Lauterbachs Corona-Fauxbas: Wie gefährlich sind mehrere Corona-Infektionen?

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Der Gesundheitsminister warnt vor einer unheilbaren Immunschwäche nach mehreren Corona-Infektionen. Nun rudert er zurück. Was bislang bekannt ist. Am Wochenende sorgte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) für Aufregung – und für Kopfschütteln bei den Experten. In der "Rheinischen Post" erklärte er: "Es ist bedenklich, was wir bei Menschen beobachten, die mehrere Corona-Infektionen gehabt haben. Studien zeigen mittlerweile sehr deutlich, dass die Betroffenen es häufig mit einer nicht mehr zu heilenden Immunschwäche zu tun haben." Nun ruderte er zurück und verwies auf einen "technischen Fehler". Bei Twitter schrieb er: "Es gab einen technischen Übertragungsfehler im BMG." Das Zitat habe gelautet: "Studien zeigen mittlerweile sehr deutlich, dass die Betroffenen es häufig mit einer Immunschwäche zu tun haben, deren Dauer wir noch nicht kennen." Von unheilbarer Immunschwäche könne derzeit noch keine Rede sein."Unverantwortlich"In einem Kommentar der "Süddeutschen Zeitung" schrieb die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt: "Es gibt nicht einmal eine vorläufige wissenschaftliche Publikation, 'Preprint' genannt, weil die Befunde eben noch so unreif sind und ihre Urheber erst weiterforschen wollen." Es sei deshalb unverantwortlich, "dass der Gesundheitsminister vorläufige Daten hinausposaunt und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt", so Berndt.Auf diesen Twitter-Kommentar reagierte Lauterbach und nahm seine Äußerungen teilweise zurück.Wie gefährlich mehrere Corona-Infektionen wirklich sind, dazu gibt es bislang kaum gesicherte Erkenntnisse. Klar ist: Ein hoher Prozentsatz der Corona-Infizierten entwickelt Long-Covid-Symptome. Eine neue Überblicksstudie legt nahe: Weltweit sind mindestens zehn Prozent davon betroffen. In Deutschland leiden bislang über eine Million Menschen unter den Corona-Spätfolgen.Long Covid bei mehr als jedem ZehntenDie Symptome von Long Covid sind vielfältig. Zu den häufigsten gehört eine pathologische, als "Fatigue" bezeichnete Müdigkeit. Beeinträchtigungen der Leistungs- und Merkfähigkeit, der Konzentration oder ein "Gehirnnebel" (Brain Fog) treten auch oft auf. Wortfindungsstörungen und weitere kognitive Einschränkungen werden häufig beklagt, ebenso wie allgemeine Schwäche, Atemnot oder Kurzatmigkeit und andauernder Husten.Über eine dauerhafte Schädigung des Immunsystems, also eine anhaltende Immunschwäche, ist hingegen bislang kaum etwas bekannt. Studien zeigen allerdings einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Infektion mit dem Coronavirus und einer daraus folgenden Schwächung des Abwehrsystems. Dies trifft vor allem Menschen, die besonders schwer an Covid erkrankt waren.Immunsystem nach Infektion außer GefechtDiese Menschen tragen offenbar ein erhöhtes Risiko, erneut an einer Virusinfektion zu erkranken. Eine besondere Rolle spielen hier die T-Zellen ("Killerzellen") des Immunsystems, die für die Virenabwehr zuständig sind. Sie produzieren Botenstoffe, die eine Virusinfektion abwehren können. Genau diese sind aber offenbar nach einer Corona-Infektion sehr lange geschwächt – in ihrer Funktion und Anzahl. Besonders schwere Krankheitsverläufe waren in der Delta-Welle zu beobachten. Das Immunsystem reagierte bei vielen der mit der Delta-Mutante Infizierten sehr heftig und schoss auch über. Das bewirkte eine Hyperinflammation – also eine besonders starke Entzündungsreaktion. Danach waren die Immunzellen zunächst erschöpft.Masken schützen weiterDoch es gibt auch den umgekehrten Fall: Das Immunsystem der Betroffenen springt kaum oder gar nicht an. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass ein bestimmter Botenstoff – das TGFbeta – das Immunsystem von Infizierten ganz besonders stark unterdrückt, berichtet der ORF. Dort heißt es: "Dieser Botenstoff könnte ein Biomarker dafür sein, dass bestimmte Personen keine volle Immunantwort auf eine CoV-Infektion entwickeln können. Besonders gefährdet sind Menschen, die bereits andere Grunderkrankungen haben, etwa Herz- und Nierenprobleme und Autoimmunerkrankungen." Die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie, Erika Jensen-Jarolim, empfiehlt daher weiterhin einen einfachen Schutz: Masken tragen.
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