Hautpflege: Reinigung, Wirkstoffe und Co. – Was wirklich wichtig ist

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Seife, Tonikum, Creme und Sonnenschutz: Manch einer nutzt eine ganze Menge Produkte, um die Haut sauber und vermeintlich gepflegt zu halten. Doch nicht immer ist mehr auch besser. Die Haut ist unser größtes Organ und hat von allen Organen auch die meisten Fähigkeiten. Doch statt bei der Pflege zu viel Aufwand zu betreiben, gilt hier: Weniger ist mehr! Warum Wasser oft reicht Zum Reinigen größerer Hautareale und des Gesichts genügen nämlich oft Wasser und ein Handtuch – kein Bedarf an alkalischer Seife, Peeling, alkoholischer Lösung oder Mizellenwasser. Lassen Sie einmal die natürlichen Schutzmechanismen der Haut wirken und waschen Sie sie nicht ständig weg: Nach vier Wochen spüren Sie, was die Haut alles selbst bewerkstelligt. Warum ist das so? Ein gesundes Hautmikrobiom, also die schützenden Türsteher-Bakterien auf der Haut, schätzt einen Säureschutzmantel mit einem pH-Wert von 5. Deshalb sind hier weder alkalische Seifen noch unnötige Desinfektionsmittel, Antiseptika oder aggressive Reinigungsprodukte angebracht. Vor allem häufiges, stark entfettendes oder parfümiertes Waschen verändert den pH-Wert, die Hautbarriere und auch das Mikrobiom. Wasser als Reinigungsmittel ist auch bei leichtem Make-up ausreichend, bei sehr klebrigem, zähem Sonnenschutz oder fettem Make-up aber meist nicht. An "Krisenstellen", wo wir Duft(drüsen) haben (Achseln, Leiste, Gesäßfalte, gern auch Füße), kann man sparsam saure Waschsubstanzen auf Basis schwach entfettender Zucker- und Kokostenside (zum Bespiel Coco Glucoside, Decyl Glucoside, Lauryl Glucoside) und Aminosäure-Tensiden (Disodium/Sodium Cocoyl Glutamate) anwenden. Auch hier nicht mit Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen, Schaum und Glitzer hantieren, die der natürlichen Hautphysiologie entgegenstehen. Händewaschen mit seifenfreier Waschsubstanz natürlich nach dem Toilettengang, vor dem Essen und beim Nachhausekommen. Waschlappen meist ausreichend : Nur diese fünf Körperstellen brauchen Seife Haut und Haare : Deshalb sollten Sie nur alle drei Tage duschen Beim Cremen kommt es auf die Lipide an Cremen sollten Sie nur an Stellen, die trocken sind und spannen. Angenehm sind Cremes oder Lotionen mit hautverwandten Lipiden pflanzlichen Ursprungs, die die Hautfette ersetzen, unsere Hautbarriere schützen und reparieren – etwa Caprylic/Capric Triglyceride , Butyrospermum Parkii (Shea) Butter, Phytosterole, Palmitinsäure, Phosphatidylcholin, Ceramide und Squalan. Diese "biomimetischen" Cremes kommen ohne klassische Emulgatoren aus und werden auch auf Problemhaut gut vertragen; sie sind idealerweise frei von Duft-, Farb- und unnötigen Konservierungsstoffen. Aber auch solche Cremes sind nur an Stellen nötig, wo es die Haut nicht allein schafft. Zudem gilt: Die Hautbarriere lässt sich nicht nur mit wasserhaltigen Feuchtigkeitscremes befeuchten, sondern auch mit reinen Fettsalben. Sehr angenehm und gut schützend ist kalt gepresste naturbelassene, im besten Fall nur zart nussig duftende Shea Butter aus der Karité-Nuss, denn sie bremst das Verdunsten körpereigener Feuchtigkeit. Shea Butter ähnelt den Hautlipiden, schützt und repariert die geschundene Barriere zugleich. Feuchtigkeit bleibt so länger eingeschlossen und plustert die Haut ebenfalls auf. Eine Feuchtigkeitscreme, die Wasser enthält, ist gar nicht unbedingt nötig und kommt nur dann zum Einsatz, wenn eine reine Fettcreme oder Salbe dem Anwender zu fettig ist. Cremezusätze wie Harnstoff, Glycerin, Aminosäuren und Hyaluronsäure können als natürliche Feuchthaltefaktoren die Hornschicht der Oberhaut für einige Stunden aufsaften. Ans Eingemachte, also unter die robuste Hautbarriere, gelangen sie als normale Kosmetik nur sehr begrenzt. Anti-Aging-Produkte: Das Geschäft mit der Hoffnung In Cremes "für die reifere Haut" oder klar gekennzeichneten Anti-Aging-Produkten erwartet uns eine Reihe klassischer und neuerer