Vor dem ersten EM-Spiel heizte DHB-Torwart Andreas Wolff die Stimmung beim Gegner an. Seine Teamkollegen bemühen sich um beschwichtigende Worte. Sie wissen um die Gefahr. Juri Knorr lachte etwas verlegen, als ihn die österreichischen Pressevertreter am Mittwoch auf die Aussagen seines Nationalmannschaftskollegen Andreas Wolff ansprachen. Der Torwart der deutschen Handball-Nationalmannschaft hatte vor dem Duell zum EM-Auftakt am Donnerstag (20.30 Uhr im Liveticker bei t-online) den Spielstil der Österreicher unter anderem als "Anti-Handball" abgekanzelt. Albtraum-Lose bei der Handball-EM : Das ist Deutschlands Weg ins Finale Spielplan, Orte, Modus: Das Wichtigste zur Handball-EM 2026 im Überblick Knorr wusste um das Öl, das sein Torwart ins Feuer gegossen hatte, und übte sich in Löscharbeiten. "Ich fand es ziemlich offensiv und es spiegelt auch nicht das wider, was die Österreicher in den letzten Jahren gemacht und wie sie sich entwickelt haben", versuchte er die Aussagen Wolffs zu relativieren. Der deutsche Spielmacher weiß, dass er und seine Mannschaft ohnehin eine knifflige Aufgabe zu lösen haben. Die Turnierziele drohen früh in Gefahr zu geraten. "Möchte eigentlich keiner sehen" Als Lieblingsgegner kann die Auswahl von Bundestrainer Alfreð Gíslason die Österreicher nämlich wahrlich nicht bezeichnen. Zwei der drei letzten Begegnungen endeten nur Unentschieden, darunter auch ein Duell bei der Heim-EM 2024. Zwar geht die deutsche Mannschaft auch in den EM-Auftakt als haushoher Favorit, denn sie ist auf dem Papier qualitativ deutlich besser aufgestellt. Doch die Auswahl aus der Alpenrepublik weiß durchaus, wie sie auch besseren Mannschaften wehtun kann. Dafür spielen sie unter anderem auch gerne lange Angriffe im Sieben-zu-Sechs, also mit einem zusätzlichen Feldspieler statt des Torwarts. Mit Blick auf diese Herangehensweise hatte Wolff gesagt: "Die Österreicher spielen natürlich absoluten Anti-Handball. Das möchte auch eigentlich keiner sehen. Das ist sehr unattraktiv." "Sie haben mit Lukas Hutecek und Mykola Bilyk zwei absolute Alphatiere, die das Angriffsspiel in all ihrer Hässlichkeit leiten und dafür sorgen werden, dass es kein Leckerbissen wird", schob er mit Blick auf zwei Bundesliga-Stars des Gegners hinterher. Deutliche Reaktionen aus Österreich Die Reaktionen aus Österreich ließen nicht lange auf sich warten. So schrieb der "Kurier", dass Wolff "seit Kurzem alles, nur kein Sympathieträger" sei. "Heute.at" titelte in Anlehnung an die Niederlage der deutschen Fußballer gegen Österreich bei der WM 1978, die als Schmach von Cordoba in die Geschichtsbücher einging: "Deutscher Tormann poltert vor Handball-Cordoba". Brisant ist auch die Tatsache, dass beide Mannschaften in demselben Hotel wohnen. Zu Spannungen soll es noch nicht gekommen sein, aber auch Österreichs Torwart Constantin Möstl reagierte im Gespräch mit Sport1 bereits wenig amüsiert auf den Angriff seines Positionskollegen: "Ich hoffe, er weiß selber, dass die Wortwahl nicht die richtige war. Wenn jetzt noch der letzte Spieler Motivation gebraucht hat, soll er sich nochmal das Video anschauen, dann sind die letzten Prozentpunkte da, um 100 Prozent zu geben", konterte er. Wolffs Teamkollegen setzten also am Mittwoch auf Deeskalation, um die Motivation ihrer Gegner nicht noch mehr anzuheizen. "Ich glaube, eigentlich wollte Andi ausdrücken, dass er großen Respekt hat vor dem österreichischen Handball und dass er das Spiel auf keinen Fall auf die leichte Schulter nimmt. Er wollte ein Warnsignal an unsere Mannschaft schicken", versuchte sich Knorr in einer respektvollen Interpretation der Aussagen. Auch Miro Schluroff erklärte: "Ich würde ihm nicht völlig widersprechen, hätte es aber anders gesagt." "Das wird kein leichtes Spiel" Beide wissen, dass der Auftaktgegner eine Herausforderung darstellt. "Wir haben uns sehr schwergetan in den letzten Spielen. Ich glaube, dass Österreich sowohl über einen großen Teamgeist verfügt als auch eine hohe individuelle Qualität auf vielen Positionen hat", analysierte Knorr und schlussfolgerte: "Das wird kein leichtes Spiel." Für ihn wird es vor allem darauf ankommen, die Ruhe zu bewahren. "Wir müssen geduldig sein und nicht genervt, wenn Dinge nicht funktionieren", so Knorr. "Sie werden einfach ihren Stiefel herunterspielen und wir müssen wissen, dass wir da dagegenhalten müssen und nicht denken, dass wir das Spiel nach 20 Minuten gewonnen haben", lautete seine Warnung. Kein Punktverlust erlaubt Einen Punktverlust zum Turnierstart kann sich die deutsche Mannschaft nämlich eigentlich nicht erlauben. Mit Blick auf die voraussichtliche Hauptrundengruppe mit Weltmeister und Olympiasieger Dänemark sowie EM-Titelverteidiger Frankreich muss die deutsche Mannschaft so viele Punkte wie möglich mitnehmen. Stolpern gegen Österreich ist auch deshalb verboten, weil ein Sieg zum Vorrundenabschluss gegen Spanien ebenfalls alles andere als ausgemachte Sache ist. Die Österreicher auf der anderen Seite haben kaum etwas zu verlieren – und nun auch das Quäntchen Extra-Motivation, um das deutsche Turnierziel Halbfinale früh ins Wanken zu bringen.