Gegen Dänemark hielt die DHB-Auswahl lange gut mit. Der Einbruch begann mit einer doppelten Strafe. Stefan Kretzschmar hat dazu eine deutliche Meinung. Aus Herning berichtet Nils Kögler Mit 26:31 musste sich die deutsche Handball-Nationalmannschaft im dritten Hauptrundenspiel der Europameisterschaft am Montagabend gegen Dänemark geschlagen geben. Ein Unentschieden hätte der DHB-Auswahl von Bundestrainer Alfred Gíslason bereits gereicht, um den Halbfinaleinzug perfekt zu machen. Doch gegen die Dominatoren aus Dänemark konnte die deutsche Mannschaft den ersten Matchball nicht verwerten. Handball-EM 2026: So sehen Sie die Titelmission der DHB-Auswahl live Spielplan, Orte, Modus: Das Wichtigste zur Handball-EM der Männer in der Übersicht In der ersten Halbzeit hatte es jedoch so ausgesehen, als könne sich Deutschland Hoffnungen auf einen Punktgewinn gegen den Weltmeister und Olympiasieger machen. Mit nur einem knappen Rückstand von 12:13 ging es in die Kabine. Zuvor hatte Nils Lichtlein die Chance auf den Ausgleich von der Siebenmeterlinie nur knapp verpasst. In der zweiten Halbzeit konnten die Deutschen den knappen Rückstand zunächst halten. Doch in der 38. und 39. Minute folgten dann zwei Schlüsselszenen. Zunächst bekam Kreisläufer Jannik Kohlbacher eine Zweiminutenstrafe verpasst, weil er gegen den dänischen Rechtsaußen das Bein stehen ließ. Nur wenige Augenblicke später verpasste das Schiedsrichter-Duo Ivan Pavićević und Miloš Ražnatović auch Marko Grgić nach einer Verteidigungsaktion gegen Welthandballer Mathias Gidsel eine Zweiminutenstrafe. Sie hatten wohl ein regelwidriges Stoßen erkannt, das Gidsel geradewegs in DHB-Kapitän Johannes Golla krachen ließ. Eine durchaus streitbare Entscheidung. "Leck mich am Arsch" Die Folge: Deutschland musste für rund eine Minute in doppelter Unterzahl agieren. Die Dänen schlugen Kapital daraus und schafften es auch in der Folge erstmals, wirklich davonzuziehen. Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar kritisierte die Entscheidung der Schiedsrichter gegen Grgić nach dem Spiel deshalb mit deutlichen Worten. "Die doppelte Überzahl (der Dänen, Anm. d. Red.) bricht uns das Genick", konstatierte er im Podcast "Harzblut", um dann die Schiedsrichter anzugehen. "Leck mich am Arsch. Das ist eine Frechheit. Grgić schiebt Gidsel auf Golla. Das war begleitendes Betreuen, mehr war es nicht", lautete seine Meinung zu der Aktion. "Und dafür kriegt der zwei Minuten. Furchtbar", so Kretzschmar weiter. Podcast-Kollege Pascal Hens sah die Unparteiischen gar beeinflusst von dem dänischen Heimpublikum in der Jyske Bank Boxen von Herning. "Wir spielen halt auswärts. Da kriegst du vielleicht auch den ein oder anderen Pfiff weniger", lautete seine Spekulation. Publikum buhte DHB-Team aus Auch mit dem Publikum selbst hatten sie ihre Probleme. Die Zuschauer pfiffen die deutsche Mannschaft nämlich von Beginn an bei jedem Ballbesitz gnadenlos aus. Während Pfiffe in anderen Sportstadien normal sind, gehören sie im Handball für gewöhnlich nicht zum guten Ton. Bei der EM werden sogar vor jedem Spiel Videobotschaften der jeweiligen Mannschaftskapitäne in der Arena eingespielt, die ihre Fans in ihrer Landessprache dazu auffordern, eine respektvolle und sportlich faire Atmosphäre zu schaffen. Daran hielten sich die dänischen Zuschauer am Montagabend allerdings nicht – zum Verdruss von Kretzschmar und seinen Podcast-Kollegen Hens und Michael "Mimi" Kraus. Letzterer wetterte: "Was soll denn die Pfeiferei? Da wurde ich stinksauer. Das macht man nicht, Leute. Ganz ehrlich." "Was ist denn mit denen auf einmal los?" Auch Kretzschmar kritisierte das Publikum und verwies auf die Heim-EM der deutschen Mannschaft vor zwei Jahren, bei der die DHB-Auswahl im Halbfinale auf Dänemark getroffen war: "Das machen wir doch andersherum auch nicht. Bei der Europameisterschaft haben wir die doch auch nicht ausgepfiffen. Was ist denn mit denen auf einmal los?", fragte er sich. Hens hatte seine eigene Theorie und sagte: "Die hatten anscheinend einfach große Angst vor uns und deshalb haben sie gesagt: Wir müssen unsere Mannschaft von Minute eins an richtig unterstützen und den Gegner auspfeifen."