Handball-EM 2026: DHB-Team geht mit Hoffnung in das Horrorturnier

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Zwei überzeugende Testspielsiege gegen einen kniffligen Gegner aus Kroatien verbreiten bei den deutschen Handballern viel Optimismus. Wenn da nicht die Auslosung wäre. Aus Hannover berichtet Nils Kögler Zwei Spiele, zwei Siege: Dem 32:29 in Zagreb ließ die deutsche Handball-Nationalmannschaft am Sonntagabend in Hannover im zweiten Test gegen Kroatien einen überzeugenden 33:27-Sieg folgen. Vier Tage vor dem Auftaktspiel der Europameisterschaft gegen Österreich im dänischen Herning herrscht in den Reihen der DHB-Auswahl von Bundestrainer Alfreð Gíslason gute Laune. Handball-EM 2026: So sehen Sie die Titelmission der deutschen Mannschaft live Spielplan, Orte, Modus: Das Wichtigste zur Handball-EM 2026 in der Übersicht Nach einem enttäuschenden Viertelfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr ist die deutsche Mannschaft auf Wiedergutmachung aus und verschaffte sich mit den beiden Erfolgen gegen den amtierenden Vizeweltmeister neuen Optimismus. t-online erklärt, was besonders viel Hoffnung auf eine erfolgreiche EM macht und was das DHB-Team trotzdem ins Stolpern auf dem Weg ins Finale bringen könnte. Ein Torhüter-Duo auf Weltklasseniveau Für Andreas Wolff und David Späth ist die Europameisterschaft bereits das dritte gemeinsame Turnier als deutsches Torwart-Duo. In den Testspielen gegen Kroatien zeigten die beiden einmal mehr ihre ganze Klasse. Späth durfte im ersten Spiel starten, zeigte mehrere Paraden und ließ über die gesamten 60 Minuten keinerlei Notwendigkeit für einen Wechsel aufkommen. Wolff übernahm erst im zweiten Spiel und war mit insgesamt 20 Paraden und zwei von drei gehaltenen Siebenmetern einmal mehr der Mann des Spiels. Endlich Breite in der Abwehr Unterstützung bekamen die beiden Schlussmänner in den Kroatien-Spielen auch von einer guten Abwehr. Bundestrainer Gíslason macht keinen Hehl daraus, dass seine Erfolgsformel vor allem auf eine stabile Defensive setzt. "Das ist, wie unser Spiel sein muss, wenn wir erfolgreich sein wollen", betonte Gíslason auch am Sonntagabend noch einmal. Entsprechend fröhlich war der Bundestrainer darüber gestimmt, dass die Defensive in den beiden Kroatien-Spielen über nahezu die gesamte Spieldauer vor allem über ihren stabilen Innenblock glänzte. Zwar konnte sich die DHB-Auswahl dort auch in den vergangenen Jahren auf Kapitän Johannes Golla und Julian Köster verlassen. Gíslason hatte jedoch kaum Alternativen zur Verfügung. Die Folge: Da beide auch offensiv wichtige Rollen einnahmen, bekamen sie kaum eine Pause. Speziell bei der WM 2025 wirkten sie mit fortschreitendem Turnierverlauf überspielt und müde. In diesem Jahr ist das anders: Mit Tom Kieseler und Matthes Langhoff hat Gíslason nun zwei Alternativen zur Verfügung, die er zu "den flexibelsten und talentiertesten Abwehrspielern überhaupt" zählt. Sie helfen dem Team nach Bekunden des Bundestrainers vor allem, "weil sie alle Positionen in der Abwehr spielen können. Es gibt nicht viele Spieler weltweit, die das können, und das hilft uns jetzt enorm". Die Leistungsträger Golla und Köster dürfen in diesem Jahr vor allem defensiv auf deutlich mehr Entlastung hoffen und könnten mit ihrer gewonnenen Energie so auch die Offensive noch weiter ankurbeln. Ein ausgeruhter Renārs Uščins Während Renārs Uščins die deutsche Mannschaft bei den Olympischen Spielen 2024 noch vollkommen überraschend zur Silbermedaille geführt hatte und dabei der überragende Spieler des Turniers gewesen war, enttäuschte der Hannoveraner bei der WM im vergangenen Jahr auf ganzer Linie. Auch er wirkte müde und fahrig, fiel durch viele überhastete Abschlüsse auf, die in geringen Trefferquoten mündeten. "Renārs war auch völlig am Ende nach den Olympischen Spielen und einer voll durchgezogenen Saison, wo er nie eine Pause gehabt hat", erinnerte sich Bundestrainer Gíslason in Hannover an die Situation bei der WM. In diesem Jahr geht es Uščins nach eigenem Bekunden hingegen deutlich besser. Ein olympiafreier Sommer und eine