Feuchtes Toilettenpapier verspricht eine gründliche und sanfte Reinigung der Afterregion. Doch ist es wirklich eine Alternative zu normalem Klopapier? Feuchtes Toilettenpapier ist beliebt. In Supermärkten und Drogerien finden sich unzählige Varianten – von "extra sensitiv" über "pflegende Kamille" bis hin zur "Deluxe"-Version. Viele Verbraucher schätzen die praktische Reinigung nach dem Toilettengang. Doch Experten stehen den feuchten Tüchern skeptisch gegenüber. Sie warnen vor Reizungen. Warum Analhygiene so wichtig ist Die Haut im Afterbereich gehört zu den empfindlichsten Körperregionen und ist zugleich täglich Bakterien, Feuchtigkeit und mechanischer Beanspruchung ausgesetzt. Damit die Haut gesund bleibt, ist die tägliche Intimhygiene unverzichtbar. Doch eine falsche Reinigung kann zu Hautreizungen, Juckreiz, winzigen Verletzungen und sogar zu einem Analekzem führen. Was ist ein Analekzem? Das Analekzem ist oftmals eine Folge eines Hämorrhoidalleidens oder einer Stuhlinkontinenz . Doch auch eine zu intensive Reinigung mit Seifen, Duschgelen oder feuchtem Toilettenpapier kann ein Ekzem am After verursachen. Bei einem Analekzem handelt es sich um eine Entzündung der Haut rund um den After. Betroffene leiden unter quälendem Juckreiz, Brennen, Rötungen, Schwellungen und nässenden Hautveränderungen. Auch hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier gehört zu den möglichen Symptomen. Die Blutungen entstehen, wenn die Haut infolge der Entzündungsprozesse stark strapaziert ist oder durch Kratzen aufgrund des Juckreizes verletzt wird. Warum feuchtes Toilettenpapier kritisch sein kann Feuchtes Toilettenpapier enthält häufig Konservierungsmittel, Duftstoffe und andere Chemikalien, welche Hautreizungen, Austrocknung und allergische Reaktionen auslösen können. Da die potenziell kritischen Stoffe nach der Hautreinigung auf der Haut verbleiben, wirken sie entsprechend lange auf diese ein. Nicht jede Haut kommt damit zurecht. Die Duftstoffallergie etwa gehört zu den häufigsten Allergien in Deutschland. Aufmerksam werden sollte man, wenn mit der Benutzung des feuchten Toilettenpapiers Juckreiz, Brennen und Schwellungen auftreten. Dann sollten Betroffene zu normalem, trockenem Klopapier zurückgreifen und schauen, ob sich die Symptome verbessern. Bei längerfristigen oder stark ausgeprägten Beschwerden sowie bei Blutungen sollte immer eine ärztliche Praxis aufgesucht werden. Gestörte Hautbarriere verliert Schutzfunktion Der Einsatz von Duft- und Konservierungsmitteln sowie die Verwendung von Seife oder Duschgel kann empfindliche Haut nicht nur reizen und austrocknen, sondern auch Allergien begünstigen. Zugleich ist eine gestörte Hautbarriere anfälliger für krank machende Erreger. Laut dem Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e. V. (BVF) kann eine zu aggressive Reinigung die natürliche Schutzfunktion der Schleimhäute beeinträchtigen – was es verschiedenen Erregern erleichtert, sich an den Schleimhäuten festzusetzen. So kann beispielsweise durch eine übertriebene Intimhygiene bei Frauen das Risiko für eine Blasenentzündung steigen. Warmes Wasser reicht in der Intimregion Um den Intimbereich schonend zu reinigen, ist in Expertenkreisen warmes Wasser empfohlen. Durch die Wasserreinigung mithilfe eines Bidets etwa werden Urin- und Stuhlreste und damit Keime und Bakterien effektiv entfernt. Auch ist es möglich, etwas trockenes Toilettenpapier mit Wasser anzufeuchten und dann die Afterregion zu reinigen. Ebenso gibt es tragbare Bidets (Po-Duschen), die man mit warmem Wasser füllen und dann den Po abduschen kann. Nach der Reinigung den analen Bereich mit etwas Toilettenpapier trocken tupfen. Sind die Hautfalten feucht, vermehren sich die Bakterien schneller – es kann zu Juckreiz kommen. Dos and Don'ts der Analhygiene Dos für die Analhygiene: Weniger ist mehr: Am besten regelmäßig mit Wasser waschen. Mehrlagiges, weiches Toilettenpapier nutzen. Bei Bedarf mit Wasser anfeuchten. Nach der Reinigung den Analbereich trocken tupfen. Wer auf Waschgel nicht verzichten möchte, sollte eines wählen, das auf den empfindlichen Bereich abgestimmt ist und ohne Duftstoffe, Konservierungsmittel und Farbstoffe auskommt. Don'ts für die Analhygiene: parfümierte oder gefärbte Toilettenpapiere Konservierungsmittel und Alkohol echte Seife im Analbereich übertriebene Hygiene starkes Reiben und Rubbeln raues Toilettenpapier 100 % Reinheit ist nicht möglich Wer auf feuchtes Klopapier nicht verzichten möchte, sollte auf dermatologisch getestete und verträgliche Produkte achten und diese nur gelegentlich verwenden. Bei empfindlicher Haut oder bestehenden Beschwerden ist die Reinigung mit Wasser die sicherste Wahl. Eine 100-prozentige Reinheit lässt sich nicht erreichen, da es immer Bakterien gibt, die mit dem Enddarm in Verbindung stehen. Grundsätzlich reinigt feuchtes Klopapier besser als trockenes. Normales Toilettenpapier, mit etwas Wasser angefeuchtet, ist eine mögliche Alternative zu feuchtem Klopapier. Nimmt man mehrlagiges Klopapier, reißt es nicht so schnell ein.