Peter Kraus und Sohn Mike im Interview: Schlagerstar über Abschiedstour

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Peter Kraus geht zusammen mit seinem Sohn Mike ein letztes Mal auf Tournee. Mit t-online haben die beiden über Abschied gesprochen – von der Bühne und dem Leben. In den Sechzigern wurde er mit Hits wie "Sugar Baby" als "Deutscher Elvis" berühmt, sein Vorbild hat Peter Kraus aber längst überlebt. Mittlerweile ist der Musiker mehr als doppelt so alt wie der mit 42 Jahren verstorbene King of Rock'n'Roll – und wollte sich eigentlich schon mehrfach zur Ruhe setzen. Sieben Abschiedstourneen hat Peter Kraus bereits hinter sich, nun kommt eine achte dazu. Der Schlagerstar wird mit dann 88 Jahren noch einmal auf der Bühne stehen. Der Grund dafür: sein Sohn Mike Kraus. Im Mai 2027 werden die beiden eine gemeinsame Konzertreihe mit dem Titel "Live hoch 2" geben. Am Wochenende präsentierten Vater und Sohn in der TV-Show "Schlager-Spaß mit Andy Borg" ihren neuen Song "Für immer vereint", in dem es um den Abschied und die Endlichkeit des Lebens geht. Ein Thema, über das Peter und Mike Kraus auch im gemeinsamen Interview mit t-online sprechen. t-online: Sie haben das Duett "Für immer vereint" für Sie beide geschrieben und produziert. Woher kam die Inspiration für dieses sensible Thema? Mike Kraus: Mir ist aufgefallen, dass es in vielen Familienkonstellationen zwischen Kindern und Eltern heikle Beziehungen gibt. Selbst in meinem Freundeskreis haben manche den Kontakt zu ihren Eltern komplett abgebrochen. Da gibt es so viel Leid und Sturheit, und niemand macht den ersten Schritt. Und irgendwann ist es dann zu spät. Ich wollte dieses Thema einfach ansprechen. Wie schwer war es, Ihrem Vater diese Idee vorzuschlagen? Mike Kraus: Es war schon lange mein Wunsch, mit meinem Vater noch etwas gemeinsam zu machen. Als ich Papa den Song vorspielte, hatte ich schon ein komisches Gefühl und fragte mich natürlich, ob es vielleicht zu sensibel sei. Andererseits fand ich es gut, weil man dadurch mit diesem Thema lockerer umgehen kann. Es ist auf jeden Fall ein sehr emotionales Lied. Die ersten Male, als wir es gehört haben, haben wir geweint – meine Familie, meine Tochter, selbst mein bester Kumpel. Es spricht genau die Menschen an, die jetzt Eltern in diesem Alter haben. Wie haben Sie darauf reagiert? Peter Kraus: Als Mike mir den Song präsentierte, fand ich das großartig. Ich bin kein Mensch, der in der Schlagerwelt noch unbedingt nach Erfolg strebt. Das brauche ich seit Jahrzehnten nicht mehr. Aber etwas Außergewöhnliches mit meinem Sohn zu machen – das macht mir schon Spaß. Wir haben eine sehr intensive Beziehung und telefonieren fast jeden Tag. Haben Sie das Thema Abschied nehmen in der Familie angesprochen? Peter Kraus: Mike liegt dieses Thema sehr am Herzen. Er grübelt viel darüber nach. Die Welt ist manchmal etwas oberflächlich, und dieses Lied ist ein guter Anstoß für Gespräche. Mike Kraus: Es ist unausweichlich, dass man darüber spricht. Wer kümmert sich um was, wenn man nicht mehr kann. Es war ein schwieriges Thema, weil mein Vater ständig mit seinen Tourneen in Action war und andere Dinge im Kopf hatte. Aber jetzt ist er etwas ruhiger und zugänglicher dafür geworden. Peter Kraus: Ich bin stolz darauf, dass wir solch ein Thema angehen, denn fröhliche Lieder gibt es zur Genüge. Im reiferen Alter sollte man nicht mit dem Strom mitschwimmen, sondern etwas machen, das Tiefgang hat und außergewöhnlich ist. Wie emotional ist es für Sie, solch ein bewegendes Lied live