Die Fifa verlangt für viele WM-Partien utopische Ticketpreise und verteuert Stadion-Parkplätze. Nun droht allen Fans vor Ort die nächste Kostenfalle. Mikie Sherrill ist wütend – auf den Fußball-Weltverband Fifa. Damit ist sie wenige Wochen vor dem Start der WM in den USA, Mexiko und Kanada nicht alleine. Sherrill ist seit Januar Gouverneurin des US-Bundesstaates New Jersey. Dort, im MetLife Stadium von East Rutherford, wird das Endspiel der größten WM der Geschichte ausgetragen. Außerdem fünf Gruppenspiele, ein Sechzehntelfinale und ein Achtelfinale. Weniger als zwei Monate vor dem Eröffnungsspiel legt sich Sherril mit einer klaren Forderung mit der Fifa an. Es geht um den Transport der Fans zum Stadion mit Bus und Bahn. Der sollte, wie ursprünglich mit der Fifa vereinbart, kostenlos sein. So war es auch bei der letzten WM 2022 in Katar und bei der EM 2024 in Deutschland. Jeder Fan mit einem Spielticket hatte damals kostenlosen Zugang zum öffentlichen Nahverkehr. Kurz vor der WM: DFB startet eigenen TV-Sender Wer trifft auf wen? Das sind die Teams der WM Doch das will Sherrill nicht gewährleisten – aus Kostengründen. In einem viral gegangenen Tweet auf der Plattform X formuliert sie: "Wir haben eine Vereinbarung übernommen, nach der die Fifa 0 Dollar für den Transport beisteuert. Und während NJ Transit (Verkehrsbetrieb von New Jersey, Anm. d. Red.) auf einer Rechnung von 48 Millionen Dollar sitzen bleibt, um die Fans sicher zu den Spielen und wieder zurück zu bringen, verdient die Fifa 11 Milliarden Dollar." Fifa weist Anschuldigungen zurück In einem anderen Beitrag kritisierte sie die finanzielle Ausbeutung der Fußballanhänger durch den Weltverband, schrieb: "Die Fifa verlangt von den Fans bis zu 10.000 Dollar für eine einzige Eintrittskarte für das Finale. Sie verlangt über 200 Dollar für 'Premium'-Parkplätze an der American Dream Mall – während sie gleichzeitig die Parkmöglichkeiten am MetLife Stadium streichen (...). Aber die Einwohner von New Jersey sollen eine Rechnung über 48 Millionen Dollar für die Transportkosten bezahlen? Das wird nicht passieren." Sie forderte die Fifa auf, für die Transportkosten aufzukommen. Der Weltverband reagierte derweil auf die Äußerungen. Im Gespräch mit dem Sportinformationsdienst (SID) zeigte sich eine Fifa-Sprecherin "ziemlich überrascht". Der Weltverband entgegnete Sherrill, ihm sei "kein anderes Großereignis" bekannt, das zuvor im MetLife Stadium stattgefunden habe, "einschließlich großer Sportveranstaltungen, weltweiter Konzerttourneen und so weiter, bei dem die Veranstalter verpflichtet waren, den Fantransport zu bezahlen." Doch ist Sherrills Empörung zeitgemäß? Laut Fifa sind die Vereinbarungen über einen kostenlosen Fantransport, die 2018 getroffen wurden, längst hinfällig. Inzwischen seien diese "in Anerkennung der finanziellen Belastung" angepasst worden, heißt es. Sodass "alle Spielticketinhaber und akkreditierten Personen gegen Gebühr den Zugang zu Transportmitteln erhalten." Die Verkehrsbetriebe könnten also problemlos ihre üblichen Fahrpreise verlangen, tun dies aber nicht. Dem Vernehmen nach machen sie nun ihre ganz eigene Rechnung auf. Damit stehen sie dem heftig kritisierten Gebaren der Fifa in nichts nach. Denn: Laut "The Athletic" plant der Verkehrsbetrieb von New Jersey nun, für Fahrten von der Penn Station in Manhattan zum MetLife Stadium in New Jersey (Fahrtdauer circa 45 Minuten) mehr als 100 US-Dollar zu verlangen. Ähnliches droht den Fans auch an anderen Spielorten. In Boston sollen beispielsweise 95 US-Dollar für die Hin- und Rückfahrt im Bus zwischen Stadt und Stadion berechnet werden. Der Fahrkartenpreis für die Bahn soll auf 80 US-Dollar steigen. Anhänger in Europa reagierten empört auf die Berichte aus einigen US-Städten. "Das ist eine Schande", sagte Guillaume Aupretre, ein Sprecher der wichtigsten französischen Fanorganisation, der Nachrichtenagentur AFP. "Sie häufen immer mehr Zusatzkosten an, ohne an die Fans zu denken", sagte er und warf der Fifa vor, "die treuesten Anhänger zugunsten der Reichen auszuschließen". Der englische Fan-Verband "Free Lions" schrieb: "Ein weiterer Tag, eine weitere Abzocke bei dieser Weltmeisterschaft . Was um alles in der Welt geht hier vor?" Auch deutsche Fans könnten Wucherpreise treffen Das einzige Ziel des Turniers scheine darin zu bestehen, "so viel Geld wie möglich von einem gefangenen Publikum zu erpressen", kritisierte auch Ronan Evain, Geschäftsführer der Fanorganisation Football Supporters Europe (FSE): "Fans zur Kasse zu bitten, dass sie sich für die sichere und umweltverträgliche Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel entscheiden, ist ein Hohn auf die Klimastrategie der Fifa und ihre Netto-Null-Verpflichtungen." Die Wut der Fans richtet sich gegen den Weltverband. Doch warum die Verkehrsbetriebe plötzlich völlig überteuerte Fahrpreise verlangen wollen, erscheint ebenfalls fragwürdig. Auch deutsche Fans könnten von den Wucherpreisen betroffen sein. Das DFB-Team ist in New Jersey zu Gast, trägt dort sein drittes Gruppenspiel gegen Ecuador aus (25. Juni). Zuvor gab es heftige Kritik an den Ticketpreisen, die teilweise im fünfstelligen Bereich liegen. Empörung rief außerdem das Vorgehen der Fifa bei der Organisation von Parkplätzen an den Stadien hervor. Für fünf Austragungsorte in den USA hat der Weltverband eine Webseite zum Kauf von Parkplätzen eingerichtet – zu Preisen von umgerechnet bis zu 150 Euro. Fifa-Boss Gianni Infantino rechtfertigte sich jüngst und rechnete aus seiner Sicht vor: "Die wichtigste und bislang einzige Einnahmen bringende Veranstaltung für die Fifa ist die Weltmeisterschaft. Wir nehmen das Geld in einem Monat ein – die 47 Monate bis zur nächsten Weltmeisterschaft geben wir es wieder aus."