FC Bayern: Jamal Musiala mit Bestleistung – Kritik-Konter gegen Kahn

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Jamal Musiala liefert gegen St. Pauli seine beste Saisonleistung. Damit kontert er die harte Kritik Oliver Kahn auf seine Weise und bremst eine brisante Debatte. Jamal Musiala musste lachen. Er konnte einfach gar nicht anders, als ihm nach dem 5:0-Sieg mit dem FC Bayern beim FC St. Pauli tatsächlich bei Sky diese Frage gestellt wurde. Ob es denn tatsächlich eine Option für ihn wäre, freiwillig auf die Weltmeisterschaft im Sommer zu verzichten? "Für mich eigentlich nicht. Ich will auf jeden Fall zur WM gehen", sagte Musiala also. "Wir haben jetzt noch die Saison mit Bayern, wo ich der Mannschaft helfen will, alles zu gewinnen. Und dann ist mein Fokus, dem Land und der Nationalmannschaft zu helfen." Musialas konkreter Plan für die kommenden Monate steht also. Ein möglicher WM-Verzicht, dem ihm ausgerechnet Ex-Bayern-Kapitän und -CEO Oliver Kahn öffentlich nahegelegt hatte, ist dabei nicht mal ansatzweise Teil seiner Gedanken. Auf Kahns Provokation hatte Musiala am Samstagabend auf seine Weise reagiert und statt Worten seine Taten auf dem Platz für sich sprechen lassen. Dabei lieferte er knapp neun Monate nach seinem komplizierten Wadenbeinbruch, den er im Juni bei der Klub-WM erlitten hatte, seine bislang beste Saisonleistung ab. Er erzielte nicht nur das wichtige 1:0 per Kopf, sondern war auch darüber hinaus der auffälligste Spieler der Bayern. Seinen zweiten Treffer zum möglichen 2:0 verpasste er nach einer schönen Einzelaktion nur deshalb, weil der Ball vom rechten Innenpfosten wieder aus dem Tor sprang. Es war nicht die einige Szene, in der der 22-Jährige sein Ausnahmekönnen aufblitzen ließ. Das galt genauso für seine Hackenvorlage nach knapp einer Stunde auf Raphaël Guerreiro (65.) und seinen perfekt getimten Pass in den Lauf von Torschütze Nicolas Jackson beim 5:0. Damit verdiente sich Musiala auch in der Einzelkritik von t-online die Bestnote. Sonderlob von Hoeneß: Musiala macht's wie Beckenbauer Dass Musiala seiner Mannschaft den Weg dazu ebnete, den historischen Torrekord von 101 Bundesligatreffern aus der Saison 1971/72 zu übertreffen, war auch Ehrenpräsident Uli Hoeneß aufgefallen, der diesen einst gemeinsam mit Gerd Müller, Franz Beckenbauer und Co. selbst aufgestellt hatte. "Ich habe mich gefreut, dass ein junger Kerl wie Lennart Karl letzte Woche das 100. Tor gemacht hat – das zeigt, dass der FC Bayern auch für die Zukunft gewappnet ist", sagte Hoeneß auf der Vereinshomepage. "Und das Gleiche gilt für Jamal Musiala, der sich das 101. Tor nach einer langen Verletzung außerdem mehr als verdient hat." Damit trat Musiala gewissermaßen in die Fußstapfen von Beckenbauer, der zu seiner Zeit jenen Treffer für Bayern erzielt hatte. Dieses historische Tor habe ihm "sehr gut getan. Es war ein gutes Spiel", sagte Musiala anschließend und schilderte: "Ich komme besser in Aktionen rein, hatte ein Tor, eine Chance, die ich reinmachen kann. Ich bin zufrieden mit meiner ganzen Leistung." In den vergangenen Wochen hatte er häufig dagegen noch mit Problemen an seinem lädierten Fuß zu kämpfen, weshalb er zuletzt auch die Reise zur Nationalelf absagen musste. "Ich habe heute einen Schritt nach vorne gemacht" "Jede Minute, die ich nehmen kann, in der das Gefühl in Fuß und Beine wieder reinkommen kann, tut mir gut", sagte Musiala. "Ich habe heute einen Schritt nach vorne gemacht. Da gibt es noch viele Schritte, aber es ist ein guter Weg." Dabei gilt es freilich noch einige Hürden zu überwinden – sowohl auf der physischen als auch auf der psychischen Ebene. Musiala gab diesbezüglich ein paar Einblicke in sein Seelenleben. "Es ist ein bisschen von allem. Am Anfang war es auch viel der Kopf, ein gutes Gefühl und Vertrauen in den Fuß zu haben", sagte er. "Jetzt fühle ich, dass mein Fuß viel freier wird. Ich brauche ein bisschen Geduld. Aber ich fühle mich jetzt viel besser als vor einem Monat." Kahn hatte zuvor bei Sky über Musiala konkret gesagt: "Er sollte auf eine Teilnahme bei der WM verzichten. Wenn ich spüre, dass etwas in meinem Spiel nicht stimmt, dann muss ich an mir arbeiten, wieder bereit zu sein." Damit stieß der Ex-Torwart nicht nur bei Experten-Kollege Lothar Matthäus auf Unverständnis, der Kahns Kritik am Samstag beim gleichen Sender als "überflüssig" und "unverständlich" bezeichnete ( mehr zu Matthäus Konter an Kahn lesen Sie hier ). "Kahn wäre mit gebrochenen Arm und Fuß zur WM gefahren" Auch Bayern-Chefcoach Vincent Kompany sagte angesprochen von Matthäus am Tisch bei Sky: "Ich habe Oli Kahn einmal im Training gesehen – das war Wahnsinn. Ich glaube, der wäre mit einem gebrochenen Arm und Fuß zur WM gefahren." Kompany wollte das als Kompliment für Kahns Ehrgeiz verstanden wissen. "Das war großartig", so der Belgier. "Ich glaube, genauso ist das Gefühl für Jamal. Der Bayern-Coach erinnerte zum wiederholten Mal daran, dass Musiala "aus einer großen Verletzung" komme. Das dürfe man nicht vergessen. "Aber er bleibt immer torgefährlich und wichtig für die Mannschaft", sagte Kompany. Musiala sei "vielleicht noch nicht auf seinem besten Niveau, das ist auch völlig in Ordnung. Wer große Verletzungen hatte, weiß, wie schwer das ist, erst mal dieses Gefühl zurückzubekommen", so der Chefcoach weiter. "Aber er ist schon wichtig und er kommt. Er muss in seinem Tunnel bleiben. Am Ende wir das Talent der Spieler immer Recht haben. Das wird bei Jamal genauso sein." Sportvorstand Max Eberl hatte Musiala bereits vor der Partie gegen die Kahn-Kritik verteidigt. "Jamal ist ein Gefühlsfußballer. Diese Verletzung war echt ein Einschlag für ihn. Natürlich hat er damit auch zu tun, nicht nur körperlich, sondern auch von der Birne", sagte Eberl. "Irgendwann wird dieser Moment kommen, da wird er positive Dinge erleben: vielleicht ein Zweikampf, ein Tor, ein Assist, vielleicht ein besonderer Moment gegen Real Madrid", so Eberl weiter. "Dann wird alles vergessen sein. Dann werden wir den Jamal wieder sehen, den wir vorher hatten." Wenige Minuten später ließ Musiala gleich mehrere solcher besonderer Momente folgen und versprühte bereits wieder eine gewisse Magie, die sein Spiel auszeichnet. Das dürfte auch Kahn jedenfalls nicht entgangen sein.
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