Kraft Heinz stoppt Konzernumbau – Das macht dem Unternehmen zu schaffen

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Der neue Chef des Ketchup-Herstellers Kraft Heinz verzichtet auf die Aufspaltung des Unternehmens. Doch ist fraglich, ob die alte Strategie gegen neue Trends trägt. Der US-Nahrungsmittelkonzern Kraft Heinz legt nur wenige Wochen nach dem Amtsantritt von Chef Steve Cahillane überraschend seine Pläne für eine Aufspaltung vorerst auf Eis. "Meine oberste Priorität ist es, das Unternehmen wieder zu profitablem Wachstum zurückzuführen", sagte der Manager am Mittwoch anlässlich der Vorstellung der Bilanz für 2025. Dazu brauche es derzeit alle Ressourcen. "Daher halten wir es für sinnvoll, die Arbeiten im Zusammenhang mit der Trennung vorübergehend auszusetzen." Die Aktien des Konzerns verloren im vorbörslichen US-Handel gut sechs Prozent. Brauereien: Heineken streicht bis zu 6.000 Jobs Krise: Traditionsreicher Baggerhersteller meldet Insolvenz an Cahillane war zu Jahresbeginn an die Konzernspitze gerückt. Unter seinem Vorgänger Carlos Abrams-Rivera hatte Kraft Heinz im vergangenen September die Pläne verkündet, sich in zwei separat an der Börse notierte Unternehmen aufzuspalten. Die Transaktion sollte eigentlich bereits in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden. Getrennt sollten beide Teile in Zukunft jeweils mehr für Investoren abwerfen. Ein Unternehmen sollte sich auf die Bereiche Saucen wie Heinz-Ketchup und Fertiggerichte wie Kraft Mac & Cheese konzentrieren, das zweite Unternehmen sollte den Bereich Lebensmittelprodukte wie Oscar Mayer Hotdogs und Lunchables wie Fertig-Hamburger in den Fokus nehmen. Zwei Trends treffen den Konzern besonders Doch ist fraglich, ob das Festhalten an der bewährten Strategie zum Erfolg führt. Kraft Heinz war aus der Fusion der beiden Traditionsmarken entstanden. Die Überlegung: Große Strukturen sichern das Überleben auf dem Massenmarkt. Doch kam es anders. Zwei Trends machen Kraft Heinz zu schaffen. Zum einen setzen US-Supermärkte wie Walmart auf billige Eigenmarken. Teurer Heinz Ketchup bleibt da im Regal. Zum anderen ändern sich die Ernährungsgewohnheiten. "Hochverarbeitete Lebensmittel" lautet das Stichwort. Gesundheitsbewusste Kunden schrecken vor solchen Produkten zurück. Sie greifen stattdessen zu hochpreisigen Waren von Spezialherstellern. Auch deshalb stieg Investor 3G im vergangenen Jahr bei Kraft Heinz aus. Schon seit längerem beobachten Analysten eine neue Entwicklung auf dem US-Foodmarkt. Die hohe Teuerung in den USA lässt Verbraucher mit niedrigem Einkommen zu günstigen Waren greifen, am anderen Ende boomt Hochpreisiges bei jenen, die vom Kursprung an der US-Börse profitieren. "Teure Restaurants sind besonders erfolgreich", so die Unternehmensberatung Black Box Intelligence in ihrer jüngsten Analyse. Gründung deutscher Auswanderer "Seit meinem Eintritt in das Unternehmen habe ich gesehen, dass die Chancen größer sind als erwartet und dass viele unserer Herausforderungen lösbar sind und in unserer Kontrolle liegen", sagte Cahillane nun laut Mitteilung. Anstatt die Aufspaltung fortzusetzen, will der Manager 600 Millionen US-Dollar (rund 504 Millionen Euro) in die Hand nehmen und in das Marketing, die Forschung und Entwicklung sowie in eine "selektive Preisgestaltung" investieren, wie er ankündigte. Unterstützung bekommt Cahillane vom Verwaltungsrat. Dessen Vorsitzender, John Cahill, zeigte sich zuversichtlich, dass die "Entscheidung, die Arbeiten im Zusammenhang mit der Aufspaltung vorerst auszusetzen und unsere Ressourcen vollständig auf das Wachstum zu konzentrieren, zum jetzigen Zeitpunkt der richtige Schritt ist". Das Unternehmen Kraft Heinz war einst von einem Auswanderer aus der Pfalz gegründet worden. Der frühere US-Vizepräsident John Kerry hatte später in die Dynastie eingeheiratet.
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