Internetsperren im Iran: Mit "Snowflake" kann jeder helfen

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Iran blockiert weiter das Internet in dem Land. Aber Menschen in anderen Ländern – auch in Deutschland – können mit ihrer Internetverbindung helfen. So geht's. Keine sozialen Netzwerke, kein Onlinebanking, keine Video-Telefonie: Seit Tagen haben die Menschen im Iran keinen Internetzugang , wie die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks mitteilt. Durch Sperren und Telefonblockaden will die iranische Führung wegen landesweiter Massenproteste die Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. Außerdem soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Proteste unterdrückt werden. Die Maßnahme schürt die Sorge, dass die Führung in Teheran wie schon bei vergangenen Protesten die Internetblockade nutzen könnte, um die Demonstrationen brutal niederzuschlagen. Snowflake ermöglicht eine schnelle Hilfe mit nur einem Klick Im ganzen Land suchen die Menschen derzeit nach Möglichkeiten, die von der iranischen Regierung eingesetzten Sperren zu umgehen. Internetnutzer in anderen Ländern können dabei helfen – auch in Deutschland. Die Lösung heißt "Snowflake" und ist eine kostenlose Erweiterung für weitverbreitete Internetbrowser wie Chrome, Firefox und Microsoft Edge. Die Erweiterung kann jeder Anwender ganz einfach auf den PC oder das Handy herunterladen und aktivieren. "Sobald man das Snowflake-Plug-in im Browser aktiviert hat, stellt man Nutzern im Iran über das Darknet einen Zugang zum freien, unzensierten Internet zur Verfügung", so Philipp Plum vom IT-Sicherheitsanbieter Eset auf Anfrage von t-online. Dadurch können sich Iraner zum Beispiel über unabhängige Medien informieren oder Fotos und Videos von Protesten und anderen Ereignissen teilen. Bei Google Chrome geht die Installation von "Snowflake" so: Rufen Sie den Chrome Web Store auf. Geben Sie in die Suchleiste das Wort "Snowflake" ohne Anführungszeichen ein und drücken Sie die "Enter"-Taste. In den Suchergebnissen erscheint an oberster Stelle die "Snowflake"-Erweiterung. Klicken Sie darauf und anschließend auf den "Installieren"-Knopf. Fertig. Bei anderen Browsern wie Firefox oder Edge geht das ähnlich. Die Einrichtung der Erweiterung erfolgt nach der Installation automatisch. Jedes Mal, wenn Sie den Browser verwenden, stellt "Snowflake" Nutzern danach in zensierten Ländern einen kleinen Teil Ihrer Bandbreite zur Verfügung. Kontrollieren können Sie das über den "Erweiterungen"-Knopf oben rechts bei Chrome. Bei anderen Browsern finden Sie den Punkt "Erweiterungen" auch entweder dort oder unter dem Drei-Punkte- oder sogenannten Burger-Menü. Dort sehen Sie die Anzahl der Anwender, denen Ihre Internetverbindung derzeit und in den letzten 24 Stunden dabei geholfen hat, die Zensur zu umgehen. "Snowflake" auf dem Handy verwenden Auf dem Telefon geht es noch einfacher. Hier können Nutzer mit ihrem Browser die URL " embed-snowflake.torproject.org " aufrufen. Daraufhin öffnet sich die "Snowflake"-Website. Unter dem Hinweis "Dein Snowflake ist bereit, den Benutzern bei der Umgehung der Zensur zu helfen" muss nur noch der Schalter "aktiv" betätigt werden, um seine Bandbreite mit anderen Anwendern zu teilen. Gut zu wissen: Wer "Snowflake" aktiviert, "hilft damit nicht nur den Menschen im Iran, sondern allen Zensurbetroffenen", schreibt die Plattform "Netzpolitik.org". Dazu gehören auch Staaten wie China oder Belarus , die seit Jahren immer wieder versuchen, die anonyme Internetnutzung zu blockieren. Was ist Snowflake genau? Snowflake gehört zum Tor-Netzwerk, das es Menschen weltweit ermöglicht, das Internet anonym und unbeobachtet zu nutzen. Der Name Tor steht für "The Onion Router" (Onion ist das englische Wort für Zwiebel) und beschreibt die Technologie dahinter, die in Schichten wie eine Zwiebel aufgebaut ist. Daten werden mehrfach verschlüsselt und über zufällig ausgewählte Server, sogenannte Relays, weitergeleitet, bevor sie ihr Ziel erreichen. Dadurch wird eine Nachverfolgung erschwert, wer eine Anfrage stellt und wohin sie geht. So schützt Tor Nutzer vor Überwachung, Tracking und Zensur. Zu den Tor-Nutzern gehören Journalisten, Aktivisten, Whistleblower, aber auch ganz normale Bürger, die ihre Privatsphäre schützen möchten oder in Ländern mit Internetsperren leben. Ist die Nutzung in Deutschland strafbar? Nein. "Die Nutzung von Snowflake, etwa um den eigenen Internetzugang zu teilen, ist legal", so Plum vom IT-Sicherheitsanbieter Eset. Man könne deshalb ruhigen Gewissens seinen Internetzugang mit Menschen im Iran teilen. Auch Sorgen vor Datenschutzbedenken bräuchten Anwender nicht zu haben. "Die Menschen, denen man mit Snowflake hilft, haben zu keiner Zeit Zugriff oder Einsicht in Daten, die auf dem eigenen Rechner gespeichert sind", sagt Plum. Darüber hinaus erfolge die gesamte Kommunikation verschlüsselt. Wer welche Internetseite über einen bestimmten Snowflake-Zugang besucht hat, sei nicht nachverfolgbar.
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