Eine neue Grippevariante breitet sich rasant in Großbritannien aus. Deutschland beobachtet die Lage mit erhöhter Aufmerksamkeit. Was das Virus für den Impfschutz bedeutet. Bereits Anfang November hat die Grippewelle in Großbritannien begonnen – Wochen früher als üblich. Inzwischen mehren sich dort die Krankenhausaufnahmen, besonders bei Schulkindern. Der Grund: eine neue Variante des Grippevirus Influenza A (H3N2). Variante mit sieben Mutationen sorgt für Probleme Diese sogenannte Subklade unterscheidet sich in sieben entscheidenden Mutationen vom aktuellen Impfstoffstamm, der auf eine andere Subklade (J.2) ausgerichtet ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte diesen Stamm im Februar 2025 für die aktuelle Impfstoffproduktion empfohlen. In Großbritannien deuten erste Modellrechnungen darauf hin, dass die neue Virusvariante eine höhere Übertragungsrate hat. Während die Basisreproduktionszahl (R-Wert) in normalen Grippesaisons bei etwa 1,2 liegt, weist die neue Variante einen Wert von 1,4 auf. Das klingt zunächst wenig, bedeutet aber rechnerisch bis zu 20 Prozent mehr Erkrankungsfälle. Grippeschutz: Warum Senioren einen anderen Impfstoff bekommen Symptome deuten: Grippe oder Erkältung? Das sind die Unterschiede Australien war ein Vorbote Ein Blick auf die Südhalbkugel zeigt, was Europa im Winter bevorstehen könnte. In Australien endete die Grippesaison 2025 mit einem traurigen Rekord: So viele Grippefälle wie in diesem Jahr wurden dort noch nie registriert. Besonders zum Ende der Saison dominierte auch die H3N2-Subklade, dieselbe Variante, die sich jetzt in Europa ausbreitet. In Japan musste die Regierung sogar schon im Oktober eine Grippe-Epidemie ausrufen. Stichproben zeigen: Dort lassen sich mittlerweile rund 90 Prozent der H3N2-Fälle auf die neue Variante zurückführen. Impfstoff schützt, aber nicht alle gleich gut Wie wirksam ist der Impfstoff für die Saison 2025/26 noch? Erste Daten aus Großbritannien zeigen ein gemischtes Bild: Kinder und Jugendliche (2 bis 17 Jahre), die geimpft wurden, sind zu 70 bis 75 Prozent vor schweren Verläufen geschützt. Bei Erwachsenen liegt die Schutzwirkung dagegen nur bei 30 bis 40 Prozent. Der Impfstoff schützt also weiter vor schweren Verläufen. Für Erwachsene ist der Schutz jedoch deutlich geringer als in Jahren mit besserer Übereinstimmung zwischen Impfstoff und zirkulierendem Virus. Der britische Epidemiologe Jamie Lopez Bernal warnt dennoch davor, auf die Impfung zu verzichten. Dem Gesundheitsportal "Gavi" sagt er: "Unabhängig davon, welche Virenstämme zirkulieren, der Impfstoff hilft nachweislich dabei, gefährdete Personen vor schweren Erkrankungen und Krankenhausaufenthalten zu schützen." Was bedeutet das für Deutschland? Noch ist in Deutschland keine Grippewelle in Sicht. Laut Robert Koch-Institut (RKI) liegt die Aktivität der Grippe und anderer Atemwegserkrankungen im niedrigen Bereich. Auch die neue H3N2-Variante wurde bisher nur vereinzelt nachgewiesen. Doch das kann sich bald ändern. Die Erfahrungen aus Großbritannien, Australien und Japan deuten darauf hin, dass die Subklade auch in Deutschland Fuß fassen könnte – entweder als frühe Welle oder später im Winter. Besorgniserregend ist vor allem, dass Erwachsene trotz Impfung weniger gut geschützt sind. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass eine gute Impfquote bei Kindern die Virusverbreitung dämpfen kann. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Grippeimpfung aber bisher nicht für alle Kinder – anders als etwa in Großbritannien. Wichtig ist die Grippeimpfung besonders für ältere Menschen (ab 60 Jahren), Menschen mit chronischen Erkrankungen, Schwangere und medizinisches Personal. Sie sollten sich jetzt impfen lassen.