Neymar will mit Brasilien zur WM 2026 – es wird seine letzte Chance

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Jahrelang ruhten die Hoffnungen ganz Brasiliens auf Neymars Schultern, seit 2023 aber ist er nicht mehr für die Seleção aufgelaufen. Zur WM startet er einen letzten Anlauf. Für einen Abend schien es wieder 2014 zu sein. Zahlreiche Einlaufkinder klammerten sich schon vor dem Spiel an ihr Idol, erdrückten dieses beinahe mit ihrer Liebe. Ihr großer Held tanzte in den folgenden 90 Minuten leichtfüßig durch die gegnerischen Abwehrreihen und elegant an der Eckfahne. Er setzte einen Schlenzer überlegt ins Eck und krönte seine grandiose Vorstellung mit einem frechen Lupfer über den Torhüter hinweg in die Maschen. Neymar schien die Fußballwelt an diesem Februarabend gegen Vasco da Gama in eine längst vergessene Zeit zurückzuversetzen. Eine Zeit, in der solche Vorstellungen des Ausnahmespielers nahezu wöchentlich stattfanden – im Dress des FC Barcelona , von Paris Saint-Germain und der brasilianischen Nationalmannschaft . Eine Zeit, als ihm der Weg zum Ballon d'Or mit herrlichen Dribblings, frechen Abschlüssen und überlegten Vorlagen geebnet schien. Eine Zeit, zu der eine ganze Nation Neymar anbetete, ihre ganzen Hoffnungen auf seine Schultern frachtete. Es ist eine Zeit, die abgeschlossen schien. 2026 begann für Neymar als gefallener Nationalheld, der nicht mehr seine Gegenspieler vorführt, sondern von seinem eigenen Körper aus dem Spiel genommen wird. Doch so soll dieses Jahr nicht in Erinnerung bleiben, Neymar will noch einmal angreifen. Er kämpft für ein letztes Highlight mit der brasilianischen Nationalmannschaft, das wohl letzte seiner Karriere: die WM 2026. Dabei gingen beide Seiten aus der bisherigen Beziehung enttäuscht hervor. Abgesehen von Olympia-Gold gewann Neymar mit Brasilien keinen einzigen großen Titel. Als sich die Seleção 2019 zum Südamerikameister kürte, fehlte der Superstar mit einem Bänderriss im Sprunggelenk. Verletzungen bremsen Neymar seit Jahren aus Das war zwar noch nicht sein persönliches Ende in der Nationalmannschaft, immerhin folgten seither noch 30 Einsätze. Und doch haben sich die brasilianische Öffentlichkeit und der Superstar auseinandergelebt. 2021 konnte die Nationalmannschaft den Erfolg bei der Copa América mit Neymar im Team nicht wiederholen, bei der WM 2022 folgte das Aus im Viertelfinale. Im Sommer 2023 wechselte der Offensivmann nach Saudi-Arabien, verschwand damit für viele von der Bildfläche – und aus dem Nationalteam. Im Oktober 2023 hat Brasiliens Rekordtorschütze sein 128. und bisher letztes Länderspiel bestritten. Dabei spielen auch Verletzungen eine große Rolle. Seit Anfang 2023 hat das Portal "transfermarkt.de" elf verletzungsbedingte Pausen bei Neymar gezählt. Ein Kreuzbandriss, eine Operation am Knöchel, ein Eingriff am Knie und wiederkehrende Oberschenkelprobleme. Ganze 807 Tage ist Neymar verletzt ausgefallen, 114 Spiele hat er verpasst. Brasiliens Ex-Nationaltrainer Émerson Leão fällte daher ein hartes Urteil. "In seinem Kopf weiß er, was er auf dem Platz als Nächstes tun wird, wenn er einen Spielzug beginnt. Aber er kann es nicht mehr umsetzen. Die Muskeln reagieren nicht mehr wie gewohnt, er ist nicht mehr der Athlet von früher. Es ist nutzlos", sagte er im Gespräch mit CNN . Neymar könne die Probleme der Nationalmannschaft nicht mehr lösen, "er ist über das Alter hinaus". Neymar ist längst nicht mehr der Liebling Brasiliens Das Land hat zudem neue Stars, neue Lieblinge, neue Hoffnungsträger. Vinícius Júnior , der auf und neben dem Feld polarisiert. Raphinha, der sich in Barcelona unter Hansi Flick zu einem der besten Flügelspieler der Welt entwickelt hat. Und Chelsea-Youngster Estêvão, der in seiner Heimat als größtes Talent seit Neymar gilt. Die Seleção hat sich gewissermaßen von ihrem einstigen Nationalhelden emanzipiert. Gerd Wenzel, deutschstämmiger Kommentator für den brasilianischen Ableger von TV-Sender ESPN, nennt weitere Gründe für Neymars verlorenes Standing. "Seine schwankenden Leistungen und sein verschwenderischer Lebensstil werden von vielen nicht gut gesehen", erklärt er im Gespräch