Lohnplus für Dax-Chefs – Experten warnen vor „Amerikanisierung”

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Die Chefs der größten deutschen Konzerne kassieren durchschnittlich knapp sieben Millionen Euro – im Jahr. Experten sprechen von einer "Amerikanisierung". Die Chefs der Dax-Konzerne haben 2025 deutlich mehr verdient als im Jahr zuvor. Nach Berechnungen des Handelsblatt Research Institute erhielten die Vorstandsvorsitzenden insgesamt 261,3 Millionen Euro, ein Plus von 12,9 Prozent. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine Auswertung der Vergütungsberichte von 38 der 40 Dax-Unternehmen. Damit setzt sich ein Trend der vergangenen Jahre fort. Bereits 2024 waren die Gehälter um rund zehn Prozent gestiegen, 2023 um zwei Prozent. 2022 hatten die Topmanager noch Einbußen hinnehmen müssen. Im Durchschnitt erhielt jeder Dax-Chef im vergangenen Jahr rund 6,9 Millionen Euro, sieben von ihnen kamen auf mehr als zehn Millionen Euro. Steigende Arbeitslosigkeit : "Dann geht sie rasant zurück" BYD : Chinesischer Autobauer will Einfluss auf EU-Gesetze nehmen Ein wesentlicher Grund für den Anstieg sind laut Analyse variable Vergütungsbestandteile, die sich zunehmend am Aktienkurs orientieren. Die Kurse der Dax-Unternehmen legten 2025 um knapp 23 Prozent zu und verzeichneten damit das stärkste Plus seit 2019. Gleichzeitig lagen die Nettogewinne der Dax-Konzerne mit 111 Milliarden praktisch auf dem Niveau der Vorjahre. Spitzengehälter wachsen deutlich Spitzenverdiener blieb SAP-Chef Christian Klein mit 16,2 Millionen Euro, auch wenn er damit weniger erhielt als im Jahr zuvor. Christian Sewing von der Deutschen Bank folgte mit rund 16,1 Millionen Euro knapp dahinter. Er konnte sein Einkommen nahezu auf das Dreifache steigern, weil variable Bestandteile aus früheren Jahren ausgezahlt wurden. Auch Siemens-Chef Roland Busch gehörte mit 12,3 Millionen Euro zu den Topverdienern, sowie Allianz-Chef Oliver Bäte und Telekom-Chef Tim Höttges mit jeweils mehr als elf Millionen Euro im oberen Bereich landeten. Rheinmetall-Chef Armin Papperger profitierte vom Rüstungsboom und verdiente mit mehr als zehn Millionen Euro, zweieinhalbmal so viel wie im Jahr zuvor. Der frühere Vonovia-Chef Rolf Buch konnte sein Einkommen von knapp vier Millionen auf über zehn Millionen Euro drastisch steigern. Dazu verhalf ihm ein millionenschweres Abfindungspaket, das er im Zuge seines Ausscheidens zum Ende 2025 erhielt. Dagegen markiert Volkswagen eine markante Ausnahme. CEO Oliver Blume bekam 2025 deutlich weniger Gehalt als 2024. Sein Salär schrumpfte um 28 Prozent von 10,7 auf 7,4 Millionen Euro, weil das Management im Zuge des Sparkurses auf Teile seiner Vergütung verzichtet. Kritik an der Entwicklung gibt es seit Jahren. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tüngler, sagte dem "Handelsblatt": "Ein Zehn-Millionen-Euro-Gehalt ist das neue Normal für Dax-CEOs." Die Vergütungsspirale kenne derzeit nur einen Trend nach oben. Zugleich wächst das Ungleichgewicht zu den Beschäftigten. Während die CEO-Gehälter um knapp 13 Prozent stiegen, legten die Löhne in Deutschland 2025 nominal nur um 4,2 Prozent zu. Tüngler spricht von einer zunehmenden "Amerikanisierung" der Vergütungssysteme. Gemeint ist damit vor allem, die Kopplung an den Aktienkurs, durch die sich die Gehälter der Vorstandschefs immer weiter von denen der übrigen Vorstände und Belegschaften entfernen. Frauen bleiben klar zurück Auffällig ist auch der Abstand zwischen den Vergütungen männlicher und weiblicher Dax-Chefs. Die bestbezahlte Vorstandsvorsitzende war erneut Merck-Chefin Belen Garijo mit 8,6 Millionen Euro. Die übrigen drei Frauen an der Spitze eines Dax-Konzerns blieben deutlich darunter: Helen Giza von Fresenius Medical Care erhielt 3,58 Millionen Euro, Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp 3,5 Millionen Euro und Daimler-Truck-Chefin Karin Radström 3,2 Millionen Euro. Alle drei lagen damit klar unter dem Durchschnitt von 6,9 Millionen Euro. Vergütungsexperte Sebastian Pacher sieht in den steigenden Bezügen auch eine Folge wachsender Anforderungen an die Unternehmenslenker. "Wir erleben gerade, dass Unternehmen unter hohem Druck neu ausgerichtet werden", sagte er dem "Handelsblatt". Die Verantwortung liege zunehmend bei den Vorstandschefs – und spiegele sich in deren Bezahlung wider. Den geringeren Vergütungen von Dax-Chefinnen zufolge steckt dahinter nach seiner Einschätzung allerdings kein geschlechtsspezifischer Effekt, sondern vor allem die Größe der geführten Unternehmen, deren Komplexität und die Dauer in der jeweiligen Rolle.
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