Bayern-Trainer Vincent Kompany kritisierte vor wenigen Wochen eine Regelung in der Champions League. Die Uefa prüft nach t-online-Informationen nun tatsächlich eine Änderung. Aus Paris berichtet Julian Buhl Was für eine Mission am Dienstagabend (21 Uhr im Liveticker bei t-online) im Halbfinal-Hinspiel der Champions League bei Paris Saint-Germain wartet, daran wurden Bayern-Trainer Vincent Kompany und Verteidiger Dayot Upamecano schon am Montag einmal eindrucksvoll erinnert. 200-Millionen-Euro-Angebot? "Für einen Spieler wie ihn gibt es kein Preisschild" Als das Duo in einem Minibus am Prinzenpark-Stadion zur Pressekonferenz vorfuhr, prangten dort an der Fassade Banner, die klarmachten: Hier spielt der amtierende Champions-League-Sieger. Und die Bayern haben nichts weniger vor, als den Titelverteidiger von seinem Thron zu stürzen. In der Ligaphase war den Münchnern bereits ein 2:1-Sieg gelungen. Das will Vincent Kompany mit seinem Team im Halbfinale wiederholen. Ausgerechnet Kompany forderte Änderung der Gelbsperren-Regel Eine ganz entscheidende Sache wird diesmal aber grundlegend anders sein als noch beim letzten Paris-Besuch der Bayern Anfang November. Kompany wird nicht an der Seitenlinie stehen dürfen. Nach seiner dritten Gelben Karte ist der Belgier jetzt allerdings gesperrt. Er darf deshalb den Innenraum des Stadions nicht betreten und muss stattdessen auf der Tribüne Platz nehmen. Er wird von Aaron Danks vertreten, wie Kompany im Rahmen seiner Pressekonferenz noch einmal final bestätigte . Vor dem Viertelfinal-Rückspiel bei Real Madrid (4:3) hatte sich ausgerechnet Kompany über die seiner Ansicht nach "zu aggressive" Gelbsperrenregelung beklagt, die bereits nach der dritten Verwarnung eine Sperre vorsieht. Denn während die Anzahl der Spiele seit der Champions-League-Reform um bis zu vier Partien erhöht wurde, blieb die Kartenregelung unverändert. Die Folge: Gleich vier Bayern-Spieler waren gegen Madrid von einer Sperre bedroht. Vincent Kompany merkte daraufhin an: "Wenn du so weit im Wettbewerb kommst als Innenverteidiger und hast nur drei Gelbe Karten bekommen, hast du eigentlich einen ganz guten Job gemacht. Und trotzdem kannst du gesperrt werden für das Halbfinale. Das finde ich schon hart." Immerhin: Sowohl Kapitän Manuel Neuer , Dayot Upamecano, Jonathan Tah als auch Konrad Laimer schafften es, ohne Verwarnung aus Hin- und Rückspiel zu gehen – und ihre Gelbe Karten wurden wie üblich vor dem Halbfinale gelöscht. Kompany wurde dagegen vom Schiedsrichter beim Rückspiel verwarnt und gesperrt. Sein Wunsch nach einer Regeländerung wird dadurch noch größer sein. Nach Kompanys Forderung: Uefa prüft Regeländerung Wie t-online erfuhr, hatte die Uefa dieses Thema zwar bereits vorher genau im Blick. Durch Kompanys Worte wurde die Diskussion darum zumindest hinter den Kulissen mit weiteren Argumenten befeuert. Auch andere Trainer teilen nach t-online-Informationen die Meinung Kompanys. Für einen möglichen Vorschlag zur Änderung zuständig ist das Club Competitions Committee (CCC), ein beratendes Gremium aus 21 Personen, größtenteils Vertreter einzelner Vereine. Sowohl Bayer Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro als auch Borussia Dortmunds Präsident Hans-Joachim Watzke, der sogar stellvertretender Vorsitzender ist, sind Mitglied in dem Gremium. Carro sagte t-online Folgendes zu der Causa: "Ich persönlich teile die Einschätzung von Vincent Kompany. Es gibt im Club Competitions Committee der Uefa allerdings unterschiedliche Positionen dazu." Und weiter: "Wir diskutieren das in diesem Gremium aktuell intensiv und werden zu gegebener Zeit eine Entscheidung treffen." Watzke bat auf t-online-Anfrage dagegen um Verständnis, dass er sich zum jetzigen Zeitpunkt mit Blick auf seine besondere Funktion innerhalb des Komitees nicht zu der Thematik äußern könne. So läuft die mögliche Regeländerung jetzt ab Im Alleingang kann das CCC die bestehenden Regeln aber sowieso nicht ändern. Schließlich legt die Uefa am Ende fest, nach wie vielen Karten eine Sperre in ihren Wettbewerben verhängt werden. Sollte das CCC sich also auf eine mögliche Lösung verständigen, müsste es anschließend eine Art Beschlussvorlage zur Genehmigung an das Exekutivkomitee der Uefa weiterleiten. Das könnte dann bei einer der nächsten Sitzungen mögliche Änderungen beschließen – zum Beispiel im Rahmen der Champions-League-Auslosung für die kommende Spielzeit. Momentan ist es noch schwer zu sagen, ob eine solche rechtzeitig zur nächsten Saison erfolgen würde oder nicht – und ob am Ende überhaupt eine Änderung vorgenommen wird. Die logischste Anpassung wäre es wohl, einfach die Anzahl der Gelben Karten auf vier zu erhöhen, bevor eine Sperre fällig wird. Eine andere, die konkret im Raum steht, ist es, möglicherweise zunächst zwischen Spielern und Trainern zu differenzieren. Ein Beispiel: In der Bundesliga werden Spieler nach fünf Gelben Karten gesperrt, Trainer bereits nach vier. Die oberste Prämisse, die das Gremium dabei verfolgt, bleibt, dass jede Lösung weiterhin gewährleisten muss, dass die Anzahl der gesammelten Verwarnungen auch weiterhin eine abschreckende Wirkung hat. Ein erhöhtes Limit soll kein Freifahrtschein für unfaireres Spiel sein.