Je zahmer, desto schlauer? Russische Forscher untersuchen die Hirnentwicklung domestizierter Füchse

3 monate vor


Wissenschaftler haben im russischen Nowosibirsk aus einer Langzeitstudie mit Füchsen neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Gehirns domestizierter Tiere gewonnen. Die Forscher hoffen, daraus auch Erkenntnisse über die menschliche Evolution ableiten zu können. Das Fuchs-Experiment in Nowosibirsk läuft bereits seit 1958 und gilt als größter Tierversuch des 20. Jahrhunderts. Der russische Genetiker Dmitri Beljajew rief das Langzeitprojekt ins Leben, um den Prozess der Domestizierung, der in der Natur über mehrere zehntausend Jahre hinweg stattgefunden hat, experimentell nachzubilden. Selektiert wurden die Füchse dabei nach ihrem Verhalten gegenüber Menschen. "In unserem Fall wählen wir Füchse aus, die ein zahmes Verhalten gegenüber einer Person zeigen, und solche, die sich aggressiv verhalten", erklärt Darja Schepelewa, Nachwuchsforscherin am Institut für Zytologie und Genetik in Nowosibirsk. "Das heißt, wir ändern ihr Verhalten [über die Zeit] und sehen, welche Veränderungen in diesem Fall im Zusammenhang mit der Auswahl auftreten." Bisherige Studien hatten für andere Tiergruppen – darunter Pferde, Hunde, Katzen und Hühner – nachgewiesen, dass das Gehirn im Rahmen des Domestizierungsprozesses schrumpft. Auch die Gehirne heutiger Menschen sind deutlich kleiner als die unserer Vorfahren. Die Forscher aus Nowosibirsk entdeckten nun bei Füchsen das Gegenteil: Die Gehirne der selektierten Füchse schrumpften nicht, es bildeten sich sogar zusätzliche graue Zellen. Weiter zeigten sich bei den domestizierten Tieren phänotypische Veränderungen – etwa an der Farbe des Fells oder der Form der Ohren. Vor allem aber stellten die Forscher fest, dass sich durch die Gehirnstruktur bei den aggressiven und bei den zahmen Füchsen in der Studie auf ähnliche Weise verändert. "Wir fanden auch heraus, dass ähnliche Hirnregionen sowohl bei den zahmen als auch bei den aggressiven Füchsen vergrößert wurden", erklärt Erin Hecht, Assistenzprofessorin in der Abteilung für menschliche Evolutionsbiologie der Universität Harvard. "Das war wiederum etwas überraschend, weil sie sehr unterschiedliche Verhaltensweisen haben. Doch die Art und Weise, wie sich ihre Gehirne verändert haben, zumindest auf der Ebene, die wir mit der MRT-Bildgebung messen konnten, war sehr ähnlich." Die Ursachen für die beobachteten Veränderungen bei den Füchsen sind noch nicht geklärt. Die Forscher wollen nun als nächstes Gehirnscans auf Zellebene untersuchen. Auch, was die Erkenntnisse aus dem Fuchsexperiment für die menschliche Evolution bedeutet, soll untersucht werden. Philipp Khaitovich, Professor am Skolkovo Institute of Science and Technology (Skoltech), erklärt: "Das Interesse an der Gehirngröße unter dem Gesichtspunkt der Domestizierung wird von rein egoistischen Motiven diktiert, denn wir sind selbst daran interessiert zu verstehen, was mit unserem Gehirn geschieht. [Die] historischen Daten [zeigen], dass sich die durchschnittliche Gehirngröße in der menschlichen Bevölkerung in den letzten Zehntausenden von Jahren verringert hat." Die Forscher vermuten, dass der Selektionsdruck bei domestizierten Tieren ähnlich gewesen sein dürfte wie der, den der Mensch bei der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft durchlaufen hat. Das würde bedeuten, dass die Ergebnisse bei den Füchsen auch Rückschlüsse auf die Entwicklung des Menschen zulassen. Auch diesen Fragen wollen die Wissenschaftler nun nachgehen. Mehr auf unserer Webseite: https://de.rt.com/ Folge uns auf Facebook: https://www.facebook.com/rtde Folge uns auf Twitter: https://twitter.com/de_rt_com Folge uns auf Instagram: https://www.instagram.com/de_rt_com Folge uns auf Telegram: https://t.me/rt_de RT DE steht für eine Berichterstattung abseits des Mainstreams. Wir zeigen und schreiben das, was sonst verschwiegen oder ausgelassen wird.
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