Tesla hat beim Autopiloten geschummelt – Mitarbeiter sagt aus

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Tesla rühmt sich damit, mit seinem sogenannten Autopiloten Maßstäbe für die Unterstützung der Fahrer zu setzen. Dabei wurde in der Werbung ordentlich getrickst.2016 präsentierte Tesla ein Video, das die Funktionen des "Autopilot" genannten Assistenzsystems demonstrieren sollte. Für die damaligen Verhältnisse mutete die Leistung beeindruckend an: Das Model X fährt scheinbar vollkommen selbstständig von einem Haus im kalifornischen Menlo Park zu Teslas damaligem Hauptquartier in Palo Alto, lenkt und bremst selbstständig, parkt am Ende ein. Ein Untertitel verkündet: "Die Person auf dem Fahrersitz, ist nur aus rechtlichen Gründen dort. Sie unternimmt nichts. Das Auto fährt selbst." Das Problem: Das Video war gestellt, doch nirgendwo fand sich ein Hinweis darauf.2021 hatte die "New York Times" anonyme Quellen zitiert, die die Inszenierung des Videos zugaben. Nun hat auch ein Tesla-Mitarbeiter offiziell vor Gericht klargemacht, dass die Szenen gestellt seien. In einem Prozess rund um einen in einem Tesla tödlich verunglückten Apple-Mitarbeiter sagte Ashok Elluswamy, Chef der Autopilot-Software, vor Gericht, man habe die Möglichkeiten des Systems und die Ausbaumöglichkeiten für die Zukunft darstellen wollen.Elon Musk rühmte sich mit den FunktionenTesla-Boss Elon Musk habe das Video bestellt und twitterte bei Veröffentlichung: "Der Tesla fährt selbständig (ganz ohne menschliches Zutun) durch städtische Straßen, über Autobahnen und Straßen und findet dann einen Parkplatz."Doch in der Produktion des Videos habe sich dies ganz anders gestaltet: Die Fahrt war vorher mit 3D-Karten vorbereitet worden, das Fahrzeug fuhr also eine einprogrammierte Route. Ampelstopps und selbstständiges Weiterfahren waren ebenso inszeniert wie die Parkplatzsuche: Als das Einparken gefilmt werden sollte, fuhr ein Fahrzeug in den Zaun.Konflikt um falsche Versprechungen und tödliche UnfälleGestellte Szenen für einen Werbeclip – ist doch nichts Neues, was ist das Schlimme daran, mag sich manch einer fragen. Die Antwort liegt in einem seit etlichen Jahren schwelenden Konflikt um die Fähigkeiten des Assistenzsystems. Schon seit Längerem hat Tesla Ärger mit den Behörden wegen des Autopiloten. Deren Vorwurf lautet, das Unternehmen mache falsche Versprechungen und erwecke den Eindruck, dass das System die E-Autos autonom fahren lässt. Auch der Name "Autopilot" erinnert an ein Flugzeug, das tatsächlich selbst starten und landen kann. Kunden könnten den Eindruck gewinnen, sie seien von ihrer Verantwortung entbunden, als Fahrer die Kontrolle über das Auto zu behalten.Tatsächlich gab es immer wieder insbesondere in den USA Fälle, in denen sich Menschen auf die Funktion verließen, den Verkehr nicht mehr beachteten oder sogar bei Fahrten über den Highway schliefen. Dabei kam es zu etlichen Unfällen, die tödlich endeten. Zudem sind die USA beim Thema Werbung und Warnhinweise deutlich rigider als beispielsweise Deutschland. Um Klagen und teure Schmerzensgeldzahlungen zu vermeiden, haben Fast-Food-Ketten schon vor etlichen Jahren Warnhinweise auf Kaffeebechern angebracht, dass der Inhalt heiß sein könnte. Auch Tesla warnt auf seiner Homepage vor einer unsachgemäßen Nutzung des Autopiloten und schreibt, die Technologie sei so konzipiert, dass sie beim Lenken, Bremsen, bei der Geschwindigkeit und beim Spurwechsel hilft, aber ihre Funktionen "machen das Fahrzeug nicht autonom".Wie weit ist das autome Fahren? Ein Experte sagt, es dauert nicht mehr lange. Aber es kommt nicht so, wie viele vielleicht denken.Autopilot machte LenkfehlerIm verhandelten Fall ging es um Apple-Mitarbeiter Walter Huang, dessen Tesla 2018 bei eingeschaltetem Autopilot auf dem Highway 101 in Kalifornien plötzlich nach links auf eine Straßentrennung aus Beton zusteuerte und dort zerschellte. Das Tragische: Das Auto hatte dieses Verhalten laut "Washington Post" offenbar vorher schon mehrfach gezeigt. Huang habe laut Untersuchungen nebenbei ein Spiel auf seinem Smartphone geöffnet gehabt und 34 Prozent der Fahrtdauer die Hände nicht am Lenkrad gehabt. Darunter auch in den letzten sechs Sekunden, in denen das Auto plötzlich beschleunigte und auf die Barriere zuraste.Das National Transportation Safety Board kam 2020 zu dem Schluss, dass der Unfall wahrscheinlich durch vorherige Ablenkung und die Grenzen des Autopiloten verursacht wurde. Teslas "ineffektive Überwachung des Fahrereingriffs" habe zu dem Unfall beigetragen. Tesla-Entwickler Elluswamy sagte, dass Fahrer das System täuschen könnten. Sie könnten dem Autopiloten durch leichte Lenkradbewegungen vorgaukeln, dass sie aufmerksam sind. Er sagte jedoch, er sehe kein Sicherheitsproblem mit dem Autopiloten, wenn die Fahrer aufmerksam seien.
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