Fitnessstudio-Kosten: Wie viel müssen Sie für Gesundheit wirklich ausgeben?

latest news headlines 4 std vor
Flipboard
Gesundheit kostet, aber schlechte Verträge kosten doppelt. Wer sein Abo clever nutzt oder wechselt, kann langfristig überraschend viel Geld sparen. Die Zahl der Menschen, die ins Fitnessstudio gehen, steigt kontinuierlich. Ein besonders hoher Zuwachs ist bei Menschen ab 55 Jahren zu verzeichnen – ein Trend, der nicht nur in Deutschland zu beobachten ist. Gesundheit ist die beste Voraussetzung, um möglichst im hohen Alter fit zu sein – und um Vermögen aufzubauen. Laut einer Studie des Branchenverbands Deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen e. V. (DSSV) sind mindestens 35 Prozent der Deutschen Mitglied in einem Fitnessstudio, gehen aber nur selten oder gar nicht hin. In einer US-Studie zum globalen Fitnessmarkt wird sogar eine Quote von mehr als zwei Dritteln (67 Prozent) der Fitnessstudio-Mitglieder genannt, die ihre Mitgliedschaft nicht nutzen. Daher sollten zwei Fragen erlaubt sein. Erstens: Wie häufig nutzen Sie Ihr Fitnessstudio tatsächlich? Und zweitens: Was kann ein ungenutztes oder überteuertes Fitnessstudio langfristig für den Vermögensaufbau bringen? Billig-Fitness oder Premiumstudio In den vergangenen Jahren ist der Fitnessmarkt stark gewachsen und zugleich vielfältiger geworden. Deutschland gehört mit rund 11,6 Millionen Menschen zu den zehn Ländern mit den meisten Fitnessstudio-Mitgliedern. Mit rund 64 Millionen Mitgliedern liegen die USA auf Platz eins. Auf Platz 3 hinter Deutschland befindet sich Großbritannien mit rund 10,4 Millionen Mitgliedern, gefolgt von Frankreich mit etwa 6,2 Millionen und Italien mit 5,5 Millionen. Neben klassischen Premiumstudios mit Sauna, Spa, Businessklubs sowie Kursangeboten und persönlicher Betreuung gibt es zahlreiche Ketten, die mit günstigen Monatsbeiträgen werben. Ein grober Überblick über typische Preise in Deutschland: Preiswerte Fitnessstudios: etwa 25 bis 30 Euro pro Monat Im sogenannten Budget-Segment liegen vor allem McFit, FitX, Clever Fit und Wellyou. Hier bekommen Mitglieder in der Regel ein großes Geräteangebot mit Cardio‑ und Kraftbereich, oft auch Standardkurse wie Bauch-Beine-Po oder Indoor‑Cycling, aber eher wenig persönliche Betreuung oder Wellness-Extras. Mittelklasse: 40 bis 60 Euro pro Monat Im mittleren Segment bewegen sich John Reed (in vielen, aber nicht allen Klubs), Mrs. Sporty sowie die früheren Fit/One‑Studios, die nun in Fitness First integriert werden. Charakteristisch sind hier aufwendigere Studiokonzepte, mehr Kursvielfalt, teils stylishere Trainingsflächen sowie bei Mrs. Sporty ein stärker betreutes Zirkel‑ und Frauenfitness-Konzept. Premiumstudios: 80 bis 120 Euro pro Monat, teils deutlich mehr Im Premium-Bereich finden sich vor allem Fitness First an hochwertigen Standorten, Kieser Training, Elixia und Holmes Place. Typisch sind umfassende Wellness‑ und Spa-Angebote mit Sauna, Pool und Ruhezonen, ein breites Kursprogramm, hochwertigere Ausstattung und bei Anbietern wie Kieser Training ein medizinisch oder therapeutisch orientierter Trainingsansatz mit intensiverer Betreuung. Hinzu kommen oft Aufnahmegebühren, Servicepauschalen oder Vertragslaufzeiten von 12 bis 24 Monaten. Gezahlt wird unabhängig davon, wie häufig das Studio tatsächlich genutzt wird. Wenn das Abo ungenutzt bleibt Viele Mitglieder melden sich mit guten Vorsätzen an, gehen dann aber seltener als geplant ins Fitnessstudio. Wenn ein Fitnessstudio kaum oder gar nicht genutzt wird, entstehen Kosten ohne Gegenwert. Angenommen, Sie zahlen 30 Euro im Monat für ein günstiges Studio und besuchen es gar nicht. Das entspricht 360 Euro pro Jahr. Bleibt der Vertrag