Neurodermitis: Expertin gibt Tipps – das hilft gegen Jucken

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Für Neurodermitis-Patienten ist das quälende Hautjucken eine große Belastung. Die Symptomlinderung ist daher das Kernelement der Neurodermitis-Therapie. Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hautkrankheit, die in Schüben verläuft. Die entzündlichen Prozesse werden von quälendem Juckreiz begleitet. Diese belasten die Betroffenen stark und können die Lebensqualität erheblich einschränken. Was hilft gegen die quälenden Juckattacken und bei welchen Hausmitteln ist Vorsicht geboten? Neurodermitis: Hautausschlag und Juckreiz belasten Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit zufolge haben etwa 15 Prozent aller Kinder eine Neurodermitis. Bei Erwachsenen sind es zwei bis fünf Prozent. Erwachsene haben häufiger eine schwerere Form der Hauterkrankung. Hautausschlag und starker Juckreiz sind die beiden Hauptsymptome einer Neurodermitis. Der Juckreiz beeinflusst das Leben der Betroffenen stark: Er führt zu Schlafproblemen, stört die Konzentrationsfähigkeit im Alltag und schlägt auf die Stimmung. Viele Betroffene reagieren gereizt, genervt, ungeduldig und überfordert. Die Lebensqualität leidet und die Psyche kann stark belastet werden. Warum Neurodermitis-Betroffene unter quälendem Juckreiz leiden Bei der chronischen Hautkrankheit Neurodermitis kommen verschiedene Faktoren zusammen, die das Hautjucken verursachen: eine defekte Hautbarriere eine fehlgeleitete Entzündung überempfindliche Nervenfasern Aufgrund der gestörten Hautbarriere ist die Haut sehr trocken. Trockene Haut ist durchlässiger für Reizstoffe und anfälliger für Hautreizungen und Juckreiz. Zum anderen treten aufgrund der defekten Hautbarriere begleitend oft Hautentzündungen auf, die den Juckreiz zusätzlich verstärken. Durch das Kratzen können weitere Verletzungen der Haut entstehen, die eine bakterielle Infektion der Haut begünstigen. Zudem verstärkt Kratzen als solches den Juckreiz. Außerdem reagieren die gereizten Nervenfasern stärker auf Reize. Welche Hautstellen sind besonders häufig betroffen? Die für eine Neurodermitis typischen Hautrötungen, trockenen Hautstellen, Entzündungen, Schuppungen und Ekzeme sind bei Babys vor allem an den Wangen und den Außenseiten der Arme und Beine zu finden. Seltener zeigt sich eine Neurodermitis auf Rücken, Bauch und Brust. Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen tritt eine Neurodermitis in erster Linie in den Kniekehlen, den Ellenbeugen und am Nacken auf. Doch auch die Handflächen und Fußsohlen können von dem Hautausschlag betroffen sein. Ein Ausschlag im Gesicht kommt eher selten vor. Welche Therapie gegen den Neurodermitis-Juckreiz hilft Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung und nicht heilbar. Der Schwerpunkt der Therapie liegt auf der Symptomlinderung. Die Neurodermitisbehandlung ist bei Erwachsenen und Kindern weitestgehend gleich. Die Lichttherapie wird bei Kindern wegen der UV-Strahlenbelastung nicht eingesetzt. Eine besondere Bedeutung kommt einer guten Basistherapie zu. Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e. V. (DAAB) zufolge ist die Hautpflege der wichtigste Baustein in der Neurodermitisbehandlung. Die Haut braucht eine konsequente Pflegeroutine, welche die fehlenden Fett- und Feuchthaltefaktoren in der Haut ausgleicht, sodass diese wieder geschmeidig wird. So lassen sich Schübe hinauszögern und abschwächen und der Juckreiz kann gelindert werden. Mindestens zweimal am Tag müssen die rückfettenden und feuchtigkeitsbindenden Pflegemittel aufgetragen werden. Zweimal in der Woche ist ein Ölbad empfohlen. Was Feuchtigkeit in der Haut hält Neben Fetten und Ölen gehören unter anderem Urea (Harnsäure), Paraffin und Glycerin zu den Wirkstoffen, die bei Neurodermitis zur Anwendung kommen. Sie unterstützen das Feuchthaltevermögen der Haut. Für entzündete Haut und die Kinderhaut ist Urea allerdings nicht geeignet, da der Harnstoff unangenehm brennen kann. Wirkstoffe gegen Entzündungen und Juckreiz Bei stärkeren Ekzemen kommen Cremes mit antientzündlichen Wirkstoffen zur Anwendung, etwa Kortisonsalben. Sie können Juckreiz und Entzündungen lindern. Pimecrolimus und Tacrolimus sind zwei weitere Medikamente gegen Neurodermitis, die auf die Haut