Wer auf Fleisch verzichtet, könnte sein Krebsrisiko beeinflussen. Das legt eine große Studie nahe. Doch die Ergebnisse zeigen nicht nur Vorteile. Wer auf Fleisch verzichtet, lebt nicht nur klimafreundlicher, sondern womöglich auch gesünder. Eine der bislang größten Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs zeigt: Vegetarier haben bei mehreren Krebsarten ein geringeres Risiko. Forscher aus Großbritannien haben Daten von mehr als 1,8 Millionen Menschen aus drei Kontinenten ausgewertet. Die Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal "British Journal of Cancer". Ziel der Analyse war es, den Einfluss verschiedener Ernährungsformen auf das Risiko für insgesamt 17 Krebsarten zu untersuchen. Fünf Ernährungsformen im Vergleich Die Wissenschaftler teilten die Teilnehmer in fünf Gruppen ein: Fleischesser, Personen, die nur Geflügel und kein rotes oder verarbeitetes Fleisch essen, Pescetarier (sie essen Fisch, aber kein Fleisch), Vegetarier (sie essen Milchprodukte und/oder Eier) sowie Veganer, die vollständig auf tierische Produkte verzichten. Deutlich geringeres Risiko für mehrere Krebsarten Im Vergleich zu Fleischessern zeigten sich bei Vegetariern deutlich niedrigere Erkrankungsrisiken für mehrere Krebsarten. Ihr Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs lag um 21 Prozent niedriger. Auch das Risiko für Brustkrebs sank um 9 Prozent, für Prostatakrebs um 12 Prozent. Besonders ausgeprägt fiel der Unterschied bei Nierenkrebs mit einem um 28 Prozent geringeren Risiko aus. Für das Multiple Myelom, eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks, lag das Risiko sogar um 31 Prozent niedriger. Neue Leitlinie: Das sagen Fachleute zu speziellen Krebsdiäten Forschung: Neuer möglicher Auslöser für Darmkrebs? Ein auffälliger Befund bei Speiseröhrenkrebs Gleichzeitig fanden die Forscher auch einen möglichen Nachteil: Vegetarier erkrankten nahezu doppelt so häufig an einem Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre. Dabei handelt es sich um eine bestimmte Form von Speiseröhrenkrebs , die aus Zellen der Schleimhaut entsteht. Für viele andere Krebsarten stellten die Wissenschaftler keine statistisch bedeutenden Unterschiede fest. Das betrifft unter anderem Darmkrebs , Magen-, Leber- und Lungenkrebs bei Nichtrauchern, Gebärmutter- und Eierstockkrebs, Blasen- sowie bestimmte Blutkrebserkrankungen wie Leukämien. Erhöhtes Darmkrebsrisiko bei Veganern Bei Veganern zeigte sich hingegen ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs . Im Vergleich zu Fleischessern lag es deutlich höher. Für die übrigen untersuchten Krebsarten fanden die Forscher keine eindeutigen Unterschiede. Studienleiterin Aurora Perez Cornago erklärte hierzu: "Vegetarier konsumieren typischerweise mehr Obst, Gemüse und Ballaststoffe als Fleischesser und kein verarbeitetes Fleisch, was zu einem geringeren Risiko für einige Krebsarten beitragen kann. Das höhere Risiko für das Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre bei Vegetariern und für Darmkrebs bei Veganern könnte mit einer geringeren Aufnahme bestimmter Nährstoffe zusammenhängen, die in tierischen Lebensmitteln häufiger vorkommen." Allerdings betonte sie, dass die Zahl der Krebsfälle bei Veganern in der Studie teilweise gering war und weitere Untersuchungen nötig seien. Forschung noch nicht abgeschlossen Die neue Studie zeigt also ein differenziertes Bild: Eine fleischlose Ernährung geht bei mehreren Krebsarten mit einem geringeren Risiko einher, nicht jedoch bei allen. Welche Rolle einzelne Nährstoffe oder konkrete Lebensmittel spielen, muss weitere Forschung klären.