zehn Jahre bestehen, summieren sich die Kosten auf 3.600 Euro – ohne jeden gesundheitlichen Nutzen. Bei einem Premiumstudio mit 90 Euro Monatsbeitrag wären es rein theoretisch bereits 10.800 Euro in zehn Jahren. Wechsel statt Verzicht Nicht immer geht es darum, ein Abo vollständig zu kündigen. Häufig reicht ein Wechsel in ein günstigeres Studio, um die Kosten bei vergleichbarer Trainingshäufigkeit deutlich zu senken. Ein Beispiel: Premiumstudio: 90 Euro pro Monat Billig-Fitnessstudio: 30 Euro pro Monat Die monatliche Ersparnis beträgt 60 Euro, im Jahr also 720 Euro. Bleibt diese Entscheidung über 20 Jahre bestehen, ergibt sich eine Gesamtersparnis von 14.400 Euro, ohne auf regelmäßiges Training zu verzichten. Mal hochgerechnet – mit Blick auf Inflation Auch Fitnessstudio-Beiträge bleiben nicht dauerhaft stabil. Preissteigerungen durch höhere Energie-, Miet- und Personalkosten werden regelmäßig an die Kunden weitergegeben. Im Jahr 2024 lag der durchschnittliche Mitgliedsbeitrag laut Branchenverband DSSV bei 46,95 Euro pro Monat. Vor der Pandemie (ca. 2019) lag der Durchschnittspreis noch deutlich niedriger, oft im Bereich von 40 bis 42 Euro. Das entspricht einer Steigerung von rund 15 Prozent. Steigen die Beiträge im Laufe der Jahre, wächst nicht nur die monatliche Belastung, sondern auch das absolute Sparpotenzial beim Wechsel oder bei einer Kündigung. Die hier dargestellten Rechnungen sind daher bewusst konservativ gehalten und berücksichtigen keine Preissteigerungen. Drei Möglichkeiten im Umgang mit Fitness-Abos Sie haben nun drei Optionen: Sie behalten Ihr aktuelles Fitnessstudio und nutzen das Angebot regelmäßig. Dann ist der Beitrag eine sinnvolle Investition in Ihre Gesundheit. Sie kündigen ein ungenutztes Abo und sparen die laufenden Kosten vollständig ein. Oder Sie wechseln von einem teuren Studio in ein preiswerteres und investieren die Differenz in Ihren Vermögensaufbau. Was das bedeuten kann, zeigt eine Modellrechnung. Frag t-online: Wie viel "Coffee to go" sollte ich mir leisten? Vermögensaufbau statt Streaming: Diese Summe entgeht Ihnen durch Netflix und Co. Was aus dem gesparten Fitnessbeitrag werden kann Investieren Sie die jährliche Ersparnis von 720 Euro (60 Euro pro Monat) über 20 Jahre hinweg in einen ETF-Sparplan auf den Weltaktienindex MSCI World und unterstellen eine durchschnittliche Rendite von sieben Prozent, ergibt sich ein Depotwert von rund 30.600 Euro. Günstige ETFs und Aktienfonds: Diese Anbieter sollten Sie kennen Mit wenig Geld an die Börse: So vermeiden Sie teure Anfängerfehler Davon stammen 14.400 Euro aus eigenen Einzahlungen. Mehr als die Hälfte entfällt auf Rendite und den Zinseszinseffekt . Selbst bei geringeren Ersparnissen – etwa durch die Kündigung eines günstigen, aber ungenutzten Abos – entstehen über Jahre hinweg fünfstellige Beträge. Gut zu wissen: Die angenommene Rendite ist nicht eins zu eins der Gewinn. ETF-Kosten mindern die Wertentwicklung , und auf realisierte Erträge werden meist Steuern fällig, etwa die Kapitalertragsteuer . Gesundheit ist keine Sparmaßnahme Diese Rechnung soll niemanden dazu verleiten, auf Bewegung zu verzichten. Im Gegenteil: Wer aus Spargründen seine körperliche Fitness vernachlässigt, zahlt langfristig einen hohen Preis – gesundheitlich und finanziell. Nur wer gesund bleibt, kann im Alter aktiv bleiben, länger arbeiten oder sein Vermögen über Jahrzehnte hinweg aufbauen und von den Entwicklungen an den Finanzmärkten profitieren. Fitness ist damit kein Gegensatz zum Vermögensaufbau, sondern eine seiner Voraussetzungen. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Sie in Ihre Gesundheit investieren, sondern wie effizient Sie es tun.
Aus der Quelle lesen