FC Bayern | Manuel Neuer: Mediziner erklärt Verletzungsproblematik im Alter

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Die Verletzungsanfälligkeit von Manuel Neuer wirft Fragen über seine Zukunft auf. Kann Bayern überhaupt noch weiter mit dem bald 40-Jährigen planen? Ein Sportmediziner liefert Antworten. Seit Sonntagmittag herrscht bei Manuel Neuer Gewissheit. Laut offizieller Mitteilung des FC Bayern hat der Stammtorhüter einen Faserriss in der n Wade erlitten. Hinter der Auswechslung in der Halbzeitpause des Spiels am Vortag in Bremen (3:0) steckte also doch mehr als nur eine Vorsichtsmaßnahme. Vertragspoker bei Bayern: Jetzt geht es um seine Zukunft Neuer zur DFB-Torwartfrage: "Er ist jetzt die Nummer eins" Der Rekordmeister müsse deshalb "vorerst auf seinen Kapitän verzichten", hieß es in der Mitteilung weiter. Wie lange genau Neuer fehlen wird, ließen die Münchner offen. Dem Vernehmen nach aber wohl für mindestens zwei bis drei Wochen. Damit ist klar, dass der 39-Jährige nicht nur das Heimspiel am Samstag (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei t-online) gegen Frankfurt, sondern auch das wichtige Topspiel bei Borussia Dortmund genau eine Woche später verpassen wird. Bitter für Neuer und die Bayern. Schon kurz vor Weihnachten war er deshalb ausgefallen, hatte aufgrund der Winterpause aber nur ein Spiel verpasst. Deutlich schwerer wog da schon sein Muskelfaserriss , den er fast genau vor einem Jahr Anfang März im Achtelfinalhinspiel der Champions League gegen Leverkusen (3:0) erlitten hatte. Neuer fiel damals insgesamt 56 Tage aus und verpasste zehn Pflichtspiele – darunter das Rückspiel sowie die Viertelfinals gegen Inter Mailand . Neuer erleidet dritten Muskelfaserriss in elf Monaten Die Fragen, die nach dem nun bereits dritten Muskelfaserriss in den vergangenen elf Monaten zumindest im Raum stehen, lauten: Hat Neuers Verletzungsanfälligkeit etwa System? Und ist sie möglicherweise auch dem fortgeschrittenen Alter geschuldet, in dem sich Bayerns ewige Nummer eins mittlerweile befindet? Kann Neuer aus medizinischer Sicht auch in der kommenden Saison überhaupt noch dauerhaft als solche eingeplant werden? Professor Sebastian Siebenlist, Leiter der Sportorthopädie am TUM Klinikum Rechts der Isar in München, liefert im Gespräch mit t-online klare Antworten. Von einem pauschal erhöhten Risiko von Muskelverletzungen im Alter könne nicht die Rede sein, so Siebenlist. Es gebe schließlich genügend Leute, die auch im hohen Alter noch auf Leistungsniveau Sport machen, die jetzt nicht regelmäßig Muskelfaserrisse oder andere Verletzungen erleiden würden. Siebenlist glaubt jedenfalls nicht, "dass das Alter da die alleinige entscheidende Komponente ist – gerade bei dem hervorragenden Trainingszustand solcher von Profisportlern". "Das biologische Alter ist entscheidend" Es gebe auch kein bestimmtes Alter, in dem einem Sportler zwingend vom Leistungssport abzuraten wäre, betont Siebenlist. "Da würde ich mich nicht am numerischen Alter orientieren. Das sogenannte biologische Alter bzw. die biologischen Faktoren sind da entscheidend." Numerisch wird Neuer am 27. März 40 Jahre alt. In diesem Alter finden auch bei einem Leistungssportler natürliche Veränderungen des Körpers statt. "Es ist schon so, dass insgesamt die einzelnen Gewebe, sprich die Sehnenfasern oder auch Muskelfasern im Alter natürlich nicht mehr so elastisch sind", erklärt Siebenlist. Dennoch könne ein Muskelfaserriss auch im höheren Alter noch genauso heilen wie bei einem Mitte 20-Jährigen. So wichtig sind Pausen für