Krieg im Nahen Osten: Dubai-Influencer unter Druck?

latest news headlines 4 std vor
Flipboard
Nach iranischen Angriffen auf Dubai werfen die Reaktionen von deutschen Influencern Fragen auf. Bringen die Vorschriften des Regimes die Internetstars in Bedrängnis? Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), insbesondere Dubai , wurden in den vergangenen Jahren zum Auswanderungsziel vieler Influencer – nicht zuletzt wegen des Rufs als Steuerparadies. Unter anderem aufgrund der dortigen Menschenrechtslage wurde häufig Kritik an den Dubai-Auswanderern laut. Die Influencer wollen davon nichts wissen. In den sozialen Medien wurde das Leben dort stets hochgepriesen, und vor allem die Sicherheit gelobt. Nach Angriffen des Iran auf US-Basen gerät Dubai nun jedoch in den Fokus des Krieges: Raketen fliegen über die Stadt, in Luxushotels kam es zu Explosionen, der Luftraum ist gesperrt. Direkt nach den ersten Angriffen herrschte Chaos. Influencer posteten panische Beiträge, löschten diese jedoch wieder. Ex-"Berlin – Tag & Nacht"-Star Nathalie Bleicher-Woth sagte: "Ich weiß nicht, was ich sagen darf und was nicht." Schnell wurde über einen Maulkorb für Influencer spekuliert. Raketenangriffe in Dubai: Deutsche Influencer widersprechen sich "Keine Ahnung, wie es weitergeht": Ex-GNTM-Model Fiona Erdmann flieht aus Dubai Gerhard Strasser lebt selbst in Abu Dhabi und hat im Namen von "EmirateSetup" schon einige Influencer bei ihrem Unternehmensaufbau in Dubai beraten. Er kennt die Lage – und widerspricht im Gespräch mit t-online den Mutmaßungen, deutsche Influencer hätten gezielte Vorschriften. "Sie können berichten, was sie wollen. Sie können berichten, ich fühle mich unsicher, mich nervt der Verkehr oder mich nervt die Hitze", sagt er. Womöglich hält jedoch die eigene Unsicherheit zur Vorsicht an. "Man darf keine Gerüchte streuen, das wird streng geahndet", so Strasser. Dazu zählen vorwiegend "Gerüchte, die zur Panik führen könnten". Eigene Wahrnehmungen, Vermutungen oder Spekulationen mit ihren Followern zu teilen, könnte für Influencer somit heikel werden. Für Fake-News drohen hohe Strafen Deutlich wurde das auch direkt nach den ersten Angriffen. Die Generalstaatsanwaltschaft der Vereinigten Arabischen Emirate warnte beim Kurznachrichtendienst X davor, "Gerüchte sowie Informationen aus unbekannten Quellen über soziale Medien oder andere technologische Mittel zu veröffentlichen oder weiterzuverbreiten, da dies Folgen haben kann". Diese Ansage dürfte sich auch an Influencer gerichtet haben. Die Strafen fallen in Dubai hoch aus. Wer ungeprüft Fake-News teilt, muss laut einem aktuellen Bericht des Magazins "Stern" mit einer Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr und einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 Dirham, also ungefähr 25.000 Euro, rechnen. Für Influencer kommt hinzu, dass ihnen womöglich die "Influencer Permit", also ihre Genehmigung, in den Vereinigten Arabischen Emiraten werbliche Inhalte zu veröffentlichen, entzogen wird. Bekannt ist, dass Dubai generell strenge Richtlinien verfolgt, wenn es um öffentliche Äußerungen geht. "Die sind hier strenger als in Deutschland und die werden auch strenger durchgesetzt", erklärt Strasser. Zu den Verboten gehören etwa Beleidigungen oder Herabwürdigung von Religionen. Außerdem betont er: "Man darf die Regierung nicht kritisieren. Das ist entsprechend verankert." Anstatt sich kritisch zu äußern, verteidigen Influencer Dubai und ihre Entscheidung, dorthin gezogen zu sein. Sie betonen, sich sicher zu fühlen, loben das Raketenabwehrsystem und sprechen ihr Vertrauen in die Führung aus. Teilweise werden die gleichen Videos gepostet. "Du lebst in Dubai, hast du gar keine Angst?", heißt es darin. Im Anschluss folgt ein Zusammenschnitt mehrerer Scheichs, untermalt von epischer Musik. Dazu ist zu lesen: "Nein, weil ich weiß, wer mich beschützt." Viele Zuschauer vermuten dahinter gezielte Propaganda, um Dubai ins rechte Licht zu rücken. Strasser hingegen sieht darin viel mehr eine Art TikTok-Trend. Der Patriotismus der ansässigen Menschen neige ihm zufolge zur Dramatik. Wenn sich große Influencer diesem Trend anschließen, werden solche Videos schnell zur Werbung und als Inszenierung verstanden. Laut ihm gebe es für Influencer auch keine "Knebelverträge". Hat man jedoch Kooperationen mit Dubai, etwa im Tourismussektor, muss man auch positiv über Dubai berichten. Ob solche Kooperationen mit dem Staat an sich existieren, bleibt fraglich. Werben Influencer gezielt für Dubai? Kritischere Töne schlägt Shoura Hashemi von Amnesty International Austria an. Im Interview mit "profil.at" sagt sie, in Dubai seien zahlreiche bezahlte Influencer tätig, die eben nicht nur für Produkte werben, sondern teils auch im Sinne staatlicher Akteure kommunizieren. Demnach soll öffentlich der Eindruck entstehen, dass keine Gefahr bestehe. Immerhin ist Dubai stark von Tourismus und Expats, also Menschen, die dort leben, ohne sich dauerhaft einzubürgern, abhängig. Stabilität zu zeigen, liege laut Hashemi daher im unmittelbaren Interesse des Landes. Wenn sich deutsche Influencer im Netz widersprechen und ihre Beiträge wieder löschen, steckt dahinter wohl die Angst vor Konsequenzen – aufgrund der hohen Strafen und der Strenge, mit der diese durchgesetzt werden. Selbst nicht böswillig gemeinte Falschinformationen oder Kritik könnten Konsequenzen haben. Andere hingegen stellen ihren Patriotismus für die Vereinigten Arabischen Emirate zur Schau. Ob das tatsächlich aus eigener Überzeugung oder aus finanzieller Abhängigkeit entsteht, bleibt fraglich.
Aus der Quelle lesen