Die Spielmacherposition der Bayern ist zur Achillesferse geworden. Im Pokalduell gegen Leverkusen braucht Kompany nun einen Star wie nie zuvor. Aus München berichtet Julian Buhl Vincent Kompany weiß ganz genau, was ihn und den FC Bayern am Mittwochabend (20.45 Uhr im Liveticker bei t-online) bei Bayer Leverkusen erwartet. Schließlich hat er gegen keinen anderen Gegner in den 18 Monaten, in denen er nun als Chefcoach für den deutschen Rekordmeister arbeitet, häufiger gespielt. Die Magie ist zurück: Musiala macht's wie Beckenbauer "Das ist das Bild des Jahres": Darauf mussten die Fans lange warten "Morgen ist, glaube ich, schon das achte Duell in zwei Jahren gegen Leverkusen. Sie hatten zwei unterschiedliche Trainer, aber die Spieler kennen sich gut und wir wissen genau, was auf uns zukommt", sagte Kompany. Als Anschauungsbeispiel nannte der Belgier dafür die hitzige Ligapartie in Leverkusen vor knapp einem Monat, die nach Platzverweisen für Nicolas Jackson und Luis Díaz mit 1:1 endete. "Wir haben im letzten Spiel genau gesehen, welche Emotionen man braucht – und welche man besser zuhause lässt", sagte Kompany mit einem Grinsen. "Was wir immer erlebt haben, war ein totaler Kampf! Wir erwarten daher auch diesmal nichts anderes." Leverkusen setzte den Pokalfluch der Bayern fort In den bisher sieben Duellen mit Leverkusen gab es drei Siege und drei Remis für Kompanys Bayern – aber auch eine empfindliche Niederlage. In der vergangenen Saison gewann Leverkusen ausgerechnet das Pokalachtelfinale nach einer frühen Roten Karte (17.) für Kapitän Manuel Neuer mit 1:0 in München. Und setzte damit die mittlerweile sechs Jahre anhaltende Pokalmisere der Bayern mit dem nächsten vorzeitigen Aus fort. Diesen Fluch wollen die Münchner beim Wiedersehen mit Leverkusen nun endlich brechen und erstmals wieder ins Endspiel in Berlin einziehen. Nach dem Gewinn der Meisterschaft wollen die Bayern damit den nächsten wichtigen Schritt auf dem Weg zum möglichen Triple gehen. Das ist jetzt die Achillesferse der Bayern Ausgerechnet vor den Halbfinalspielen im Pokal und der Champions League , wo schon am kommenden Dienstag (21 Uhr im Liveticker bei t-online) das Hinspiel bei Titelverteidiger Paris Saint-Germain ansteht, muss der Rekordmeister aber einen empfindlichen Rückschlag verkraften. Für Serge Gnabry ist die Saison nach einem Ausriss der Adduktoren am rechten Oberschenkel nämlich vorzeitig beendet. Mit ihm fällt in der entscheidenden Phase nun einer der Schlüsselspieler der bisherigen Saison aus. Mit konstant starken Leistungen auf der Zehnerposition machte Gnabry das Fehlen von Jamal Musiala nach dessen Wadenbeinfraktur lange Zeit vergessen. Da auch Jungstar Lennart Karl nach einem Muskelfaserriss aktuell noch verletzt fehlt, ist die Spielmacherposition nun so etwas wie die Achillesferse der Bayern. Weitere Ausfälle könnte der dünne Kader nicht mehr kompensieren – zumindest nicht ohne deutlichen Qualitätsverlust. Als eigentliche Bestbesetzung auf dieser Position rückt Musiala deshalb nun zwangsläufig wieder voll in den Fokus. Nachdem ihm Ex-Bayern-Boss Oliver Kahn rund um die Länderspielpause Ende März zuletzt noch empfahl, über einen freiwilligen Verzicht auf die WM im Sommer nachzudenken, zeigte die Formkurve des Nationalspielers zuletzt wieder deutlich nach oben. Jetzt hat Kompany keine andere Wahl mehr Nach seiner komplizierten Verletzung und knapp einem halben Jahr Pause näherte sich der 23-Jährige zuletzt immer mehr seiner Bestform. Unter anderem mit seiner Hackenvorlage bei seinem Jokereinsatz im Halbfinalrückspiel gegen Real Madrid (4:3) oder mit seiner Vorlage nach einem Dribbling an vier Gegenspielern vorbei am Sonntag gegen Stuttgart (4:2) ließ Musiala bereits wieder magische Momente aufblitzen. Gegen St. Pauli (5:0) erzielte er sogar das historische 101. Saisontor der Bayern . Bislang führte Kompany ihn allerdings eher behutsam mit kürzeren Einsätzen an die Mannschaft heran. In Leverkusen hat Kompany nun keine andere Wahl mehr: Musiala wird dort jetzt erstmals wieder in einem entschiedenen K.o.-Spiel, in dem es um alles geht, gebraucht. Es wird der erste echte Härtetest für den Zauberfuß. Kompany hofft auf Musiala 2.0 Musiala habe zumindest "schon fast 90 Minuten gespielt", sagte Kompany. Der Bayerncoach wähnt Musiala jedenfalls "in einer guten Phase". Der habe sich körperlich gut entwickelt und sei "jetzt auch physisch nicht nur von der Kraft, aber auch von der Laufbereitschaft her, schon ganz nah an seinem besten Niveau". Ausgerechnet in dem Kampfspiel, das Kompany in Leverkusen erwartet, hofft der 40-Jährige auch auf ein paar magische Musiala-Momente. "Es ist nur die Frage, wann kommt dieser Magic Musiala?", fragte Kompany und gab sich die Antwort selbst: "Er kommt zu 100 Prozent. Seine Momente sind schon da." Kompany betonte, dass Musiala schon jetzt wieder extreme Torgefahr ausstrahle. In gerade einmal 600 Minuten habe "der Junge" schon neun Scorerpunkte gesammelt. Der Trainer freut sich schon jetzt darauf, "wenn diese totale Freiheit wiederkommt. Dann hast du vielleicht eine entwickelte Version von Jamal Musiala." Sozusagen Musiala 2.0. Von diesen positiven Entwicklungen habe man "im letzten Spiel schon viel gesehen", so Kompany: "Ich glaube, er hat schon gezeigt, dass er ready ist." Bereit für seinen ersten großen Stresstest.