vierwöchige Verletzungspause gaben dem 23-Jährigen die Gelegenheit, weiter an seinem Körper zu arbeiten: "Davon lebe ich", sagte er nach dem gelungenen Test in Hannover. "Wenn man vergleicht: Manche leben von ihrem Wurf und wenn sie mal nicht so schnell sind, klappt der Wurf trotzdem. Aber ich lebe von meiner Athletik und wenn mir die flöten geht, dann geht mir auch das Spiel so ein bisschen flöten", erklärte Uščins und gab sich positiv: "Ich fühle mich gerade frisch und gut." Auch eine Schrecksekunde im zweiten Kroatien-Test, als Uščins etwas umknickte, änderte daran nichts. Er gab Entwarnung. Es handele sich nicht um eine ernsthafte Verletzung. Dabei helfen, dass Uščins sich auch bis Turnierende frisch fühlt, könnte im Übrigen auch Franz Semper. Der Leipziger soll ihn vorwiegend in der Defensive entlasten und Uščins so mehr Energie für seine offensiven Aufgaben geben. Bei der WM im vergangenen Jahr machte Semper verletzungsbedingt nur ein Spiel. In diesem Jahr dürfte deutlich mehr drin sein. Und damit wächst die Hoffnung des DHB-Teams auf einen Uščins in Olympiaform. Der beste Juri Knorr aller Zeiten? Einmal mehr im Rampenlicht stehen wird bei der EM natürlich auch Juri Knorr . Der deutsche Spielmacher wechselte im vergangenen Sommer aus der Bundesliga zum dänischen Topklub Aalborg. Der Transfer erlaubte es dem 25-Jährigen, weiter auf internationalem Topniveau zu agieren und sich gleichzeitig zumindest etwas dem Scheinwerferlicht der deutschen Öffentlichkeit zu entziehen, unter dem er in der Vergangenheit so häufig litt. Und tatsächlich: In Dänemark wusste Knorr bislang zu überzeugen, manche Beobachter sprachen sogar vom besten Juri Knorr aller Zeiten. Er selbst wollte so weit nicht gehen, wusste aber auch die positiven Seiten seines Vereinswechsels zu betonen: "Es hilft, wenn man in ein neues Umfeld kommt, in so einen Verein, wo man sich anpassen muss und umgeben ist von sehr guten Spielern." Er fühle sich mental durchaus sicherer als noch vor einigen Jahren, so Knorr weiter. "Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn man weiß, man kann auch in so einer Mannschaft mithalten und etwas dazu beitragen, Spiele zu gewinnen." Für Bundestrainer Alfreð Gíslason und sein Team bleibt also nur zu hoffen, dass Knorr auch körperlich fit bleibt. Bei der WM im vergangenen Jahr verpasste er aufgrund einer Erkrankung mehrere Spiele, war auch nach seiner Rückkehr in den entscheidenden Duellen nur begrenzt einsatzfähig – einer von vielen Gründen für das enttäuschende Abschneiden. Ein selbstbewusster und fitter Knorr könnte in diesem Jahr hingegen auch gegen absolute Top-Gegner den Unterschied machen. Bessere Voraussetzungen und doch bleibt die Sorge Das Hauptproblem der deutschen Mannschaft: Von diesen absoluten Top-Gegnern wird sie bei der EM voraussichtlich mehreren begegnen. So viel Hoffnung die verbesserte sportliche Situation dem DHB-Team auch geben mag, die Auslosung treibt ihnen erhebliche Sorgenfalten auf die Stirn. Schon in der Vorrunde warten mit Österreich, Serbien und Spanien knifflige Aufgaben. Einen Punktverlust darf sich die DHB-Auswahl kaum erlauben. Denn in der Hauptrunde dürfte mit Weltmeister und Olympiasieger Dänemark und EM-Titelverteidiger Frankreich eine absolute "Todesgruppe" auf sie zukommen. Mit Portugal, das Deutschland im WM-Viertelfinale des vergangenen Jahres besiegte, und Mit-Gastgeber Norwegen dürften sich weitere schwere Aufgaben hinzugesellen. Was eine Zielsetzung für das Turnier angeht, gab sich Linksaußen Lukas Mertens trotz der starken Testspiele deshalb äußerst zurückhaltend: "Lass uns erst mal die Vorrunde spielen und dann schauen wir weiter", sagte er in Hannover. Auch Juri Knorr schlug in eine ähnliche Kerbe: "Wir fahren dorthin, um die Hauptrunde zu überstehen, aber wir wissen, dass das extrem schwierig wird", sagte er. "Es ist das schwierigste Turnier, das ich je mitgespielt habe. Das muss auch jeder wissen", so die deutliche Mahnung des Spielmachers. Er weiß, dass ein frühes Aus auch in diesem Jahr wieder möglich ist.
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