KI-Musikerin oder echt? So entlarven Sie KI-generierte Songs

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Die mysteriöse Sängerin Sienna Rose steht im Verdacht, KI-generiert zu sein. Handelt es sich tatsächlich um einen Fake? Und woran erkennt man überhaupt KI-Songs? Über eine millionenfach gestreamte Neo-Soul-Musikerin wird derzeit ausgiebig in den Medien diskutiert. Viele spekulieren, die Sängerin mit dem Namen Sienna Rose sei nicht echt, sondern KI-generiert. Ihr meistgehörter Song "Into the Blue" schaffte es sogar in die deutschen Top-50 der Spotify-Charts. Einer der Gründe für den Impostor-Vorwurf ist die mysteriöse Anonymität ihrer Person. Auch ihr Profil in den sozialen Medien ruft bei vielen Skepsis hervor. Schon seit längerer Zeit steht der Verdacht im Raum. Jetzt entflammte die Diskussion um die vermeintliche KI-Musikerin erneut, nachdem die international bekannte Sängerin Selena Gomez kürzlich einen von Sienna Roses Songs für einen Instagram-Beitrag genutzt hatte. In Internetforen sind sich viele einig: "Sie hat acht Alben innerhalb eines Jahres veröffentlicht, natürlich ist sie KI", schreibt ein Nutzer auf der Plattform Reddit. Auch wenn für einige die KI-Anzeichen offensichtlich erscheinen, fühlen sich andere getäuscht: "… ich hatte einen ihrer Songs gespeichert, ohne zu wissen, dass es KI ist … gruselige Zeiten", kommentiert ein weiterer Reddit-Nutzer. Wie funktioniert KI? Künstliche Intelligenz einfach erklärt Viele können KI-Musik nicht von "echter" unterscheiden Eine Umfrage aus dem vergangenen Jahr zeigt: So geht es vielen. 97 Prozent der Befragten können den Unterschied zwischen menschengemachter und KI-generierter Musik nicht erkennen. Die Umfrage wurde vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag der Streamingplattform Deezer durchgeführt. Ein Großteil der Befragten (80 Prozent) stimmte auch dafür, dass komplett KI-generierte Songs als solche gekennzeichnet werden sollten. Bislang gibt es in der Musikbranche keinen einheitlichen Standard oder Richtlinien, ob und wie KI-Songs markiert werden müssen. Deezer ist aktuell der einzige Streaminganbieter, der mithilfe eines Tools komplett KI-generierte Songs erkennt und als solche kennzeichnet. Auch mehrere Alben von Sienna Rose stufte die Plattform als KI ein. Kritik an KI in der Musikbranche KI oder "echt" – die Diskussion um die Sängerin ist nur ein kleiner Teil der großen Debatte um die Anwendung von KI zur Musikproduktion sowie die Zukunft der Musikbranche. Kritiker sorgen sich um die Verdrängung echter Künstlerinnen und Künstler sowie die Homogenisierung des Musikangebots. Schon jetzt werden laut eigenen Angaben täglich 30.000 reine KI-Songs auf der Plattform Deezer hochgeladen. Viele Konsumentinnen und Konsumenten boykottieren mittlerweile KI-generierte Songs, und auch Streaminganbieter wie Spotify ernten zunehmend Kritik, unter anderem wegen mangelnder Regulierung von KI-Songs. Die Umfragedaten von Deezer zeichnen ein ähnliches Bild: Fast die Hälfte der Befragten würde KI-Songs aus ihren Streamingplattformen herausfiltern. Andere Stimmen sehen KI in der Musikbranche weniger kritisch und vertrauen darauf, dass sich die Originalität echter Künstlerinnen und Künstler gegen KI-Songs langfristig durchsetzen werde. Was sind Merkmale KI-generierter Musik? Mittlerweile gibt es spezielle Anwendungen, die mithilfe komplexer Technologien KI-generierte Songs prüfen und erkennen können. Die Webseite "BeatsToRapOn" bietet solch einen "AI-Music-Detector" an und erklärt, was typische KI-Merkmale sind: Vorhersehbarer Songtext: KI-generierte Texte sind häufig weniger kreativ, und es mangelt ihnen an emotionaler Authentizität. Auch generische oder repetitive Phrasen können Hinweise sein. Zu gleichmäßig: Im Gegensatz zu Songs, die in einem Studio aufgenommen und von einem Menschen produziert wurden, klingen KI-Songs häufig zu "steril". Tonalität, Timing und Dynamik wirken zu gleichmäßig. Menschlicher Rhythmus und echter Gesang weisen in der Regel subtile Schwankungen und Varianz auf. Komisch platzierte Fehler: Trotzdem können sich auch kleine Patzer einschleichen, die aufgrund ihres Timings auf KI hindeuten: z. B. ein holpriger Übergang oder ein plötzlicher, unlogischer Harmoniewechsel. Ähnlich wie im Fall von Sienna Rose deutet nicht unbedingt nur der Klang eines Musikstücks auf KI hin. Auch das Coverbild der Single, das Profilbild auf den Streamingplattformen sowie die Beschreibung der Künstlerin oder des Künstlers können Hinweise liefern. Fehlen etwa ein Profil in den sozialen Medien, Liveauftritte sowie Angaben zu Produktion und Label, könnte es sich um eine fiktive Person handeln. Ein weiterer Hinweis ist eine Vielzahl an Songs, die in kürzester Zeit veröffentlicht wurden. Die Produktion eines Albums braucht in der Regel Zeit, solch eine Massenproduktion ist für "echte" Musiker deshalb eher unrealistisch. Trotz dieser KI-typischen Merkmale macht es der technologische Fortschritt zunehmend schwieriger, KI-generierte Songs zu erkennen. Ist Sienna Rose nun KI-generiert? Auf Anfrage von t-online gibt der KI-Experte und Musiker Stephan Baumann vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz seine Einschätzung zum Song "Into the Blue" von Sienna Rose: "In meiner subjektiven Einschätzung ist der Song nicht direkt als KI-Song auszumachen, wenn man ihn unbedarft hört. Bei einem analytischen Hören kann man der Produktion jedoch die gängigen KI-Klischees unterstellen: Der Songtext ist okay, aber es fehlen spannende Twists. Die Songstruktur ist vorhersehbar und der Stimme fehlt am Ende der emotionale Tiefgang. Dies ist ein instinktives Gefühl, das sich nach mehrmaligem Hören entwickelt. Den Song kann man nicht in Dauerschleife hören, denn dann offenbart er seine Vorhersehbarkeit." Ob man KI-Songs erkennt, könne auch mit dem heutigen Hörverhalten zusammenhängen, ergänzt Baumann: "Entscheidend ist unsere Aufmerksamkeitsspanne: Da wir Songs mittlerweile oft nur noch 15 Sekunden checken, bevor wir sie in unseren sozialen Medien verbauen (Instagram, TikTok …), findet erst mal kein kritisches Hören statt." Für manche mag es enttäuschend sein, wenn sich das aktuelle Lieblingslied als KI-generiert entpuppt. Inwiefern diese Information jedoch die Rezeption und Bewertung eines Hits beeinflusst, bleibt Ansichtssache.
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