Mit dem MacBook Neo hat Apple seit Kurzem ein günstiges Einsteiger-Notebook im Angebot. Der t-online-Langzeittest zeigt, für wen sich das Gerät lohnt. Ein Apple-Notebook für 699 Euro: Mit dem MacBook Neo hat der iPhone-Hersteller ein Gerät auf den Markt gebracht, das den günstigen Notebooks anderer Firmen wie Acer und Asus den Kampf ansagt. Tester und Influencer des Geräts sind begeistert von dem vollwertigen MacBook zum kleinen Preis. Vom "Windows-Killer" ist die Rede, andere berichten von einem "Hit"-Rechner oder weniger euphorisch von einem überraschend guten und leistungsfähigen Notebook. Stimmt das? Apple selbst gibt an, dass sich das MacBook Neo vor allem an Schüler und Studenten richtet. Aber auch junge Unternehmensgründer könnte das Gerät ansprechen, hieß es bei einer Präsentation des Geräts in Berlin . iPhone 17e getestet: Wer zugreifen sollte – und wer nicht AirPods Pro 3 im Test: Apples Kopfhörer sind ein tolles Update – mit einem Haken t-online hat das MacBook Neo einige Tage lang getestet und wollte wissen, ob das Gerät mit seinem iPhone-Prozessor A18 Pro und 8 GB Arbeitsspeicher (RAM) den alltäglichen Aufgaben wirklich standhalten kann. Dabei kam das Notebook auch auf der Arbeit im Redaktionsalltag zum Einsatz und diente als Ersatz für ein MacBook Pro 14 Zoll mit M1-Chip aus dem Jahr 2021. Design Fangen wir mit einem Pro-Argument für das MacBook Neo an: Es fühlt sich viel wertiger an als 699 Euro. Wie bei den teureren Modellen MacBook Air und MacBook Pro setzt Apple auch beim Neo auf ein hochwertiges und stabiles Aluminium-Gehäuse. Auch nach mehreren Nutzungstagen gibt es am Aussehen nichts auszusetzen. Zusammengeklappt ist das MacBook Neo auf dem Schreibtisch ein echter Hingucker. Die Farbe unseres Testgeräts war "Blush", was einem hellen Rosa entspricht. Je nach Lichteinwirkung änderte sich die Farbe von einem Silber hin zu einem dunkleren Rosa. In der Redaktion wurden wir mehrmals auf das Notebook angesprochen, und es gab überwiegend positive Reaktionen sowohl auf die Farbe als auch auf das Design. Display Beim Bildschirm hat sich Apple für ein 13-Zoll-Display mit 2.408 x 1.506 Bildpunkten entschieden, was einer Auflösung von 219 PPI (Pixel pro Zoll) entspricht. Das liegt weit über den Merkmalen von in dieser Preisklasse üblichen Windows-Notebooks mit 1.920 x 1.080 Pixeln. Die Helligkeit von 500 Nits ist in Ordnung. Bei Arbeiten in hellen Umgebungen waren Inhalte immer ablesbar. Mit den Spitzenhelligkeiten von 1.600 Nits bei aktuellen iPhone-Modellen ist das aber nicht zu vergleichen. Auffällig ist der breite Rand des MacBook Neo. Bei seinen anderen MacBook-Modellen verzichtet Apple darauf und verwendet stattdessen lediglich eine Notch genannte Aussparung am oberen Bildschirmrand, hinter der sich die Webcam und Sensoren verbergen. Die Notch gibt es beim MacBook Neo nicht, dafür den breiten Rand, der aber nicht stört und nach einiger Zeit der Nutzung auch nicht weiter auffällt. Leider unterstützt das Display kein True Tone, das die Farbtemperatur und Helligkeit des Bildschirms an das Umgebungslicht anpasst. Die Technologie behält Apple den teureren Geräten vor. Auch eine Bildwiederholfrequenz von 120 Hz ist nur in den MacBook-Pro-Modellen zu finden – das MacBook Neo besitzt ein 60-Hz-Display. Dass es in der Preisklasse auch anders geht, beweist