Die falsche Entscheidung zur falschen Zeit kann im Ruhestand besonders schmerzen. Welche Stolperfallen Sie unbedingt vermeiden sollten. Das über Jahre mühevoll aufgebaute Vermögen auch im Ruhestand weiter anzulegen, kann sinnvoll sein. Schließlich steigt die Lebenserwartung, und viele möchten ihren gewohnten Lebensstandard auch im Alter sichern. Doch erfolgreich zu investieren, hängt nicht vom Alter ab. Entscheidend sind Erfahrung, Disziplin und das Verständnis für die eigenen Anlagen. Wer investiert, sollte Risiken realistisch einschätzen und sich nicht von vermeintlich sicheren Tipps leiten lassen. Worauf es wirklich ankommt, ist eine klare Strategie und das Wissen, typische Fehler zu vermeiden. Strategie gegen Inflation und Renditeverlust "Zunächst ist es wichtig, einen Finanzplan zu haben", sagt Carmen Bandt von der Kidron Vermögensverwaltung. Darin wird festgelegt, wie viel Geld für die Lebenshaltung benötigt wird und welcher Anteil bereits durch regelmäßige Einnahmen wie Rente oder Mieten gedeckt ist. So lässt sich die Versorgungslücke ermitteln und gezielt durch passende Geldanlagen schließen. Ein Finanzplan zeigt zudem, welche Vermögensteile langfristig entbehrlich sind und renditestärker investiert werden können. Ohne Plan bleiben viele aus Sorge um die Verfügbarkeit ihres Geldes in wenig ertragreichen, kurzfristigen Anlagen. Wichtig ist außerdem, die Inflation einzubeziehen, da sie die Kaufkraft mindert. Nur durch geeignete Investitionen lässt sich die Inflation ausgleichen. Fehler 1: Lebenshaltungskosten unrealistisch kalkulieren Reisen, Hobbys, Instandhaltung: "Viele unterschätzen ihre Ausgaben im Alter", sagt Roland Schmack von der Vermögensverwaltung Meine Werte. Die ersten Ruhestandsjahre, in denen man häufig noch deutlich aktiver ist, seien meist teurer als gedacht. Ein Sicherheitspuffer bei der Finanzplanung sei daher Pflicht, so Schmack. Sein Tipp: Bereits vor Rentenbeginn ein Haushaltsbuch führen. So kann man den benötigten Betrag im Ruhestand realistisch kalkulieren. Unnötige Ausgaben erkennen: So führen Sie ein Haushaltsbuch Fehler 2: Keinen strukturierten Entnahmeplan haben Viele nutzen das oft über Jahrzehnte angesparte Vermögen, um neben der gesetzlichen Rente und gegebenenfalls anderen Renteneinkünften ein regelmäßiges Zusatzeinkommen zu haben. Dafür ist ein strukturierter Entnahmeplan wichtig. Grundsätzlich können Sie zwischen einem Auszahlplan mit und einem ohne Kapitalverzehr unterscheiden. Bei der ersten Variante wird das gesamte angesparte Vermögen nach und nach verbraucht. Im anderen Fall entnehmen Sie beispielsweise aus einem Aktienfonds oder ETF nur einen Teil, sodass das restliche Kapital weiterhin Zinsen abwirft. Auszahlplan: So wird Ihr ETF zur lebenslangen Zusatzrente Um Langlebigkeitsrisiken abzufedern, sollten Sie allerdings bis zum 95. oder 100. Lebensjahr planen. "Ohne ein klar definiertes Entnahmekonzept besteht das Risiko, entweder zu viel Kapital zu verbrauchen oder unnötig restriktiv zu leben", sagt Tobias Zauner von der Vermögensverwaltung Das Wertehaus. Fehler 3: Zu konservative Anlagestrategie Nur auf ein Tagesgeldkonto und Bargeld zu setzen, ist aus Sicht von Vermögensverwalter Schmack keine gute Idee. Denn inflationsbedingt verlieren Sie so schleichend Vermögen. Eine Geldanlage, die im Alter zumindest die Inflation schlagen und gleichzeitig das Vermögen sichern soll, muss vor allem eines sein: ausgewogen. Eine einzelne, "perfekte" Anlage gibt es nicht – entscheidend ist die Kombination aus Sicherheit und moderatem Wachstum. Für viele Ruheständler bietet sich daher eine Mischstrategie an: Breit gestreute ETFs (zum Beispiel auf den MSCI World) können langfristig Renditen oberhalb der Inflation erzielen und so das Vermögen real wachsen lassen – vorausgesetzt, der Anlagehorizont beträgt noch mindestens 10 bis 15 Jahre. Geldmarkt-ETFs, Tages- oder Festgeld sorgen gleichzeitig für Stabilität, planbare Erträge und schnellen Zugriff auf einen Teil des Geldes. Diese Bausteine schützen das Vermögen vor starken Schwankungen, auch wenn sie allein oft nur knapp über der Inflation liegen. Entscheidend ist also nicht die eine Anlageform, sondern die richtige Aufteilung: Ein sicherer Teil für kurzfristige Bedürfnisse und ein renditeorientierter Teil für den langfristigen Werterhalt sollten es sein. So lässt sich die Inflation ausgleichen, ohne unnötig hohe Risiken einzugehen. Fehler 4: Schulden mit in den Ruhestand nehmen "Schulden sollten