Player: Die Vitamine A, C, E und kurzkettige Polypeptide sollen Laboruntersuchungen zufolge einen messbaren Effekt haben und schaden meist nicht; man kann die versprochenen Effekte mit dem bloßen Auge allerdings nicht erkennen; wenn überhaupt, wirken sie vorbeugend und nur sehr oberflächlich. Geheimnisse der Langlebigkeit : Warum unsere Darmflora ein Jungbrunnen ist Wer eine "Faltencreme" kauft, wird seine bisherigen Falten kein bisschen loswerden und ungebremst weitere dazubekommen. Um das zu verhindern, müssten die Anti-Aging-Stoffe in die zweite Hautschicht, in die Lederhaut, flutschen. Nur dort könnten sie das abgebaute Kollagen, die verloren gegangenen elastischen Fasern oder die abgebaute Hyaluronsäure ersetzen und die Neubildung stimulieren. Das gelingt den Wirkstoffen dank der stabilen Hautbarriere aber leider nicht oder nur in geringfügigem Ausmaß. Zudem setzen ihnen auch Licht und Luft ordentlich zu. Studien der Kosmetikbranche erreichen meist keine wissenschaftlichen Standards, sind oft nur im Labor und nicht am Menschen getestet, und falls doch, an einer zu kleinen Gruppe. Sehr viele Hersteller befüllen ihre Mischungen auch immer wieder mit kritischen Inhaltsstoffen, die der Verbraucher anhand des Kleingedruckten auf der Rückseite kaum allein identifizieren kann. Es sei denn, er hat Chemie studiert. Man kann sich solche aufwändigen Kosmetik-Präparate sparen – und dafür sorgen, dass man diese Mikronährstoffe über die Ernährung zu sich nimmt. Das Who-is-Who der Hautpflege Wer trotzdem unbedingt gegen das Altern ancremen will – hier sind einige Wirkstoffe aufgeführt und das, was man zu ihnen weiß: Vitamin A : Die biologisch aktive und effektivste Form dieses Vitamin-A-Wirkprinzips ist Tretinoin, das stark reizen kann, verschreibungspflichtig ist und nicht in kosmetischen Mitteln eingesetzt wird. Dort finden sich schwächere Formen wie freies Retinol, Retinylpalmitat, Retinylacetat oder Retinaldehyd. Belegt sind folgende Effekte: kann feine Falten, Rauigkeiten und Pigmentation vermindern oder den Elastizitätsverlust verbessern. Nicht anwenden während der Schwangerschaft ! Licht und Luft können Retinol zerstören, daher luftdichte Verpackungen bevorzugen und mit dem Sonnenbad etwas warten. Vitamin C : Es hilft beim Kollagen- und Elastinaufbau und wirkt gegen UV-Schäden. Genauer: Es unterstützt die Kollagensynthese und wirkt antioxidativ; ob es sichtbar hilft, hängt stark von einer geschützten, stabilen Mischformel des Produkts ab. Es über die Nahrung zu sich zu nehmen, ist definitiv die schlauere Variante. Licht und Luft zerstören es. Vitamin E : Das Antioxidans schützt die Zellmembranen, beugt Sonnenschäden vor und hemmt den Kollagenabbau. Vitamin B3 , Niacinamid: Es verbessert die Hautneubildung und hilft, Fältchen über eine Unterstützung der Hautbarriere zu mildern. Es lindert Juckreiz, verbessert die Hautdurchfeuchtung und kann Sonnenschäden leicht bleichen. Carnosin : Es wirkt vor allem als Gewebeschützer. Im Labor fördert der Wirkstoff die Beseitigung vergreister Hautzellen, indem es bestimmte Immunzellen, die Fresszellen, stimuliert. Coenzym Q10 : Ein Antioxidans – im Alter kann die Konzentration abnehmen. Soll Kollagen stimulieren und Falten verbessern. Aufgecremt gibt es dafür nur begrenzte Evidenz. Phytohormone : Das sind sekundäre Pflanzenstoffe mit hormonähnlicher Wirkung. Sie sollen, wie Östrogene, von außen aufgetragen, die Haut prall und frisch halten. Hier fehlen ausreichende Wirknachweise: Der Effekt, wenn überhaupt vorhanden, ist eher schwach. Hyaluronsäure : Natürlicher Feuchthaltefaktor in Haut und anderen Geweben. Bindet viel Wasser, kann aufgecremt die Haut aufplustern und über Stunden praller wirken lassen. Je kleiner die Moleküle sind, umso tiefer dringen sie in die obere Hornschicht und wirken so etwas länger. Ihr Haupteffekt in Cremes ist die Befeuchtung und Aufpolsterung der Hornschicht; eine relevante Kollagenstimulation in der Lederhaut ist durch Aufcremen nicht belegt. Denn sie dringt als Creme nicht