Neuer Grundsätzlich ist er der Meinung, "dass jemand mit 40 auch noch ein hohes Leistungsniveau halten kann", so der Sportmediziner. "Aber rein von der Physiologie her kann er nicht mehr die gleiche Konstitution mitbringen wie ein 20-Jähriger." Welche Faktoren das genau betrifft, sei wiederum individuell verschieden. Der eine habe in dem Alter dann nicht mehr die Muskelmasse, der nächste vielleicht konditionell schon irgendwo Einschränkungen. Verstärkte oder längere Wettkampfpausen können da durchaus helfen. "Je älter man wird, umso längere Erholungsphasen braucht der Körper einfach", sagt Siebenlist, "das ist auch dem normalen Alterungsprozess geschuldet." Seit seinem Rücktritt aus der deutschen Nationalelf nach der Heim-EM 2024, den er nun noch einmal bekräftigte und auch eine Rückkehr zur WM endgültig ausschloss , hat Neuer während der Länderspielphasen nun zusätzliche Ruhephasen. Auch bei den Bayern bekommt er diese seit dieser Saison verstärkt. Bereits vor seiner Verletzung wurde er regelmäßig von Jonas Urbig vertreten. Der 22 Jahre alte Ersatztorhüter wird auch in den kommenden Wochen vorerst wieder für ihn im Tor stehen. Neuers Verletzungshistorie als Problem Was seine aktuelle Verletzungsanfälligkeit betrifft, spielen in Neuers Fall seine zahlreichen Vorverletzungen wohl eine deutlich größere Rolle als nur sein Alter. In den vergangenen Jahren erlitt er unter anderem drei Mittelfußbrüche sowie eine komplizierte Unterschenkelfraktur. Solche schweren Verletzungen bringen häufig eine Veränderung im Bewegungsapparat der Muskulatur mit sich. Daraus kann eine erhöhte Belastung auf bestimmte andere Muskeln resultieren. "In diesen Situationen besteht große Verletzungsgefahr" Was zum individuellen Torhüterspiel von Neuer gehört, mit dem er im modernen Fußball neue Maßstäbe gesetzt hat, ist seine Rolle als Libero. Dazu gehören immer wieder explosive Sprints bis weit vor seinem Strafraum und teilweise sogar Läufe bis an die Mittellinie. Die sind bisweilen äußerst riskant – und zwar nicht nur aus sportlicher, sondern eben auch aus medizinischer Sicht. "Kurze Episoden mit maximaler Höchstleistung, egal ob das ein intensiver Sprint oder eine andere extreme Kraftanstrengung ist", sagt Siebenlist, "das sind unter Umständen die Situationen, in denen eine große Verletzungsgefahr bestehen kann. Das ist völlig klar." Aber auch das könne nicht allein aus Alterssicht betrachtet werden, so Siebenlist. Stattdessen komme es zum Beispiel vielmehr auf die Trainingsverfassung oder den Aufwärmzustand der Muskulatur an. Wie lange tut er sich das noch an? An beidem arbeitet Neuer nun intensiv in seiner Reha. Wie lange tut er sich solche Strapazen noch an? Nach seiner Rückkehr gilt es jedenfalls, eine Entscheidung über seine Zukunft beim FC Bayern zu treffen. Und konkret, ob er seinen im Sommer auslaufenden Vertrag bei den Münchnern noch einmal um ein weiteres Jahr verlängern wird. Beide Seiten haben sich darauf verständigt, erst nach Neuers 40. Geburtstag konkreter über das Thema zu sprechen. Sportvorstand Max Eberl zuletzt bei Sport1 zur Causa Neuer: "Er ist mit bald 40 Jahren immer noch ein Top-Torhüter in Europa. Aber natürlich muss es so weitergehen." Neuer müsse auf Top-Niveau leistungsfähig sein – so wie er es aktuell sei, so Eberl. "Es geht darum, wie Manuel sich fühlt, ob er will und ob er sich in der Lage sieht, seine Leistungen noch ein weiteres Jahr lang zu zeigen." Zumindest aus medizinischer Sicht spricht da auch mit dann 40 Jahren nichts dagegen.
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