zu singen? Peter Kraus: Das ist sehr emotional für mich. Als wir es zum ersten Mal im TV gesungen haben, habe ich um Playback gebeten. Mike und ich hatten beide Angst, dass es eventuell in die Hose gehen könnte. Wenn ich gerührt bin, ist meine Sprache weg. Ich erinnere mich immer noch an den Tod von Lady Diana. Damals war ich auf Tournee und habe den Song "Diana" gesungen. Zuvor wollte ich etwas dazu sagen, aber es ging nicht. Ich brachte keinen Ton raus. Dann habe ich das Lied aus dem Programm gestrichen. Auch bei der Beerdigung unserer Tochter, die an Krebs gestorben ist, konnte ich keine Ansprache halten. Nach der dritten Zeile war es aus. Meine Stimme war komplett weg. Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod? Peter Kraus: Wenn ich ehrlich bin, mache ich mir darüber keine großen Gedanken. Tot ist tot. Mike Kraus: Ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Ich habe einen sehr starken Bezug zur Spiritualität und mich schon immer damit befasst. Da meine Musik sehr positiv ist, habe ich viele Leute aus dem esoterischen Bereich angezogen, die mir ihre Erlebnisse erzählt haben. Das war schon sehr überzeugend. Ich bin offen für alles. Es ist offensichtlich, dass das Universum und das Leben viel mehr sind als das, was wir sehen können. Wie lange möchten Sie noch auf der Bühne stehen, Herr Kraus? Peter Kraus: Eine achte Abschiedstournee entsteht nicht, weil ich das geschäftstüchtig ausbauen wollte. Ich wollte schon aufhören, als ich damals das Weingut in der Südsteiermark gekauft habe. In meiner Jugendlichkeit hatte ich den Spleen, Weinbauer zu werden. Sehr schnell habe ich eingesehen, dass da einfach mehr dazu gehört. Dann war ich wieder auf der Bühne. Auch dieses Mal war es so. Mike hat ein sehr gutes Album produziert, das er selbst geschrieben hat, und mit dem muss auch was passieren. Mit dem Plattengeschäft alleine kann man kein Geld verdienen, nur mit einer Tour. Ich habe meine letzte CD auch nur auf der Tournee verkauft und dafür dann eine Goldene Schallplatte bekommen. Streaming tue ich mir nicht an. Wenn Sie auf Ihre lange Karriere zurückblicken: Würden Sie etwas ändern wollen? Peter Kraus: Weshalb sollte ich über etwas nachdenken, das ich ohnehin nicht mehr ändern kann. Ich setze mich nicht hin und grüble, was ich hätte besser machen können. Das ist nicht mein Naturell. Wenn ich nachdenke, möchte ich eine Lösung. Ich bin deshalb glücklich, weil ich nicht darüber nachgedacht habe, was ich machen könnte oder was ich machen müsste. Ich habe einfach mein Ding gemacht, weil ich Spaß daran hatte. Konstant im Geschäft zu bleiben, beliebt zu sein und Fans zu haben – was will man mehr? Ich habe mich nie verbogen, sondern immer das gemacht, was mir Freude bereitet. Was möchten Sie unbedingt noch machen? P eter Kraus: Das hat sich in letzter Zeit sehr eingeschränkt. Ich möchte nur noch das genießen, was ich habe. Meine Frau und ich sind nicht mehr scharf darauf zu reisen, schon gar nicht in diesen Zeiten. Wir haben viel gesehen von der Welt. Ich bin ruhiger geworden. Viele Menschen sehen nicht, was sie selbst haben in dem Ort, in dem sie leben, und was sie sich selbst schon aufgebaut haben. Was ich habe, ist das Beste, was man überhaupt haben kann: ein Haus am Luganer See mit Palmen, eine tolle Frau zu Hause, ein Motorboot, ein Segelboot, ein Kajak und unseren Weinberg in der Südsteiermark. Dort gibt es die schönsten Straßen, auf denen ich mit meinem Rennsportwagen fahren kann. Was will man mehr?
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