aufgetragen werden. Ebenfalls juckreizstillend ist der Wirkstoff Polidocanol. Manchmal werden auch Allergiemedikamente eingesetzt, sogenannte Antihistaminika, um den Juckreiz zu lindern. Welche Wirkstoffe in welcher Dosierung zur Anwendung kommen, besprechen Arzt und Patient individuell im Rahmen des Behandlungsplans. Immunsuppressiva bei schwerer Neurodermitis In schweren Fällen kommt bei Jugendlichen und Erwachsenen eine Bestrahlung mit UV-Licht infrage. Auch ist es möglich, Schwerstbetroffenen ein Immunsuppressivum zu geben, welches das Immunsystem unterdrückt und dadurch die Symptome lindert. Hier müssen Nutzen und Risiko der Therapie gründlich abgewogen werden. Das richtige Verhältnis von Fett und Feuchtigkeit Es kommt vor allem auf das richtige Verhältnis von Fett und Feuchtigkeit in den Pflegeprodukten an, um die Hautbarriere zu stärken und Juckreiz zu lindern. Hier müssen Betroffene oft eine ganze Weile experimentieren, bis sie die passende Pflege für sich gefunden haben. Am besten geht das in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Hautarzt. Oft benötigen verschiedene Körperstellen zudem verschiedene Präparate. Wichtig zu wissen: Der Hautzustand kann sich mit den Jahreszeiten ändern. Dann ist eine angepasste Hautpflege notwendig. Und auch dann braucht es vonseiten der Betroffenen oft viel Geduld, bis die Pflege zum aktuellen Hautzustand passt. Vorsicht vor Hausmitteln gegen Neurodermitis wie Kokosöl und Apfelessig Vorsichtig sollten Betroffene mit Hausmitteln sein. Diese schaden oft mehr, als sie nutzen. Apfelessig beispielsweise brennt extrem auf gereizter und entzündeter Haut, wirkt austrocknend und kann Entzündungsreaktionen fördern. Kokosöl und reine Öle im Allgemeinen ziehen kaum in die Haut ein. Bildet sich unter der Fettschicht ein Wärmestau, kann die Haut aufquellen, was Juckreiz verstärkt und Trockenheit begünstigt. Finger weg von Quark Auch Quark ist nicht empfehlenswert. Er mag auf den ersten Blick zwar angenehm kühlend wirken, aber er muss wieder von der Haut gewaschen werden. Das kann nicht nur die Haut reizen, sondern dabei gehen auch hauteigene Fette verloren. Wichtig zu wissen ist zudem, dass Quarkwickel und -umschläge bei Kindern das Risiko bergen, eine Kuhmilchallergie auszulösen. Das hängt mit der gestörten Hautbarriere zusammen: Über den Hautkontakt entstehen laut dem DAAB die meisten Sensibilisierungen. Generell ist von Selbstexperimenten bei Neurodermitiker-Haut eher abzuraten. Das Hautbild kann sich dadurch deutlich verschlechtern. Kälte lindert Juckreiz Kratzen bei Juckreiz ist ein natürlicher Reflex, der sich kaum unterdrücken lässt, bei Kindern wie bei Erwachsenen. Kratzen sollten Betroffene vermeiden, um die Haut nicht zu verletzen und Blutungen und Entzündungen zu verhindern. Der DAAB empfiehlt, gegen das Jucken Kälte einzusetzen. Ein in ein Tuch gewickeltes Kühlpad, ein kalter Löffel oder ein Säckchen mit getrockneten Erbsen aus dem Kühlschrank kann die Haut kühlen. Auch können die Betroffenen die juckenden Stellen den Experten zufolge reiben, beklopfen oder kneifen. Erlaubt ist, was die Haut nicht zusätzlich verletzt. Wenn eine Allergie mit hineinspielt Wichtig bei einer Neurodermitis ist außerdem, zu schauen, ob eine Allergie besteht und das Krankheitsbild mitbestimmt, beispielsweise eine Pollenallergie oder eine Hausstaubmilbenallergie. Dann gilt es, die Allergieauslöser möglichst zu vermeiden. Außerdem ist dann eine Hyposensibilisierung, bei welcher der Körper langsam an die Allergene gewöhnt wird, ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Sie kann ab einem Alter von etwa fünf Jahren durchgeführt werden. Laut dem DAAB sind die häufigsten Allergieauslöser einer Neurodermitis Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben und Nahrungsmittel. Im Säuglings- und Kleinkindalter könne ein Allergietest auf Kuhmilch, Hühnerei, Weizen, Erdnuss und/oder Haselnuss hilfreich sein. Triggerfaktoren meiden Auch andere Triggerfaktoren sollten reduziert werden, etwa mechanische Reize wie Wolle auf der Haut sowie Klimaeinflüsse wie Hitze, Schwitzen und trockene Heizungsluft. Auch ein gutes Stressmanagement sowie ein gesunder Lebensstil sind von Bedeutung. Auf Rauchen und Alkohol sollten Betroffene verzichten.
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