Frauen-Bundesliga: Eintracht Frankfurts Saison droht zu kippen

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Vor Kurzem waren alle Möglichkeiten offen. Nun hat Frankfurt nach dem Pokal-Aus den nächsten Rückschlag erlitten – und die Saison steht plötzlich auf der Kippe. Noch vor zehn Tagen schien die Welt bei den Frauen von Eintracht Frankfurt in Ordnung. Sportdirektorin Barbett Peter hatte in dieser Saison zwei Titel für die Hessinnen als "realistisch" erklärt. Doch mittlerweile ist von diesem Optimismus wenig übrig geblieben. Das Halbfinale im Europa Cup steht zwar noch aus, nach der 0:1-Niederlage beim VfL Wolfsburg ist Frankfurt aber bereits aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Noch schwerer wiegt der Einbruch in der Liga: Gegen Werder Bremen verspielte die Eintracht am vergangenen Samstag eine Zwei-Tore-Führung, verlor 2:4 und rutschte auf Platz vier ab. Trainer Niko Arnautis sagte nach der Partie: "Wir müssen das erst einmal verdauen." Viel Zeit bleibt ihm und seinem Team dafür aber nicht. Die von ihm ausgerufene "geile Saison" droht gerade zu entgleiten. Dass die Eintracht ins Wanken gerät, kommt allerdings nicht völlig überraschend. Ein Umbruch, für den keine Zeit ist Schon während der Hinrunde hinkte Frankfurt den eigenen Ansprüchen hinterher. Nach 13 Spieltagen stand das Team in der Bundesliga nur auf Platz sechs (sechs Siege, zwei Unentschieden, fünf Niederlagen). Der Eintracht fehlte schlichtweg die Konstanz und die Abgeklärtheit. So stolperte man vor allem gegen Klubs aus der unteren Tabellenhälfte: 2:2 beim Aufsteiger Union Berlin , 2:2 bei RB Leipzig , 1:1 gegen Köln. Beim 1. FC Nürnberg setzte es eine herbe 3:5-Niederlage, und auch in Freiburg war nichts zu holen (2:3). Dass es mit viel Kampf funktionieren kann, hat Frankfurt in Unterzahl gegen Wolfsburg gezeigt, 3:2 hieß es am Ende. Die Konkurrenz aus Leverkusen, Bremen und Hoffenheim hat die Frankfurter Inkonstanz eiskalt ausgenutzt. Vor dem Rückrundenstart waren Bayer und die TSG mit nur zwei Zählern Vorsprung immerhin in Schlagdistanz. Aktuell hat sich Frankfurt zwar an Leverkusen und Bremen vorbeigeschoben, Werder hat allerdings noch ein Nachholspiel mehr in der Hinterhand. Eine Rolle für die sportlichen Rückschläge spielte wohl auch der Umbruch im vergangenen Sommer. Das Gefüge Frankfurts hat sich durch die Abgänge mehrerer Leistungsträgerinnen deutlich verändert. Mit Stina Johannes und Sophia Kleinherne sind zwei deutsche Nationalspielerinnen nach Wolfsburg gewechselt. Barbara Dunst hat sich dem FC Bayern angeschlossen, Tanja Pawollek dem 1. FC Union Berlin . Stürmerin Lara Prašnikar ist zudem in die USA abgewandert. Im Gegenzug holte Frankfurt zwar namhafte Spielerinnen mit viel Bundesliga-Erfahrung wie Amanda Ilestedt, Erëleta Memeti und Rebecka Blomqvist. Doch die Neuzugänge konnten den Qualitätsverlust noch nicht vollends auffangen, brauchen noch Zeit. Die hat Frankfurt im engen Rennen um die Champions-League-Plätze aber nicht. Die Verantwortlichen sahen wohl auch deshalb Handlungsbedarf in der Führungsebene und holten zum Jahresbeginn Welt- und Europameisterin Babett Peter als neue Sportdirektorin. Die frühere Abwehrspielerin