Acer in seinem Aspire Go 16, das ein 120-Hz-Bildschirm eingebaut hat und rund 649 Euro kostet. Kamera Bei der Webcam hat sich Apple für eine Kamera mit 1.080p-Auflösung entschieden. Diese entspricht zwar nicht mehr dem aktuellen technischen Stand, reichte aber für Video-Meetings mit Kollegen und Videotelefonie mit Freunden und der Familie in unserem Langzeittest vollkommen aus. Die Kamera lieferte ein solides Bild auch bei etwas dunkleren Lichtverhältnissen. Lautsprecher Jetzt kommen wir zu einem technischen Bauteil im MacBook Neo, das unserer Meinung nach weniger gut gelungen ist. Gerade im Vergleich mit einem MacBook Pro mit seinen Tieftönern klingen die beiden zur Seite strahlenden Lautsprecher beim günstigen MacBook auffallend dünn. Ganz ehrlich: Musikhören macht mit dem MacBook Neo nur Spaß, wenn man Kopfhörer verwendet. Das hat sich vermutlich auch Apple gedacht und einen 3,5-mm-Kopfhöreranschluss eingebaut, mit dem sich Geräte ganz klassisch per Kabel verbinden lassen. Über Bluetooth geht das natürlich auch. Trackpad Nächstes unschönes Hardware-Element: Apple hat sich beim MacBook Neo gegen ein haptisches Trackpad entschieden und ein mechanisches eingebaut. Positiv ist, dass sich das im Alltag kaum bemerkbar gemacht hat. Mit geschlossenen Augen ließ sich das mechanische Trackpad nicht vom haptischen beim MacBook Pro unterscheiden. Aber bei der täglichen Verwendung fiel uns auf, dass zwischen dem Gehäuse und Trackpad ein größerer Spalt zu sehen ist, in dem sich Staub und Krümel verfangen könnten. Während unserer Testtage sammelte sich dort zwar nichts an, aber ein ungutes Gefühl bleibt. Arbeitsspeicher 8 GB RAM – mehr gibt es nicht. Selbst beim 100 Euro teureren Modell mit doppeltem Speicher und Touch-ID gibt es keine Möglichkeit, mehr RAM auszuwählen. Hier liegt einer der Flaschenhälse des gesamten Geräts: Für einfache Aufgaben wie der Bearbeitung von Dokumenten, dem Surfen im Netz und dem Anschauen von Filmen reichte die Kapazität in unserem Test vollkommen aus. Selbst einfache Bild- und Videobearbeitung waren möglich, Spiele ließen sich mit geringen grafischen Details starten. Aber: Wenn beim Arbeiten der Chrome-Browser mit mehreren Tabs geöffnet ist, im Hintergrund die Kommunikationsprogramme Teams oder Slack laufen und ein Video-Meeting mit den Kollegen gestartet wird, geht dem MacBook Neo ein wenig die Puste aus. Was heißt das? Ganz konkret: Das Öffnen von Programmen dauert länger als erwartet, beim Umschalten zwischen Anwendungen kommt es zu Verzögerungen und Stocken. Das System fühlt sich träge an. Selbst das fünf Jahre alte MacBook Pro mit M1-Chip und 16 GB RAM lief unter diesen Umständen flüssiger. Keyboard Gespart hat Apple auch bei der Tastatur. Es gibt etwa keine Hintergrundbeleuchtung. Beim Tippen fühlen sich die Tasten im Vergleich mit den Keyboards der Pro-Modelle etwas fester und mehr nach Plastik an. Das Tippgeräusch ist auch etwas lauter als bei den teureren MacBook-Modellen. Das muss allerdings kein Nachteil sein. Beim Test in der Redaktion fanden einige Kollegen die Tastatur durchaus angenehm. Das direkte akustische Feedback war bei einigen erwünscht. Geschmackssache eben. Schade ist, dass Apple nur beim Modell für 799 Euro Touch-ID eingebaut hat. Wer keine Apple Watch zum Entsperren des Geräts hat, muss bei der günstigen Variante jedes