möglichst zu Rentenbeginn getilgt sein", rät Verbraucherschützer Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf . Allerdings kommt es auch auf den Einzelfall an. Schneeball- oder Lawinenmethode: Wie werde ich meine Schulden schnell los? "Wenn es in den Altersvorsorgeplan passt, müssen Schulden kein Fehler sein", so Vermögensverwalterin Bandt. Wer beispielsweise ohnehin plant, eine Immobilie in ein paar Jahren zu verkaufen, muss diese nicht schon vorher komplett abbezahlt haben. In diesem Fall könne man einfach mit dem Nettoverkaufserlös kalkulieren. Fehler 5: Kosten für mögliche Pflege außer Acht lassen Wer im Alter hohe Pflegekosten vermeiden will, sollte frühzeitig vorsorgen und dabei mehrere Bausteine kombinieren. Denn die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der Kosten. Der Eigenanteil kann schnell mehrere Tausend Euro im Monat betragen und "die gesamte Planung destabilisieren", sagt Vermögensverwalter Tobias Zauner. Ein Pflegeheimplatz kostet schnell rund 4.000 Euro im Monat, weiß Oliver Jungmann von der Hoppe Vermögensbetreuung. Nach Abzug der Leistungen der Pflegeversicherung in Höhe von 1.725 Euro bleiben etwa 2.225 Euro monatlich selbst zu zahlen. Über die durchschnittliche Pflegedauer von 8,2 Jahren summiert sich das auf rund 220.000 Euro – Preissteigerungen noch nicht eingerechnet. Eine Möglichkeit, die hohen Kosten abzufedern, ist es, gezielt Vermögen aufzubauen. Regelmäßige Rücklagen, etwa über Sparpläne in ETFs oder andere Anlagen , können im Pflegefall helfen, die Kosten über Jahre hinweg zu tragen. Entscheidend ist dabei die ehrliche Frage: Reicht mein Vermögen aus und bin ich bereit, es später dafür einzusetzen? Wer dieses Risiko nicht allein tragen möchte, kann zusätzlich eine Pflegezusatzversicherung abschließen. Besonders sinnvoll ist oft eine Pflegetagegeldversicherung, die im Pflegefall flexibel einsetzbares Geld auszahlt und so das eigene Vermögen schützt. Die beste Vorsorge ist also meist eine Kombination: finanzielles Polster aufbauen, Risiken realistisch einschätzen und gezielt absichern. So lässt sich vermeiden, dass Pflegekosten später zur finanziellen Belastung für einen selbst oder die Familie werden. Fehler 6: Steuerliche Fehlplanung Viele glauben, dass sie in der Rentenphase so gut wie keine Steuern mehr zahlen müssen. Doch hier sollte man genauer hinsehen, sobald eine vermietete Immobilie oder Kapitalvermögen vorhanden ist. "Man sollte daher bei der Kapitalanlage nicht ohne Berücksichtigung der Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent kalkulieren", rät Jürgen Münch von der Fiduka-Depotverwaltung. Denn je nach persönlicher Situation könnten die Kapitalerträge auch über dem Steuerfreibetrag liegen. "In jedem Fall sollte man prüfen, inwieweit man die abgeführte Abgeltungsteuer über die Steuererklärung zurückholen kann", so Münch. Fehler 7: Emotional bei Kursschwankungen reagieren Im Ruhestand würden Kursschwankungen oft bedrohlicher wirken als während der Erwerbsphase – vor allem, wenn gleichzeitig Geld entnommen wird, erklärt Roland Schmack. Umso wichtiger sei es, in solchen Phasen nicht panisch zu reagieren und vorschnell zu verkaufen. Denn wer Verluste realisiert, nimmt sich die Chance auf eine spätere Erholung der Märkte. Besonders kritisch ist der Zeitpunkt: Fallen die Kurse direkt zum Renteneintritt und wird gleichzeitig Kapital benötigt, kann das Vermögen dauerhaft Schaden nehmen. Deshalb sollten Ruheständler einen Teil ihres Geldes – etwa für zwei bis drei Jahre Lebenshaltungskosten – bewusst sicher und liquide halten, rät Schmack. Tagesgeld oder kurzlaufende Anleihen bieten hier Stabilität und verhindern, dass Wertpapiere zu ungünstigen Zeitpunkten verkauft werden müssen. So bleibt das langfristig investierte Kapital unangetastet und kann sich erholen. Diese Trennung von Sicherheitsreserven und Anlagevermögen ist ein zentraler Schutzmechanismus. Überdies gilt: Disziplin schlägt Emotion. Panikverkäufe und hektische Strategiewechsel gehören zu den größten Fehlern im Ruhestand, sagt Vermögensverwalter Tobias Zauner. Stattdessen sollten Anleger regelmäßig prüfen, ob ihr Portfolio noch zur eigenen Risikostruktur passt, und es gegebenenfalls behutsam anpassen. Auch eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen kann helfen, Schwankungen abzufedern. Wer einen klaren Plan hat und sich nicht von kurzfristigen Marktbewegungen leiten lässt, erhöht die Chancen, auch turbulente Börsenphasen gut zu überstehen.