kennt den Verein aus ihrer Zeit beim 1. FFC Frankfurt (2012 bis 2014), wurde in ihrer aktiven Karriere Olympiasiegerin, achtmal deutsche Meisterin, gewann die Champions League und siebenmal den DFB-Pokal. Mit Erfolg kennt sich Peter also aus. Nun soll sie besonders mit Blick auf die kommende Saison das Kadermanagement in Frankfurt stabilisieren. "Ich bin ein großer Freund von 'better people, better player'. Es ist ganz wichtig, dass man nicht nur in den Kader investiert, sondern auch in den Staff drumherum", sagte sie bei einer Medienrunde. "Weil das die Leute sind, die jede Sekunde mit unseren Spielerinnen zusammenarbeiten." Und wenn man dort ansetze, "optimiert man automatisch auch das Team". So die Idee, die zunächst sogar schon frühzeitig aufzugehen schien. Frankfurt verliert an Boden Vier Siege aus fünf Spielen zum Rückrundenstart ließen Frankfurt stabiler wirken. Während die Eintracht beim Pokalkampf in Wolfsburg noch unglücklich verlor, war der Auftritt am Samstag in Bremen ein echter Rückschlag – vor allem, weil Frankfurt bereits wie der sichere Sieger aussah. Nationalspielerin Nicole Anyomi verwandelte einen Freistoß zur Frankfurter Führung (23. Minute) und bereitete den Treffer von Rebecka Blomqvist (26.) zum frühen 2:0 vor. DFB-Talent Larissa Mühlhaus glich allerdings noch vor der Pause per Doppelpack (44./45.+2) aus. Auch am Führungstor von Mara Alber (52.) war Mühlhaus beteiligt, die Entscheidung brachte Medina Dešić (90.). Frankfurt-Urgestein Laura Freigang war nach dem Spiel bedient. "Wir sind gut gestartet, das müssen wir mitnehmen", betonte die Nationalspielerin und legte nach: "Den Rest kann man leider vergessen." Trainer Niko Arnautis wurde noch deutlicher. "Wir schenken dem Gegner die Tore. Wir hätten das Spiel viel früher zumachen müssen", so der 45-Jährige. Statt einen direkten Konkurrenten auf Distanz zu halten, ließ Frankfurt ihn auf einen Punkt herankommen – und verlor noch weiter an Boden im Kampf um die Spitzenplätze der Bundesliga. Frankfurt kann die Saison noch retten Am Sonntag gewann die Konkurrenz aus Hoffenheim ihr Heimspiel gegen Essen mit 4:0 und zog damit an der Eintracht vorbei. Damit steht Frankfurt plötzlich außerhalb der europäischen Plätze – ein Szenario, das zu Beginn der Spielzeit noch kaum vorstellbar schien. Schließlich hatte der Klub mindestens Rang drei als Saisonziel angegeben. Bereits am heutigen Mittwoch hat Frankfurt immerhin die Chance, Rang drei zumindest vorübergehend zurückzuerobern. Das bislang zweimal wegen Wintereinbruch abgesagte Duell mit Hoffenheim findet statt und wird zum Schlüsselspiel. Zumindest vor der Partie stehen die Zeichen für Frankfurt gut. Seit sechs Bundesliga-Heimspielen ist die Eintracht gegen Hoffenheim umgeschlagen. Klar ist: Ein Frankfurter Sieg würde die Tür zur Champions-League-Qualifikation wieder aufstoßen, bei einer Niederlage droht die SGE-Saison zu einem Desaster zu verkommen. Das Team muss sich nun also zusammenreißen. Das gilt für die Klubführung auch mit Blick auf die Sommertransferperiode. Ansonsten droht nicht nur die aktuelle Spielzeit, sondern auch die künftige eine Enttäuschung zu werden.
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