Mal sein Passwort eingeben. USB-Slots Zwei USB-Slots, das muss reichen, dachte sich Apple. Tut es auch, können wir nach den Testtagen behaupten. Aber: Wer regelmäßig größere Mengen Daten übertragen muss, wird nicht glücklich mit dem MacBook Neo. Warum? Es sind keine schnellen Thunderbolt-Anschlüsse wie bei den anderen MacBooks, sondern lediglich USB-C-3- und USB-C-2-Ports, die mit 480 Mbit/s oder maximal 10 Gbit/s arbeiten. Große Datenmengen benötigen dementsprechend ihre Zeit. Akku Der Akku hält laut Apple bei voller Aufladung bis zu 16 Stunden Videostreaming durch. Im Alltag ist die Dauer bei moderater Nutzung geringer. Bei uns hielt der Akku einen Arbeitstag durch, was etwa neun Stunden entspricht. Im Laufe des Tages bearbeiteten wir Dokumente, führten Interviews per Google Meet und nutzten Slack. Beim Ausführen von rechenintensiven Programmen ging der Akku entsprechend schnell leer. Bei Benchmark-Programmen wie Cinebench war nach knapp einer Stunde Schluss. Das ist aber nicht überraschend, denn diese Anwendungen sind für das Ausreizen von Hardwarekomponenten wie Grafikchips entwickelt worden. Prozessor Nächste Engstelle: Apple hat sich, vermutlich ebenfalls aus Kostengründen, für den A18-Pro-Chip aus dem iPhone 16 Pro entschieden. Bei hoher Last taktet der Prozessor ab einer bestimmten Temperatur herunter, denn einen Lüfter besitzt das MacBook Neo nicht. Das könnte das Stocken bei der Videowiedergabe oder beim Wechseln von Programmen erklären, das bei uns auftrat, wenn wir zahlreiche Anwendungen geöffnet hatten. Im Vergleich mit dem fünf Jahre alten MacBook Pro mit Lüfter und M1-Chip zeigte sich, dass dieser bei solchen rechenintensiven Szenarien deutlich runder lief als das Neo. Benchmark-Tests zeigen zudem, dass ein MacBook Air mit dem neuen M5-Chip von Apple auch wesentlich leistungsfähiger ist als das MacBook Neo mit dem iPhone-Chip A18 Pro. Beim Vergleich der Multi-Core-Performance, die zeigt, wie gut ein Prozessor alle seine Kerne gleichzeitig nutzen kann, zeigte der M5 im MacBook Air über 75 Prozent bessere Ergebnisse. Das Gerät ist allerdings auch doppelt so teuer wie das MacBook Neo. Fazit Nach einigen Tagen im Dauereinsatz waren wir froh, das MacBook Neo wieder gegen das MacBook Pro tauschen zu können – aber nicht, weil das Neo ein schlechtes Gerät ist, sondern weil Apple hier kein MacBook für den Arbeitsalltag liefert. Das Display ist mit seiner 60-Hz-Bildwiederholrate nicht mehr zeitgemäß und strengt die Augen während eines langen Arbeitstages an. Beim Verwenden von mehreren Programmen wird das Gerät spürbar weniger leistungsfähig. Man merkt an allen Ecken und Enden, dass es sich bei dem Gerät um ein günstiges Notebook mit Kompromissen bei Leistung und Ausstattung handelt. Genau darin liegt aber auch seine Stärke. Für einfache Aufgaben und als Begleiter für Schule und Studium ist das MacBook Neo allein aufgrund seines Preises wie geschaffen. Wer mit den Kompromissen gegenüber den besser ausgestatteten, dafür aber auch mindestens doppelt so teuren Geräten, wie dem MacBook Air, leben kann, bekommt einen schicken und günstigen Einstieg in die MacBook-Welt. Anmerkung der Redaktion: Apple hat t-online das MacBook Neo für diesen Test kostenlos zur Verfügung gestellt, nimmt jedoch keinerlei Einfluss auf die inhaltliche redaktionelle Berichterstattung.