Oke Göttlich: DFB-Vizepräsident erneuert Kritik am eigenen Verband

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Oke Göttlich will sich keinen Maulkorb verpassen lassen. Der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes legt in der WM-Debatte nach - und kritisiert auch seinen Chef. Oke Göttlich, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, geht erneut auf Distanz zu seinem Präsidenten Bernd Neuendorf – und fordert vor der WM eine klare Haltung. "Ich glaube, Herr Neuendorf ist kürzer im Amt, als ich es in einem Funktionärsamt im deutschen Fußball bin", sagte Göttlich über den DFB-Boss. Der Präsident des Bundesligisten FC St. Pauli will sich in der Debatte um die WM-Endrunde (11. Juni bis 19. Juli) nicht zurückhalten und verlangt knapp 100 Tage vor Turnierbeginn eine eindeutige Positionierung des Verbands. WM 2026: Boykott wegen Krieg? Iran würde hohe Geldstrafe drohen Iran-Krieg: Fußball-Nationalmannschaft der Frauen boykottiert Nationalhymne Bereits Ende Januar hatte Göttlich die Frage nach der Haltung zu einem möglichen WM-Boykott aufgeworfen. Neuendorf entgegnete damals: "Der Kollege ist noch nicht so lange dabei". Auch Funktionäre wie Hans-Joachim Watzke, Andreas Rettig und Jan-Christian Dreesen äußerten Kritik an Göttlichs öffentlichem Vorstoß. Vier Tage nach Neuendorfs Aussage beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball-Liga (DFL) veröffentlichte der DFB im Anschluss an eine Präsidiumssitzung eine Mitteilung. Darin hieß es, das Gremium sei sich einig, "dass sportpolitische Debatten intern und nicht öffentlich geführt werden". Göttlich über WM: "Fahren wir dahin? Wie fahren wir dahin?" Göttlich erneuerte seine Forderungen nun aber erneut in der Öffentlichkeit. Mit Blick auf die Krisen und deren Einfluss auf die WM in den USA, Mexiko und Kanada sagte der 50-Jährige bei NDR 90,3: "Ich würde nie von Spielern verlangen, was sie zu tun oder zu lassen haben. Aber als Verein haben wir eine Meinung und eine Haltung. Und das wünsche ich mir auch von einem Verband wie dem DFB". Er wurde dabei deutlich. "Wenn man in ein Land fährt, das Krieg führt, wo Menschen auf der Straße erschossen werden, dann muss man sich zumindest Gedanken machen: Was ist unsere Verbandslinie, wenn wir da hinfahren? Das ist etwas, das ich anstoßen wollte", sagte Göttlich mit Blick auf die USA. Zudem stellte er die Grundsatzfrage: "Was ist der Sport? Der Sport steht für Integration, für Spaß, für Diversität. Und dafür, dass wir uns für die Menschenrechte einsetzen. Das sehe ich derzeit nicht." Der Verband selbst ist bislang nicht über eine allgemeine Erklärung hinausgegangen. "Wir glauben an die verbindende Kraft des Sports und an die weltweite Wirkung, die eine Fußball-Weltmeisterschaft entfalten kann", ließ der DFB verlauten. Als Leitlinie gilt vor allem, politische Debatten – anders als bei der vergangenen Endrunde in Katar – von der Mannschaft fernzuhalten. Für Göttlich reicht das nicht. "Fahren wir dahin? Wie fahren wir dahin? Wenn wir hinfahren: Was ist die Aussage? Das ist etwas, worauf man sich vorbereiten muss", betonte der DFB-Vize und ergänzte: "Ich dachte: Das ist der größte Sportverband der Welt, der hat sich doch wohl kommunikativ Gedanken gemacht."
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