Nahrungsergänzungsmittel in der Apotheke zu kaufen, ist oft mit der Erwartung verbunden, Produkte von besonderer Qualität zu erhalten. Ist das auch so? Um etwa einem Nährstoffmangel vorzubeugen, nehmen viele Menschen Vitamine, Mineralstoffe und/oder sonstige in Lebensmitteln vorkommende Stoffe in Form von Tabletten, Kapseln, Pulvern oder Brausetabs ein. Solche Präparate sind als Nahrungsergänzungsmittel frei in der Apotheke zu kaufen, aber auch in vielen anderen Ladengeschäften (darunter Drogerien, Reformhäuser und Supermärkte) sowie über das Internet. Nachfolgend erfahren Sie, was es dabei zu beachten gilt. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel Eines vorweg: Nahrungsergänzungsmittel – selbst die aus der Apotheke – zählen rechtlich nicht zu den Arzneimitteln, sondern zu den Lebensmitteln. Das heißt, sie dienen ausschließlich dazu, die Ernährung mit bestimmten Stoffen anzureichern und so die normalen Körperfunktionen gesunder Menschen zu erhalten. Zu diesem Zweck Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen, ist aber in vielen Fällen unnötig. Eine solche Extraportion Nährstoffe hat nämlich nur dann einen gesundheitlichen Nutzen, wenn aufgrund bestimmter Umstände ein besonderer Bedarf besteht und das gewählte Präparat dazu passend zusammengesetzt und dosiert ist. Ratsam ist eine gezielte Nahrungsergänzung unter anderem bei: Frauen mit Kinderwunsch und in der Schwangerschaft veganer Ernährung Diäten mit einer täglichen Energiezufuhr von unter 1.200 Kilokalorien Menschen, die kaum Zeit im Freien verbringen (etwa wegen eingeschränkter Mobilität) Menschen, die sich einer Adipositas-OP unterzogen haben Nahrungsergänzungsmittel haben jedoch keine medizinische Wirkung, können also beispielsweise weder Krankheiten heilen noch Beschwerden lindern. Im Gegensatz zu Arzneimitteln müssen sie daher auch kein Prüf- oder Zulassungsverfahren durchlaufen, bevor sie auf den Markt kommen. Für ihre Sicherheit sind hauptsächlich diejenigen verantwortlich, die sie herstellen und vertreiben. Mengenangabe auf der Verpackung ist nicht verlässlich Wer ein Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, kann sich außerdem nie sicher sein, dass das Präparat so viel von den Nährstoffen liefert wie angegeben. Denn während bei Arzneimitteln die auf der Verpackung genannte Wirkstoffmenge höchstens um fünf Prozent von der tatsächlichen Menge abweichen darf, brauchen die Mengenangaben bei Nahrungsergänzungsmitteln nur eine Genauigkeit von 50 Prozent zu haben. Nahrungsergänzung kann mehr schaden als nutzen Hinzu kommt, dass Vitamine und Mineralstoffe in einem Nahrungsergänzungsmittel derart hoch dosiert sein dürfen, dass sie die von Fachleuten empfohlene Höchstmenge für die tägliche Zufuhr deutlich überschreiten. Durch ihre regelmäßige Einnahme können sich dann unerwünschte, teils gesundheitsschädliche Wirkungen ergeben. Auch sonstige Inhaltsstoffe bedeuten, obwohl sie an sich ungefährlich sein sollten, bei übermäßiger Zufuhr womöglich ein Risiko. So können Nahrungsergänzungsmittel in Form von Brausetabletten bis zu ein Gramm Salz pro Stück enthalten, ohne dass dies in der Zutatenliste stehen muss. Für Menschen, die sich (etwa wegen Bluthochdruck) salzarm ernähren möchten, sind solche Präparate daher eher ungeeignet. Zu beachten ist außerdem, dass Nahrungsergänzungsmittel die Wirkung von Arzneimitteln sowie die Ergebnisse von Blut- und Urinuntersuchungen verändern können. Nutzen und mögliche Risiken vor dem Kauf abwägen Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte daher wohlüberlegt sein und am besten nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen. Persönliche Beratung bietet auch die Apotheke vor Ort. Nahrungsergänzungsmittel dort zu kaufen, kann also von Vorteil sein – besonders, wenn noch spezielle Fragen bestehen, wie etwa: Wann und wie genau ist das Präparat einzunehmen? Welche Wechselwirkungen kann das Präparat haben? Enthält das Präparat Stoffe tierischen Ursprungs? Können einzelne Inhaltsstoffe mit Schadstoffen belastet sein? Ist das Präparat bei bekannter Allergie oder Unverträglichkeit geeignet? Der Preis sagt nichts über die Qualität des Produkts aus Nahrungsergänzungsmittel in der Apotheke zu kaufen, garantiert aber keine höhere Wirksamkeit oder Sicherheit: Trotz der dort teils deutlich höheren Preise unterscheiden sich die Präparate nicht von denen aus anderen Ladengeschäften. Auch bekannte Markenprodukte bieten keine bessere Qualität als Eigenmarken etwa aus der Drogerie. Höhere Risiken beim Onlinekauf Anders sieht es bei manchen Onlinebestellungen aus: Nahrungsergänzungsmittel online zu kaufen, birgt ein erhöhtes Risiko, dass die gelieferten Produkte falsch gekennzeichnet und gesundheitsschädlich sind. Denn im Internet lässt sich die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften mitunter nur schwer kontrollieren und durchsetzen – vor allem bei Unternehmen, deren Sitz außerhalb der Europäischen Union liegt. Wer Nahrungsergänzungsmittel über das Internet bestellen möchte, sollte also genau hinschauen: Hinweise auf seriöse Angebote sind etwa ein vollständiges Impressum (am besten aus Deutschland) und Gütesiegel, die den Qualitätskriterien der Initiative D21 entsprechen: Diese Siegel können Onlinehandelnde nur nutzen, wenn sie bei der zuständigen örtlichen Lebensmittelüberwachung registriert sind. Fazit Präparate zur Nahrungsergänzung sind nur für bestimmte Risikogruppen sinnvoll – und auch nur dann, wenn sie die richtigen Nährstoffe in der passenden Dosis enthalten. In jedem Fall empfiehlt sich eine ärztliche Rücksprache, bevor Sie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Auch die Apotheke vor Ort bietet sachkundige Beratung. Im Hinblick auf die Produktqualität macht es jedoch keinen Unterschied, ob Sie ein Nahrungsergänzungsmittel dort kaufen oder in einem anderen Ladengeschäft. Beim Onlinekauf ist allerdings erhöhte Vorsicht geboten: Über das Internet erhältliche Produkte sind oft schlechter kontrolliert als solche aus Ladengeschäften.