Gold schwankt wie lange nicht – erst Absturz, dann Comeback. Warum ausgerechnet jetzt eine US-Großbank auf neue Rekorde setzt. Anfang der Woche rutschte Gold auf ein Monatstief von 4.403 US-Dollar je Feinunze ab, nachdem es nur wenige Tage zuvor noch ein Rekordhoch von 5.594 Dollar erreicht hatte. Auch Silber erlebte heftige Turbulenzen: Ende der vergangenen Woche brach der Preis an einem einzigen Tag um 27 Prozent ein – so stark wie nie zuvor – und verlor am Montag weitere sechs Prozent. Doch auf den Kursrutsch folgte eine überraschend kräftige Gegenbewegung. Gold legte am Vortag um 5,9 Prozent zu und verbuchte damit den größten Tagesgewinn seit 2008. Silber zog ebenfalls an und verteuerte sich in der Spitze um 5,6 Prozent auf 89,90 Dollar. Kurzfristig bleibt der Markt nervös. Doch wie sieht es langfristig aus? Bleibt Gold trotz der heftigen Ausschläge gefragt – oder war die Rally bereits zu viel des Guten? Ausgerechnet eine große US-Bank wagt nun einen überraschend optimistischen Blick bis zum Ende des Jahrzehnts. Zu heiß gelaufen: Warum die Rally abrupt endete Bis kurz vor dem sogenannten Mini-Crash hatte die Rally bei Gold und Silber jedes normale Maß verloren. Das betont Marktexperte Ronald Gehrt von Lynx Broker. Immer mehr kurzfristig orientierte Händler hätten mit hoch gehebelten Wetten auf steigende Preise gesetzt und die Kurse weiter nach oben getrieben. Hebelprodukte verstärken Kursbewegungen, bergen aber ein hohes Risiko: Wer zu viel Kapital einsetzt, hält oft zu wenig Liquidität vor. Fallen die Kurse dann plötzlich, verlangen Broker sogenannte Nachschüsse, um Verluste abzusichern. Können Anleger diese nicht sofort leisten, müssen sie Positionen zwangsweise verkaufen. Genau das habe den Kurssturz beschleunigt, so Gehrt. Nach dieser Bereinigung näherten sich die Preise wieder einem realistischeren Niveau an. Kyle Rodda, Analyst beim Handelshaus Capital.com, erklärte, der Markt habe sich zuvor über Wochen irrational verhalten. Mit dem Rücksetzer seien Gold und Silber nun wieder auf das Preisniveau der zweiten Januarhälfte gefallen. Gute Jahre, schlechte Aussichten? Warum Börsenerfolge kein Omen sind Crash! Boom! Bang! Warum Bitcoin zum Sorgenkind der Anleger wird Zusätzlichen Druck brachte laut Rodda die US-Geldpolitik. Die Nominierung von Kevin Warsh als Fed-Chef durch US-Präsident Donald Trump werde an den Märkten als glaubwürdig wahrgenommen und habe den US-Dollar gestärkt. Ein fester Dollar macht Gold, das weltweit in US-Dollar gehandelt wird, für Käufer außerhalb der USA teurer – und bremst damit die Nachfrage. Dies sei letztlich der Auslöser gewesen, der die überhitzte Edelmetallblase habe platzen lassen. Warum Gold langfristig weiter gefragt bleiben könnte Trotz der heftigen Rückschläge sehen viele Experten die langfristigen Treiber für Gold weiterhin intakt. Vor allem die geopolitischen Spannungen, etwa zwischen den USA und dem Iran , führen dazu, dass Anleger erneut auf Gold setzen. Das Edelmetall gilt als "sicherer Hafen" – also als Anlage, die in Krisenzeiten als wertstabil wahrgenommen wird. Diese Rolle bleibe bestehen, sagt Jigar Trivedi, Analyst bei IndusInd Securities. Aufsehen erregt nun eine langfristige Prognose von JP Morgan. In einer von Mining.com zitierten Research-Notiz haben Strategen um Nikolaos Panigirtzoglou verschiedene Szenarien bis zum Jahr 2030 durchgerechnet. Ihr Fazit: Der Aufwärtstrend bei Edelmetallen könnte anhalten, Gold könnte sogar neue Rekordhöhen erreichen. Sicherheitsanker oder Renditekiller: Welche Rolle Gold im Portfolio wirklich spielt Schnelle Erfolge: So lange dauert es wirklich, bis sich Ihr Geld verdoppelt Konkret halten die Strategen Preise von bis zu 8.000 US-Dollar pro Feinunze bis zum Ende dieses Jahrzehnts für möglich. Voraussetzung dafür sei, dass private Investoren ihr Engagement in Gold weiter ausbauen. Sollte der Goldanteil in den Portfolios von derzeit rund drei Prozent auf etwa 4,6 Prozent steigen, entspräche das einem Plus von mehr als 40 Prozent beim Goldpreis. Mit dieser Einschätzung steht JP Morgan nicht allein. Auch andere Großbanken zeigen sich optimistisch. Analysten von Goldman Sachs hoben ihr Jahresendziel für den Goldpreis jüngst auf 5.400 US-Dollar pro Unze an und verwiesen ebenfalls auf die wachsende Nachfrage privater Anleger. Die Prognosen stützen sich auf robuste Fundamentaldaten. Zahlen des World Gold Council zeigen, dass die weltweite Goldnachfrage im Jahr 2025 einen Rekordwert erreicht hat. Als wichtigste Treiber gelten die geopolitische Unsicherheit, eine starke Nachfrage durch Zentralbanken und zunehmende Sorgen um die Stabilität des US-Dollars.