Kinder-Infektiologe zur Impfung ab 12: Abwarten, bis mehr Daten vorliegen| Kontrovers | BR24

6 monate vor


Der Münchner Kinderarzt Prof. Johannes Hübner ist derzeit noch skeptisch, was die Impfung von gesunden Kindern betrifft. Es brauche noch mehr Daten, um klar sagen zu können, dass der Nutzen die Risiken überwiegt. Gefährlich sei, dass die Politik die STIKO zu einem Umdenken drängt. So könne das Vertrauen der Eltern und Kindern verspielt werden. Professor Johannes Hübner leitet die pädiatrische Infektiologie im Haunerschen Kinderspital der LMU München. Dort werden auch Kinder mit Covid-19-Infektionen und mit Spätfolgen einer Infektion behandelt. Dennoch steht der Kinderarzt derzeit noch einer generellen Impfung gegen SARS-CoV-2 von Kindern skeptisch gegenüber, denn die Daten seien noch nicht ausreichend. Die Ständige Impfkommission (Stiko) ist der gleichen Meinung und empfiehlt deshalb auch noch nicht offiziell die Impfung für alle Kinder ab 12 Jahren. Risiken bei Kinder-Impfung noch unklar Zwar ist Hübner froh, dass es einen Impfstoff für Kinder bereits gibt, das komme gerade Kindern mit Risikofaktoren zugute. Dennoch ist er kritisch, alle gesunden Kinder ab 12 Jahren nun schon zu impfen. Denn wie hoch die Risiken sind und wie ihr Verhältnis zum Nutzen der Impfung ist, sei derzeit noch nicht klar, so der Kinder-Infektiologe. Dass es Zeit brauche, bis Risiken feststehen, habe auch der Impfstoff von AstraZeneca gezeigt. Hübner schätzt, dass erst in einigen Wochen mehr Daten vorliegen, insbesondere aus den USA. Politik übt Druck auf Stiko aus Weil die Ständige Impfkommission (Stiko) aufgrund der fehlenden Daten immer noch nicht die Impfung aller Kinder ab 12 Jahren empfiehlt, hagelt es Kritik von der Politik - so auch vom Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Er fordert im Interview mit dem BR-Politikmagazin Kontrovers, dass die Stiko umdenkt. Die "Profis" von der europäischen Zulassungsbehörde EMA, so Markus Söder, haben den Impfstoff für Kinder zugelassen, die Stiko solle nicht weiter zuwarten. "Politik soll nicht Einfluss nehmen" Den Druck der Politik auf die Stiko hält der Kinder-Infektiologe Hübner für gefährlich. "Wir sollten das Impfen der Kinder nicht übers Knie brechen, sondern warten, bis wir genug Informationen haben", sagt er im BR-Kontrovers-Interview. Er hat Sorge, dass durch die Diskussionen das Vertrauen von Eltern und Kinder in das Impfen und in die Empfehlungen der Stiko als unabhängiges Gremium beschädigt werde. Impfung Erwachsener vorrangig "Die Politik sollte ganz konkret dafür sorgen, dass sich viele Erwachsene impfen lassen.", fordert der Professor vom Haunerschen Kinderspital. Das schütze auch ausreichend Kinder. Schulen könnte dann mit allen bekannten Hygienemaßnahmen offenbleiben, auch wenn die Kinder mehrheitlich nicht geimpft sind. Wenn Eltern ihre Kinder dennoch impfen lassen wollen, weil sie etwa vorerkrankt sind, sei das durch die Öffnungsklausel in der Stiko-Stellungnahme ohne weiteres möglich, rät Hübner. Risiko für Kinder auch durch Delta-Variante gering Im Blick auf die Delta-Variante und die steigenden Inzidenzen in Großbritannien und anderen Länder mahnen einige Politiker wie etwa Karl Lauterbach (SPD) dazu, möglichst schnell alle Kinder ab 12 Jahren zu impfen. Dem widerspricht Johannes Hübner. Kinder haben generell ein sehr geringes Risiko durch SARS-CoV 2 ernsthaft zu erkranken, erklärt er. Das habe sich nach jetzigem Stand auch nicht durch die Delta-Variante verändert, so der Infektiologe. Die Variante sei nur für Erwachsene sowie für Kinder ansteckender, das rechtfertige aber noch keine vorschnelle Impfung der Kinder. Aus der Sendung vom 14.7.2021 Hier geht's zu unserer BR24-Website: http://www.BR24.de BR24-Facebook: http://www.facebook.com/BR24 BR24-Twitter: http://twitter.com/BR24 BR24-Instagram: http://www.instagram.com/BR24 Kontrovers im Internet: http://www.br.de/kontrovers Weitere Beiträge von Kontrovers finden Sie auch in der BR Mediathek: https://www.br.de/mediathek/sendung/kontrovers-av:584f4c543b467900117c100b
Aus der Quelle lesen