Herzinfarkt und Schlaganfall: Risikofaktor CHIP – Genmutation erhöht Risiko

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Wer eine bestimmte Genveränderung trägt, hat ein deutlich höheres Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Besonders eine verbreitete Herzkrankheit scheint die Mutation zu begünstigen. Mit dem Alter kommt es zu vielen Veränderungen im Körper. Neben den offensichtlichen steigt auch das Risiko, dass bestimmte Blutzellen mutieren. Mediziner sprechen dann von klonaler Hämatopoese mit unbestimmtem Potenzial, auf Englisch: "clonal hematopoiesis of indeterminate potential" – abgekürzt CHIP. Die Deutsche Herzstiftung informiert nun darüber, dass besonders Menschen mit Vorhofflimmern gefährdet sind – und das sind in Deutschland Millionen. Was genau ist CHIP? Mit dem Alter verändern sich bei manchen Menschen die blutbildenden Stammzellen. Sie produzieren sogenannte Zellklone, also Kopien mit kleinen Fehlern im Erbgut. Diese veränderten Zellen verhalten sich auffällig: Einige dieser mutierten Blutzellen stehen im Verdacht, Entzündungsprozesse zu befeuern. In der Folge können die Mutationen neue Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Gefäßverkalkungen ( Arteriosklerose ), Blutgerinnsel oder Herzinfarkte auslösen oder bestehende Erkrankungen verschlimmern. So ist das Risiko für eine Koronare Herzkrankheit (KHK) fast um das Doppelte erhöht und jenes für einen Herzinfarkt in jungen Jahren sogar um das Vierfache, warnt die Deutsche Herzstiftung. Alarmsignale erkennen : Herzinfarkt kann sich über mehrere Tage entwickeln Mancherorts werden OPs verschoben : Grippewelle führt zu hoher Klinikauslastung Auch Schlaganfälle treten bei CHIP-Trägern bis zu 14 Prozent häufiger auf. Denn wenn sich Blutgerinnsel lösen, können sie nicht nur die Durchblutung des Herzens stören (Herzinfarkt), sondern mit dem Blutfluss auch ins Gehirn gelangen und dort ein Gefäß verschließen. Zudem ist Vorhofflimmern ein Schlaganfall -Risikofaktor, der durch die CHIP-Mutationen begünstigt wird (mehr dazu weiter unten). Menschen mit Vorhofflimmern sind doppelt gefährdet Auch ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Freiburg und der Charité Berlin untersucht aktuell, wie CHIP-Mutationen genau wirken. Die Forscher haben herausgefunden, dass bestimmte CHIP-Mutationen (TET2) ein unabhängiger Risikofaktor für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind, indem sie Entzündungen, den Fettstoffwechsel und die Bildung von Blutgerinnseln beeinflussen. Im Fokus stehen Patienten mit Vorhofflimmern – einer häufigen Herzrhythmusstörung. Heribert Schunkert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, erklärt in einer Pressemeldung: "Zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Vorhofflimmern – und sind damit dem Risiko schwerer Folgeerkrankungen ausgesetzt. Mit den CHIP-Mutationen wird ein zusätzlicher Risikofaktor für Patienten mit Vorhofflimmern und viele andere chronisch herzkranke Menschen vermutet." Herz aus dem Takt : Diese Risikofaktoren begünstigen Vorhofflimmern So leiden Menschen mit CHIP-Mutationen deutlich häufiger an Vorhofflimmern. Der Anteil ist durchschnittlich um zwölf Prozent höher als in der Allgemeinbevölkerung, bei bestimmten Mutationen beträgt er sogar bis zu 45 Prozent. Umgekehrt hat etwa jeder vierte Patient mit Vorhofflimmern eine unbemerkte CHIP-Mutation. Die von der Deutschen Herzstiftung geförderte Studie wurde im "European Heart Journal" veröffentlicht. Jeder dritte Herzpatient zusätzlich von CHIP betroffen Den Forschern zufolge gibt es zudem zwei weitere zentrale Ergebnisse, weshalb CHIP-Mutationen stärker erforscht werden müssen: Spontane Mutationen : Veränderungen im Erbgut können nicht nur von den Eltern vererbt werden, sondern auch im Laufe des Lebens neu entstehen. Damit können Mutationen in den Blutzellen laut der Herzstiftung einfach neu entstehen, ähnlich wie bei vielen Krebserkrankungen. Risiko nimmt im Alter zu : Etwa jeder Dritte mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung ist zusätzlich von CHIP betroffen. Besonders häufig tritt CHIP bei Menschen über 70 Jahren auf. Rund jeder Zehnte in der Generation 70 plus trägt eine CHIP-Mutation in sich. Was bedeutet das für Patienten? Das Ziel ist es, von CHIP betroffene Herzpatienten effizienter behandeln zu können, so die Studienautoren. So sollen die neuen Erkenntnisse etwa mithelfen, die Entwicklung der personalisierten Medizin voranzutreiben. Ingo Hilgendorf, Leiter der Klinik für Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum des Deutschen Herzzentrums der Charité Berlin erklärt: "Eine mögliche Konsequenz könnte sein, dass man CHIP-Träger aufgrund bestimmter Risikoprofile künftig anders behandeln sollte, um klinischen Ereignissen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt vorzubeugen." Noch gehört dieser Test allerdings nicht zur Routineuntersuchung bei Herzpatienten. Für die Entwicklung sind weitere Studien nötig.
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