Dass John Ternus Tim Cook an der Spitze von Apple beerben wird, wurde schon länger erwartet. Wie wird der 50-Jährige den Techkonzern führen? David Schafbuch berichtet aus New York Eine große Überraschung war es nicht mehr: Der Name John Ternus war in den vergangenen Monaten wiederholt gefallen, als es um eine mögliche Nachfolge für Apples Vorstandsvorsitzenden Tim Cook ging. Mehrere US-Medien hatten zuletzt berichtet, dass der 50 Jahre alte Leiter der Hardwareabteilung der Favorit für Cooks Nachfolge sei. Am Montag folgte dann die Bestätigung: Zum ersten September wird Ternus die Nachfolge von Cook antreten . Der 65-jährige Cook wird dann als Vorsitzender in den Aufsichtsrat wechseln. Seit 2001 im Unternehmen Weniger klar dürfte dagegen sein, in welche Richtung Ternus den Konzern führen wird. Die Fußstapfen seiner sehr unterschiedlichen Vorgänger sind jedenfalls groß: Cook hatte Apple wirtschaftlich in ungeahnte Sphären verholfen, während sein Vorgänger Steve Jobs als einer der größten Innovatoren der Techindustrie galt. Wird Ternus also Apple mehr wie Tim Cook oder eher wie Steve Jobs führen? Während sein Hintergrund als Hardwareexperte eher versprechen könnte, dass sich das Unternehmen wieder stärker auf die Entwicklung neuer Produkte konzentrieren könnte, lässt sein Karriereweg eine Fortsetzung von Cooks Unternehmensstrategie vermuten. Ternus wird von Cook ein überaus wertvolles Unternehmen übernehmen. Unter seiner Führung stieg der Börsenwert von Apple von rund 350 Milliarden Dollar auf vier Billionen Dollar. Der Jahresumsatz vervierfachte sich im selben Zeitraum auf mehr als 416 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2025. Apple hatte in den vergangenen Jahren allerdings auch mit Problemen zu kämpfen. Im Bereich der Künstlichen Intelligenz sind andere Techunternehmen wie die ChatGPT-Mutter OpenAI an dem Konzern vorbeigezogen. Anfang 2026 löste Nvidia, das ebenfalls stark vom KI-Boom als Chiphersteller profitiert, Apple als wertvollstes Unternehmen der Welt ab. Seit 25 Jahren im Konzern Wie Ternus auf diese Entwicklungen reagiert, dürfte die Zukunft von Apple mitentscheiden. Der neue Apple-Chef gilt innerhalb des Konzerns als gut vernetzt, aber außerhalb des Unternehmens eher als unbeschriebenes Blatt. Als er 2023 in einem Interview mit CNBC gefragt wurde, wie er den Rückstand von Apple bei Künstlicher Intelligenz sehe, sagte er lediglich, er sei, was das betrifft, nicht sonderlich beunruhigt. Ternus hat fast sein halbes Leben und nahezu seine gesamte Karriere bei Apple verbracht. Nach seinem Abschluss in Maschinenbau an der University of Pennsylvania war er ab 1997 zunächst für ein Start-up tätig und entwickelte dort unter anderem Headsets. Vier Jahre später wechselte er dann schon ins Silicon Valley zu Apple. "Mann des Volkes" Im Hardwarebereich, wo neue Produkte mitentwickelt werden, arbeitete sich Ternus über die Jahre nach oben. Zunächst kümmerte er sich um die Bildschirme für Macs. Später soll er häufig zwischen China und Kalifornien gependelt sein und viele Erfahrungen in Fragen von Produktions- und Lieferketten gesammelt haben. Bereiche, in denen auch Tim Cook große Expertise zugeschrieben wird. Steve Siefert, Ternus' erster Chef bei Apple, nannte den künftigen CEO einen "Mann des Volkes". Siefert sprach in der "New York Times" davon, dass Ternus es in seiner Anfangsphase bei Apple mehrmals abgelehnt habe, ein eigenes Büro zu beziehen, obwohl es ihm aufgrund seiner Beförderung zugestanden habe. Stärker bei Wartung von Geräten Apple brachte in den Jahren nach Ternus' Unternehmenseinstieg unter Steve Jobs zahlreiche bahnbrechende Produkte auf den Markt, wie etwa den iPod oder das iPhone. Der neue Apple-Chef Ternus dürfte aus eigener Erfahrung sehr genau wissen, wie die Geräte des Unternehmens funktionieren. Allerdings gilt er dadurch nicht automatisch als jemand, dessen Stärke bei der Entwicklung von Neuheiten liegt. Cameron Rogers, selbst von 2005 bis 2022 für Apple im Produkt- und Softwareentwicklungsmanagement tätig, glaubt, dass der neue CEO den Kurs seines Vorgängers fortsetzen wird: "Wenn man jedes Jahr ein iPhone auf den Markt bringen will, ist Ternus der Richtige", sagte Rogers im Januar der "New York Times". Laut einem Bericht der "New York Times" aus dem Januar soll Ternus besser Geräte optimieren als neu entwickeln können. In der Pressemitteilung, die seinen Wechsel an die Konzernspitze verkündet, werden seine Leistungen gelobt, die Apple-Produkte in den Bereichen "Zuverlässigkeit und Langlebigkeit" verbessert haben sollen. Aktienkurs ging steil nach oben Gemeint ist damit: Große technische Sprünge, die mehr Zeit beanspruchen, dürften unter Ternus nicht zu erwarten sein, sondern eher eine kontinuierliche Präsentation von Produkten, die sich in ihrer Leistung weniger von ihren Vorgängermodellen unterscheiden. Tatsächlich hatte Apple auch unter Cook regelmäßig neue Versionen seiner Geräte auf den Markt gebracht. Wirtschaftlich war das Unternehmen damit sehr erfolgreich. Auch änderte sich bereits unter Cook der Führungsstil in dem Unternehmen. Während Steve Jobs das Unternehmen noch stark hierarchisch geführt und auch gegenüber den eigenen Mitarbeitern als konfrontativ galt, wurde Cook eher als stiller Teamplayer beschrieben. "Man verbringt gern Zeit mit ihm" Es sind Eigenschaften, die auch Ternus auszeichnen sollen: Der neue Mann an der Spitze gilt als beliebt. Cameron Rogers sieht das allerdings nicht unbedingt als Stärke: "Er ist ein netter Kerl", sagte er der "New York Times" im Januar. "Man verbringt gern Zeit mit ihm. Alle lieben ihn, weil er einfach toll ist. Hat er jemals schwierige Entscheidungen getroffen? Nein. Hat er irgendwelche schwierigen Probleme im Hardwarebereich gelöst? Nein." Die Wahl fiel jetzt dennoch auf Ternus. Cook soll laut verschiedenen Berichten zuvor mehrere andere Personalien in Betracht gezogen haben, darunter auch den ehemaligen COO Jeff Williams. Dieser war allerdings Ende 2025 aus dem Unternehmen ausgeschieden. Zuletzt sollen auch Softwarechef Craig Federighi und Marketing-Chef Greg Joswiak Optionen gewesen sein. Was genau am Ende den Ausschlag für Ternus gab, ist bislang unklar. Tim Cook urteilte über seinen Nachfolger, er habe "den Verstand eines Ingenieurs, die Seele eines Innovators und das Herz, mit Integrität und Ehre zu führen". Ternus wird die Stelle zudem im Alter von 50 Jahren antreten. In diesem Alter hatte auch Cook Apple von Steve Jobs übernommen.