Ein schleichender Wandel erfasst deutsche Straßen und Parkplätze: Während neue Namen immer präsenter werden, verlieren alte Marken massiv an Boden. Die Machtverhältnisse verschieben sich unübersehbar. Der deutsche Automarkt wirkt auf den ersten Blick stabil: Mit rund 49,5 Millionen Pkw ist der Gesamtbestand im Vergleich zum Vorjahr nur minimal um 0,3 Prozent gewachsen. Doch unter der Oberfläche verändern sich die Anteile messbar. Die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) belegen: Der Umbruch ist in der Breite angekommen. BYD vervierfacht seinen Bestand Noch vor Kurzem waren Marken wie BYD oder Leapmotor Exoten. Das hat sich innerhalb eines Jahres geändert. Der Bestand an BYD-Fahrzeugen stieg um 307 Prozent von rund 4.500 auf über 18.500 Autos. Damit hat sich die Präsenz der Marke vervierfacht. Leapmotor steigerte sich von 178 auf fast 7.500 Fahrzeuge. Auch die Marke MG Roewe festigt ihre Position. Mit einem Zuwachs von fast 50 Prozent auf nun 73.708 Fahrzeuge hat sie große Namen wie Jaguar oder Lexus hinter sich gelassen. Gleichzeitig tauchen mit Deepal, Jaecoo und Omoda völlig neue Hersteller erstmals in der amtlichen Statistik auf. Traditionsmarken büßen Anteile ein Während die Herausforderer aus Fernost wachsen, verlieren die alten Riesen ihre Kunden. Besonders deutlich zeigt sich das bei Opel und Ford: Bei Opel sank der Bestand innerhalb eines Jahres um mehr als 100.000 Fahrzeuge (-2,6 Prozent). Ford schrumpfte um 79.000 Autos (-2,4 Prozent). Renault verzeichnete ein Minus von fast 46.000 Fahrzeugen (-2,8 Prozent). Marktführer VW hingegen verzeichnet mit 10,3 Millionen Fahrzeugen ein minimales Plus von 0,3 Prozent – vor allem dank der Töchter: Skoda (+4,5 Prozent) und Seat (+5,8 Prozent) wachsen deutlich stärker als die Kernmarke. Jeder Zweite offen für China-Modelle Dass die neuen Marken so schnell Fuß fassen, liegt an der schwindenden Skepsis. Laut einer Studie der Beratung Horváth würde inzwischen jeder zweite deutsche Autokäufer ein Modell aus China in Betracht ziehen. Anfang 2024 lag dieser Wert noch bei 37 Prozent. Als wichtigste Argumente gelten das Preis-Leistungs-Verhältnis, außerdem Fortschritte bei Design und Leistung. Dennoch bleiben Vorbehalte: Fast jeder Zweite sorgt sich um Qualitätsmängel. Etwa jeder Vierte hat Bedenken beim Datenschutz in vernetzten Fahrzeugen. Trotzdem stieg der Marktanteil chinesischer Hersteller in Europa zuletzt auf acht Prozent (bei Elektroautos sogar auf 14,4 Prozent). Deutsche Autofahrer entdecken neue Marken Die Zahlen belegen, was Insider schon lange wissen: Die Markentreue der deutschen Autofahrer nimmt ab. Wenn alte Modelle von Opel oder Ford aus dem Verkehr gezogen werden, werden sie immer häufiger mit Modellen neuer Wettbewerber ersetzt. Noch dominieren die etablierten Marken durch ihre schiere Masse. Aber der Trend ist eindeutig: Der Umstieg aufs Alternativmodell ist für viele Kunden keine Mutprobe mehr, sondern eine Rechenaufgabe. Meist mit sehr eindeutigem Ergebnis.