mit t-online. "Neymar ist schon lange nicht mehr so unangefochten und beliebt wie vor einigen Jahren. Der brasilianische Fußballfan ist im Durchschnitt eher skeptisch als ein bedingungsloser Neymar-Unterstützer." Er verweist auf eine Umfrage , laut derer 56 Prozent der Brasilianer sich gegen eine Rückkehr ins Nationalteam ausgesprochen haben. Gespaltener könnten die Meinungen kaum sein. Wie sehr der 2025 zu seinem Jugendklub FC Santos zurückgekehrte Offensivspieler in der öffentlichen Wahrnehmung an Standing verloren hat, wurde auch rund um sein Comeback Mitte Februar deutlich. Die Fans von Gegner Velo Clube forderten ihre Profis dazu auf, den 34-Jährigen zu verletzen: "Wenn ihr Neymar aus der Weltmeisterschaft nehmen müsst, dann nehmt diesen verdammten Mistkerl raus. Macht, was immer nötig ist, um zu gewinnen!" Verletzungen nagen an Neymar: Superstar dachte an Karriereende Neymar überstand das Spiel verletzungsfrei, bereitete als Joker ein Tor vor. Gegen Vasco da Gama legte er wenige Tage später einen Doppelpack nach, wirkte zudem wesentlich agiler, wesentlich explosiver als bei seinen Auftritten im Vorjahr. Dabei hatte dieses mit einer Operation am Knie und Gedanken an ein Karriereende geendet. "Ich weiß nicht, ob sich eine Operation lohnt. Ich habe genug davon", habe Neymar in einem Gespräch mit seinem Vater gesagt. Der Profi entschied sich für die Operation, für eine Zukunft im Fußball und für ein weiteres Jahr beim FC Santos. Im Dezember verkündete der Klub die Vertragsverlängerung bis Ende 2026. Neymar will mit dem FC Santos, der 2023 erstmals in der Vereinsgeschichte aus der ersten Liga abgestiegen und seit dem direkten Wiederaufstieg ein Kellerkind ist, eine bessere Rolle spielen. Und Neymar will noch einmal zur WM. Dafür dürfen solche Auftritte wie zuletzt gegen Vasco da Gama aber keine Ausflüge in eine längst vergessene Fußballepoche sein, sie müssen wieder Neymars Alltag im Jahr 2026 sein. Dann hat der Routinier eine Chance, auch Nationaltrainer Carlo Ancelotti von einem Comeback im Nationalteam zu überzeugen. "Er muss erst einmal wieder seine beste körperliche Verfassung erreichen. Das ist im heutigen Fußball, der körperlich sehr anspruchsvoll und intensiv ist, ganz normal", nannte der Italiener bereits im November eine Bedingung. Rodrygos Ausfall könnte Neymar helfen Klubtrainer Juan Pablo Vojvoda jedenfalls glaubt an seinen Schützling. "Jeder braucht Neymar, auch die Nationalmannschaft", sagte er rund um das jüngste Comeback des Offensivspielers. "Er hat immer noch diesen Ehrgeiz. Ich sehe es in jedem Training: Er will dabei sein und gewinnen." Gerd Wenzel bemisst die Chancen für eine Rückkehr in die Seleção auf 50 Prozent. Der Kommentator sieht aber auch im Falle eines Comebacks eine Gefahr: "Ich glaube nicht, dass er sich mit der Rolle als Einwechselspieler anfreunden kann. Das liegt ihm einfach nicht." In der Offensive der Nationalmannschaft ist durch die schwere Verletzung von Rodrygo zumindest ein Platz frei geworden. Der Real-Star hat sich das Kreuzband gerissen, steht für die WM nicht zur Verfügung. Trotz Neymars verbesserter Chancen ist das keineswegs ein Grund zur Freude. "Heute ist einer der traurigsten Tage für mich", schrieb der 34-Jährige in Reaktion auf die Verletzung seines Landsmanns bei Instagram. Er erinnerte sich dabei an sein persönliches Leid und wie Rodrygo ihn einst unterstützt hat. "Ich werde für dich da sein." Neymar kämpft für seinen Kumpel, er kämpft aber auch für sich selbst. Der WM-Titel mit Brasilien ist die eine Trophäe, die er noch gewinnen will. 2026 bietet sich ihm wohl letztmalig die Chance. "Es kann sein, dass ich im Dezember meine Karriere beenden möchte", gab der Superstar zu Jahresbeginn unumwunden zu. Er entscheide nur noch von Jahr zu Jahr. Zu Beginn seiner Karriere war der Offensivspieler in seiner Heimat gemeinhin als "Joia", zu Deutsch Juwel, bekannt. Ein Rohdiamant ist der 34-Jährige schon lange nicht mehr, einen gewissen Glanz aber versprüht Neymar auch 2026 noch. Bei der WM will der einstige Nationalheld ganz Brasilien wieder zum Strahlen bringen.
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