Netflix will das Kinofenster für Filme erheblich kürzen. Kinobetreiber sehen ihr Geschäftsmodell gefährdet, Nutzer könnten am Ende draufzahlen. Der Streaminganbieter Netflix hat nach der geplanten Übernahme von Warner Bros. Discovery offenbar vor, das exklusive Zeitfenster für Kinostarts massiv zu reduzieren. Wie das Branchenmagazin "Deadline" unter Berufung auf interne Quellen berichtet, strebt das Unternehmen eine Verkürzung auf lediglich 17 Tage an. Bislang bleiben Filme üblicherweise etwa 45 Tage lang exklusiv in den Lichtspielhäusern, bevor sie auf Streamingplattformen oder als digitale Kauftitel verfügbar werden. Deutsche Kinobranche zeigt sich besorgt Auch die deutsche Kinobranche beobachtet die Entwicklung mit großer Skepsis. Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino e. V. sagte t-online: "Eine ausreichend lange, exklusive Auswertung im Kino ist unverzichtbar für den Erfolg von Filmen. Auch wenn es immer wieder Versuche gibt, das sogenannte Kinofenster zu verkürzen, zeigt die Erfahrung: Nur ein groß angelegter Kinostart weckt die Begeisterung beim Publikum, stärkt das gemeinsame Filmerlebnis und sichert der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltigen Nutzen." Netflix gegen Paramount: Wettstreit der Streamingdienste – das sollten Nutzer wissen Netflix und Co.: Streaminganbieter im Vergleich – das sind die Unterschiede Die Befürchtung: Wenn Zuschauer nur noch knapp zweieinhalb Wochen warten müssen, um einen Film zu Hause zu sehen, könnten viele auf den Kinobesuch verzichten. Das würde nicht nur die Einnahmen der Kinobetreiber treffen, sondern die gesamte Filmwirtschaft unter Druck setzen. Netflix bleibt vage bei konkreten Plänen Netflix-Co-Chef Ted Sarandos hat sich bisher diplomatisch geäußert. Das Unternehmen sei "zu 100 Prozent entschlossen", Warner-Filme in den Kinos mit "branchenüblichen Zeitfenstern" zu veröffentlichen, ließ er laut "Deadline" verlauten. Was genau Netflix unter diesem Begriff verstehe, ließ Sarandos demnach offen. Branchenbeobachter vermuten, dass der Konzern den Standard neu definieren wolle – zu seinen Gunsten. Unklar bleibt auch, ob Warner-Filme nach dem verkürzten Kinofenster direkt bei Netflix im Abo landen. Denkbar wäre auch, dass sie zunächst als Leih- oder Kauftitel angeboten werden. Dies würde dem Studio zusätzliche Einnahmen sichern, bevor die Titel ins reguläre Streamingangebot aufgenommen werden. Was bedeutet das für deutsche Kinogänger? Für deutsche Kinogänger könnte die Entwicklung bedeuten, dass Blockbuster von Warner Bros. künftig deutlich schneller im heimischen Wohnzimmer verfügbar sind. Zu den bekannten Warner-Produktionen gehören etwa die Harry-Potter-Reihe, die Batman-Filme und die Matrix-Serie. Auch aktuelle Produktionen wären von der neuen Strategie betroffen. Mögliche Änderungen am Kinofenster würden frühestens ab 2027 greifen. Die Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Netflix muss zunächst von den Kartellbehörden genehmigt werden. Zudem steht der Kinokalender für 2026 bereits fest. Warner Bros. bringt am 13. Januar 2026 zudem sein eigenes Streamingangebot HBO Max nach Deutschland und in weitere europäische Länder.