Johannes Oerding über Sarah Connor, Peter Maffay und die große Liebe

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Er ist seit Jahren Teil der deutschen Popkultur. "Hier gehör’ ich hin", singt Johannes Oerding in seinem neuen Album und t-online hat nachgefragt, wo das eigentlich ist. Hut, Dreitagebart und Falten, die verraten, dass dieser Mann wohl schon oft in seinem Leben gegrinst haben muss. Johannes Oerding lächelt freundlich in die Bildschirmkamera, bereit für Fragen nach den schönen und den schwierigen Zeiten in seinem Leben. Seit 2009 ist Oerding als Musiker in Deutschland bekannt, seit 2021 ist er jährlich Gastgeber der TV-Show "Sing meinen Song". Mit t-online spricht er über die Liebe, über unerwartet tiefe Trauer und darüber, warum er bei Sarah Connor wieder zum kleinen Jungen wird. t-online: Herr Oerding, woher weiß man, wo man hingehört? Johannes Oerding: Ich habe es körperlich gespürt. Eigentlich wollte ich eine Pause von der Musik machen. Aber nach drei Monaten auf Weltreise wusste ich, dass ich einen Song schreiben muss. Dagegen kam mein Kopf gar nicht an. Ich habe gemerkt, dass ich dafür geboren bin. Hatten Sie dieses Gefühl schon öfter? Erst gestern hatte ich es wieder. Sarah Connor hat hier in Hamburg ein Konzert gegeben. Als ich zu ihr auf die Bühne gekommen bin, hatte ich Gänsehaut. Die Menschen haben mich so herzlich willkommen geheißen, wie ich es noch nie erlebt habe. Ich wusste sofort, hier gehöre ich hin. Sie arbeiten schon seit einiger Zeit mit Sarah Connor zusammen. Wie ist es, mit ihr auf der Bühne zu stehen? Bei Sarah Connor werde ich ein kleiner Junge, ein richtiger Fanboy. Ich will nichts falsch machen und bin bei ihr deshalb sehr behutsam und schüchtern. Das bin ich sonst gar nicht. Sie würde wahrscheinlich das Gegenteil über mich sagen. Woher kommt diese Schüchternheit? Ich glaube, das liegt einerseits daran, dass sie wahnsinnig talentiert und professionell ist. Andererseits daran, dass ich sie so sehr bewundere, dass ich sie beeindrucken will. Geht es Ihnen bei der Zusammenarbeit mit Peter Maffay genauso? Anfangs schon. Ich kannte ihn nur aus dem Fernsehen und er ist einer der erfolgreichsten deutschen Solokünstler. Mittlerweile kenne ich ihn seit zehn Jahren, und es hat sich eine Freundschaft entwickelt, so ein Buddy-Ding. Wir sind sehr offen miteinander wie zwei Fußballjungs, die auf dem Platz sitzen und über Musik reden. Das ist total ungewöhnlich. Was ist daran ungewöhnlich? Wir sind aus verschiedenen Generationen und eine Freundschaft wie diese hat man sonst nicht oft im Leben. Für mich ist es eine Bereicherung, jemanden wie Peter Maffay zu haben, der mir mit klarem Verstand erzählt, wie das Leben manchmal läuft. Es ist inspirierend. Auch wenn ich nicht alles genau so mache, wie er es macht, kann ich viel von ihm lernen. Darüber, wie das Leben manchmal läuft, geht es auch in Ihren Songs. Was waren Momente in Ihrem Leben, in denen Sie gestrauchelt sind? Über die Liebe bin ich am meisten gestolpert, aber der Tod meines Vaters hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Das hätte ich so nicht erwartet, wie sehr mich das beschäftigt. Woran haben Sie das gemerkt? Kurz nachdem mein Vater verstorben war, habe ich in Südafrika bei "Sing meinen Song" das Lied "Ihr da oben" von den Broilers für dessen Frontmann Sammy Amara gesungen. Nachmittags vor der Sendung konnte ich den Song, der vom Tod handelt, nicht singen und musste den Soundcheck abbrechen. Das ist mir noch nie passiert. Ich hatte sogar ein bisschen Schiss vor dem Auftritt am Abend. Was hat dieser Song in Ihnen ausgelöst? Amara und ich haben eine recht ähnliche Geschichte. Wir kommen aus derselben Gegend und unsere Väter kannten sich sogar – mein Vater war der Hausarzt von Amaras Vater. All das wussten wir vor Südafrika nicht. Wir beide haben unsere Väter verloren, und dieser Song hat uns an dem Abend umgehauen und miteinander verbunden. Das werde ich nie vergessen. Sie sagten eben, über die Liebe seien Sie am meisten gestolpert. Glauben Sie an die große Liebe? Für viele gibt es sie. Ich glaube an zwei bis vier große Lieben im Leben. Das zeigt die Erfahrung: Mit 16 denkt man, man hat die große Liebe gefunden und zieht zusammen auf einen Bauernhof, aber dann kommt es doch anders. Ich freue mich für alle, bei denen das funktioniert, meine Eltern haben sich 25 Jahre geliebt. Ich weiß aber auch, dass Beziehungen kaputtgehen können. Wichtig ist, dass sich keiner für den anderen aufgibt. Sie singen auch darüber, dass es mehr Sonntage geben sollte – was heißt das? Ich will an die Zeit erinnern, als ich Kind war und sonntags den gesamten Tag über im Schlafanzug vor dem Fernseher saß, Zeichentrickfilme geguckt und Süßigkeiten oder Fischstäbchen gegessen habe. Ich fühlte mich behütet und hatte keine Verantwortung dafür, was draußen in der Welt los war. Dieses Sonntagsgefühl möchte ich zurückholen. Indem Ihre Sonntage heute noch genauso aussehen? Nicht ganz. Wenn ich samstags mit Freunden unterwegs bin, dann will ich sonntags ausschlafen und keinen Wecker, der bimmelt. Ich will Filterkaffee, und zwar viel davon, Fußball schauen, am Handy gammeln und dann Pizza mit Sauce Hollandaise bestellen. Nur um mich dann früher als an jedem anderen Tag wieder ins Bett zu legen. Ich glaube, man braucht es heute mehr denn je, die Welt kurz auf Pause zu drücken.
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