L-Thyroxin: Experten warnen vor unnötiger Einnahme und Risiken

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Immer mehr Menschen nehmen das Medikament L-Thyroxin ein – oft ohne gesicherte Diagnose. Fachleute warnen vor einer gefährlichen Überversorgung. L-Thyroxin gehört zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten in Deutschland. Es ersetzt ein Hormon, das die Schilddrüse bei einer Unterfunktion nicht mehr in ausreichender Menge produziert. Doch viele Menschen erhalten das Mittel, obwohl sie es gar nicht brauchen. Darauf wies die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in einer aktuellen Online-Pressekonferenz hin. Trotz stabiler Krankenzahlen steigt die Verordnung von L-Thyroxin Etwa 4 bis 8 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Schilddrüsenunterfunktion . Typische Beschwerden sind Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit oder Gewichtszunahme. Ursache ist meist eine Autoimmunerkrankung – die Hashimoto-Thyreoiditis. Doch auch andere Faktoren wie Operationen oder Medikamente können die Funktion stören. "Es ist ein Trend der letzten Jahre, eine vermeintliche Schilddrüsenunterfunktion mit Hormonen zu behandeln", berichtete Joachim Feldkamp, Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie am Klinikum Bielefeld , bei der Pressekonferenz. Eine Zunahme an Schilddrüsenerkrankungen sei nicht nachweisbar, dennoch steige die Verordnung von L-Thyroxin in Deutschland seit 15 Jahren kontinuierlich – inzwischen um mehr als 30 Prozent. Möglicherweise würden damit Allgemeinsymptome wie Müdigkeit oder auch Übergewicht behandelt. "Insgesamt besteht eine Überversorgung mit L-Thyroxin", so Feldkamp. Schilddrüsenhormone: Vorsicht bei diesem Getränk Schilddrüsenunterfunktion: Das sind die Ursachen Risiken durch Überdosierung Wird das Medikament unnötig oder in zu hoher Dosis eingenommen, droht eine Überfunktion. Mögliche Folgen sind Herzrasen, Schlafstörungen oder im Extremfall Vorhofflimmern. Besonders ältere Menschen sind gefährdet. "Die richtige Dosierung ist entscheidend für eine sichere Behandlung", warnt Feldkamp. Auch die Einnahme selbst spielt eine Rolle: L-Thyroxin wirkt am besten nüchtern, etwa 30 Minuten vor dem Frühstück. Kaffee, Tee oder calciumreiche Lebensmittel sollten vermieden werden, da sie die Aufnahme im Körper stören. Wer das nicht einhalten kann, kann das Medikament auch abends einnehmen, im Idealfall zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit. Therapie regelmäßig prüfen Einmal verordnet, bleibt L-Thyroxin oft dauerhaft im Einsatz. Dabei könnten viele Patienten das Medikament mit der Zeit wieder absetzen, etwa nach einer Schilddrüsen-OP oder wenn sich die Werte stabilisiert haben. Die Experten der DGE raten daher: Lassen Sie Symptome immer ärztlich abklären, statt vorschnell zu behandeln, und laufende Therapien regelmäßig überprüfen.
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