bis in die Lederhaut, dazu müsste sie gespritzt werden. Auch Nahrungsergänzungsmittel sind in ihrer Wirksamkeit nicht vollständig belegt. Kollagen : Wichtiges Eiweiß für den Aufbau von Haut, Bindegewebe, Sehnen, Bändern, Knochen. Die Moleküle scheitern an der Hautbarriere. Äußerlich angewendet wirkt Kollagen daher vor allem als Film und Feuchthalter; Omas Knochenbrühe oder oral eingenommene Kollagenpeptide zeigen in Studien teils Effekte. Denn auf diese Weise dient es einer besseren Versorgung mit Kollagen-Bausteinen. Kollagen braucht aber immer auch Vitamin C und insgesamt kann man auch hier kein Lifting erwarten. Peptide : Einige dieser Protein-Schnipsel stimulieren die Kollagensynthese und glätten, aber nicht alle. Und: Die Evidenz hängt stark vom jeweiligen Peptid und der Zusammensetzung des Produkts ab. Fruchtsäuren (AHA): Sie wirken hornlösend und abschälend, indem sie die Bindung zwischen Hornzellen lockern; dadurch können sie Textur, fahle Haut und feine Fältchen verbessern, aber auch reizen und lichtempfindlicher machen. Hornschüppchen und -pfropfen werden abgelöst. Allantoin : Der Wirkstoff kommt unter anderem in vielen Pflanzen vor (etwa in Kastanienrinde, Beinwell, Schwarzwurzeln, Roter Bete, Ahorn, Weizenkeimen und anderen). Es wirkt beruhigend und pflegend, fördert vor allem die Wundheilung , bewahrt die Feuchtigkeit, gibt ein glattes Hautgefühl und beugt Irritationen vor. Panthenol : Das B-Vitamin (B5) verbessert und steigert das Feuchthaltevermögen, wirkt entzündungshemmend, wundheilungsfördernd und lindert Juckreiz. Von dieser Pflege profitieren auch Haar und Nägel. Urea (Harnstoff): Der Wirkstoff macht 7 Prozent der natürlichen Feuchthaltefaktoren der Hornschicht aus und stammt aus dem Schweiß und den Hornzellen. Aufgetragen (3 bis 10 Prozent Konzentration) erhöht es den Wassergehalt der Hornschicht über Stunden. Bei einer Konzentration über 10 Prozent tritt eine hornaufweichende und schuppenlösende Wirkung ein. Exosomen : Das sind winzige extrazelluläre Vesikel, also biologische "Nachrichtenpäckchen" zwischen Zellen. In der ästhetischen Dermatologie werden sie derzeit stark beworben, etwa für Regeneration, Hautberuhigung und Kollagenaufbau. Wissenschaftlich ist das spannend, aber noch kein etablierter Anti-Aging-Standard: Die Datenlage ist bislang begrenzt, die Herstellung oft nicht standardisiert, und Langzeitdaten fehlen. Die Haut ist, was du isst Unser Körper – und damit auch die Haut – wird maßgeblich aus dem aufgebaut, was wir zu uns nehmen. Hautgesundheit und -jugend hängen also wesentlich von der Qualität unseres Essens ab. Die Makronährstoffe Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett sind das Baumaterial und stellen die Energiezufuhr sicher. Wasser ist im Grunde auch ein Makronährstoff, wird aber getrennt betrachtet, weil es keine Kalorien liefert. 60 Prozent unseres Körpers bestehen aus Wasser. Bei 0,5 Prozent Wasserverlust spüren wir Durst, bei sieben Prozent sind wir nicht mehr funktionstüchtig und in Lebensgefahr. Ausreichend Trinken (mindestens rund zwei Liter pro Tag) ist daher enorm wichtig, auch für die Haut. Ernährung als Jungbrunnen : Was wirklich gegen das Altern hilft Schönheit von innen : Diese Superfoods verleihen der Haut Glanz Mikronährstoffe sind Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Während Omega-Fettsäuren streng genommen zu den Fetten gehören und sekundäre Pflanzenstoffe keine klassischen Mikronährstoffe sind, sind beide Gruppen biologisch aber ebenfalls hochrelevant. Alle zusammen sind zuständig für die Stoffwechselvorgänge, den Schutz und die Reparatur der Haut. Die Haut ist, was du isst – Schönheit kommt zu großen Teilen wirklich von innen. Wichtig ist der präventive Charakter: lebenslang gesund essen ist nachhaltiger als eine späte kurzfristige therapeutische Intervention, wenn schon alles baumelt. Bedenken Sie gut, was Sie Ihrer Haut Gutes tun – oder antun –, und kommen Sie gesund durch die Zeit!
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