Novo Nordisk: Abnehmpille kommt – Aktie bleibt auf Diät

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Nach Monaten schwächelnder Umsätze mit seiner Abnehmspritze hat Novo Nordisk jetzt eine Pille für Gewichtsverlust auf den Markt gebracht. Doch die Aktie profitiert davon nicht. Warum? Weniger Hemmschwelle, mehr Patienten, neues Produkt: Mit der Abnehmpille Wegovy meldet Novo Nordisk ein Comeback. Und an der Börse? Da herrscht Ernüchterung. Die neue Abnehmpille ist seit Januar in den USA zugelassen und verkauft sich gut. Wer Angst vor Nadeln hatte und die Kosten für Spritzen scheute, kann nun zur Pille greifen. Die ist günstiger und leichter zu handhaben. Für das dänische Pharma-Unternehmen Novo Nordisk ist das nach langer Durststrecke ein Lichtblick. Diät an der Börse Doch an der Börse bleibt die Aktie auf Diät. Seit dem Rekordhoch von knapp 140 Euro im Juni 2024 hat sie unfreiwillig rund 75 Prozent eingebüßt. Allein seit Jahresbeginn ging es noch mal mehr als 25 Prozent abwärts. Dabei war die Abnehmpille – in Europa soll die Zulassung noch in diesem Jahr folgen – der nächste logische Schritt: einfacher Zugang, breitere Zielgruppe, mehr Volumen. Doch die Börse handelt mit Erwartungen und Zukunft (alter Kalauer, aber wahr). Und da liegt das Problem für Novo Nordisk. Eli Lilly schläft nicht Denn mit Eli Lilly aus den USA ist ein Wettbewerber auf dem Markt, dessen Produkte in Studien teils noch bessere Gewichtsverluste zeigen. Zudem hat Eli Lilly in den USA mit Foundayo seit April ebenfalls eine Abnehmpille in Stellung gebracht. Der zeitliche Vorsprung von Novo Nordisk war also denkbar gering. Damit geht auch der Preiskampf in eine neue Runde: Foundayo kostet für Selbstzahler ab 149 US-Dollar pro Monatspackung mit niedriger Dosis. Aber auch 349 US-Dollar sind möglich, je nach Dosis. Wegovy kostet ebenfalls ab 149 US-Dollar und je nach Dosis bis 299 US-Dollar. Damit liegen die Wettbewerber etwa gleichauf, aber deutlich günstiger als bei ihren Spritzen: Wegovy-Spritzen haben in den USA einen Listenpreis von 1.349 US-Dollar pro Monat, was aber für Selbstzahler auf 349 bis 399 US-Dollar gesenkt werden soll. In Deutschland sind 171 bis 277 Euro fällig. Mounjaro und Ozempic von Eli Lilly kosten in den Vereinigten Staaten bis 1.349 US-Dollar, in Deutschland bis zu 450 Euro. Neuer Preiskampf Damit wird auf einem Milliardenmarkt ein Preiskampf zu erwarten sein, der die Margen unter Druck setzen dürfte. Denn der Wettbewerb hat schnell aufgeholt – mehr noch: Eli Lilly hat nun mit der eigenen Pille den nächsten Verdrängungswettbewerb eingeläutet. Der Markt hat schon bei den Spritzen gesehen, was das bedeutet: Novo Nordisk hatte an Umsatz, Gewinn und Börsenwert erheblich verloren. Das ist ein Problem für Novo Nordisk: Die Rückgänge bei den Spritzen haben gezeigt, wie fragil ein Trend sein kann, wie schnell die Vision eines Trendsetters verblast und wie schnell Wettbewerber auf- und überholen. Fluch und Segen Die neue Pille ist daher Fluch und Segen, Chance und Risiko zugleich für Novo Nordisk, aber auch für die Konkurrenz. Die Pille erweitert den Markt – zunächst. Mehr Zugänglichkeit bedeutet mehr Patienten, mehr Konkurrenz, mehr Preisdruck und langfristig möglicherweise geringere Gewinnspannen pro Kunde. Hinzu kommt: Krankenkassen vor allem in Europa zögern mit der Kostenerstattung. Dadurch hält sich jenseits der USA die Zahlungsbereitschaft möglicher Patienten in Grenzen, auch wenn die Preise durch mehr Wettbewerb unter Druck geraten. Die Arzneimittel sind immer noch sehr teuer. Normalität an der Börse Zugleich sind die Erwartungen an Novo Nordisk an der Börse aus dem Ruder gelaufen. Die Aktie von Novo Nordisk war in den vergangenen Jahren enorm aufgebauscht, doch irgendwann endet jeder Hype oder Boom. An der Börse kehrt für die Aktie Normalität ein. Das heißt: Operativ läuft es zwar gerade wieder besser, das Produktportfolio wird größer, der Markt wächst. Das reicht aber nicht, um die früheren Bewertungen zu rechtfertigen. Dazu müsste Novo Nordisk die Erwartungen übererfüllen. Es ist fast tragisch: Novo Nordisk hat auf Basis seiner jahrzehntelangen Diabetes-Forschung ein Problem von Millionen Menschen gelöst. Und doch schaffen die Dänen damit keinen Dauererfolg. Abnehmen ist schwierig. Auch bei Erwartungen.
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