alle Inhalte in den sozialen Medien kindgerecht sind, hat inzwischen auch die blauäugigsten und/oder desinteressiertesten Eltern erreicht. Und selbst die Politik, die alle Fragen rund um Social-Media-Regulierung sehr lange für noch gedönsiger als Bildungspolitik gehalten hatte, wacht nun langsam auf. Bundesfamilienministerin Karin Prien von der CDU hat sich des Themas angenommen. Eine widerliche Geschichte Und als kürzlich Grok, der KI-Chatbot auf Musks Plattform, per Knopfdruck theoretisch alle Frauen (und Mädchen) dieser Welt zum Ziel digitaler sexualisierter Übergriffe machte , gab es massive Gegenwehr. Die EU, man mag es gar nicht glauben, erinnerte sich an den Digital Services Act und will auf dieser Grundlage nun gegen Musk vorgehen. Der französische Präsident Macron ließ sich zur Sache ein. (Vielleicht kann jemand mal bei Gelegenheit Friedrich Merz von dieser ganzen Sache berichten. An ihm scheint sie vorbeigegangen zu sein. Man erreicht ihn, wie übrigens die allermeisten Staats- und Regierungschefs, weiterhin auf X.) Diese Grok-Episode ist: widerlich. Ich wiederhole, wir leben in schnelllebigen Zeiten: widerlich. Und dennoch: Auch sie hat einen Vorteil. Auch sie zeigt: Elon Musk verfügt über mindestens ebenso viel Geld und Einfluss wie Verantwortungslosigkeit. Er scheint der wahr gewordene Traum von Herbert Grönemeyer zu sein, der einst forderte: "Kinder an die Macht". Wobei der sich das natürlich anders vorgestellt hat. Details müssen noch geklärt werden Dass die Mächtigen nun reagieren – gut so. Im spanischen Parlament hat die Minderheitsregierung bereits eine Initiative zur Altersbeschränkung eingebracht. Details sind noch nicht geklärt, aber grundsätzlich unterstützt auch die größte Oppositionspartei diesen Vorstoß. Und auch im britischen Oberhaus ist man für ein Verbot unter 16. Das Unterhaus hat noch nicht abgestimmt. Es ist etwas ins Rutschen geraten. Und dafür muss man ausgerechnet auch Elon Musk dankbar sein.