Pflegekosten im Heim: Eigenanteil oft fast so hoch wie Rente

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Die Pflege wird für immer mehr Menschen zur Kostenfalle. Der Eigenanteil ist zuletzt stark gestiegen. Doch Pflegebedürftige müssen noch deutlich mehr zahlen. Die Kosten für die Pflege in einem Heim steigen und stellen immer mehr Pflegebedürftige vor große finanzielle Probleme. Neue Zahlen zeigen: Allein der sogenannte einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) ist mittlerweile fast so hoch wie eine durchschnittliche Rente in Deutschland. Dies geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die t-online vorliegt. Der EEE ist der Anteil der tatsächlichen Pflegekosten, den Pflegebedürftige im Heim selbst zahlen müssen. Der Betrag ist für alle Bewohner eines Heims gleich, unabhängig vom Pflegegrad. Auch wer plötzlich mehr Pflege benötigt, muss deshalb keine Mehrkosten fürchten. Wie hoch der Eigenanteil ist, unterscheidet sich jedoch von Heim zu Heim – ein Vergleich lohnt sich folglich. Eigenanteil steigt weiter Laut Bundesgesundheitsministerium lag der durchschnittliche Eigenanteil der Pflegebedürftigen im Jahr 2024 bei insgesamt 920 Euro. Eine durchschnittliche Altersrente betrug im selben Jahr 1.154 Euro netto. In den vergangenen Jahren ist der Eigenanteil jedoch weiter gestiegen. So kletterte er 2025 auf 1.028 Euro, in diesem Jahr liegt er bereits bei 1.104 Euro. Aktuelle Zahlen für die Rentenhöhe liegen noch nicht vor. Allerdings lässt sich sagen, dass sich die Höhe der Pflegekosten und die der Rente immer weiter annähern. Das Bundesgesundheitsministerium weist jedoch darauf hin, dass aus einer niedrigen Altersrente nicht auf ein niedriges Alterseinkommen geschlossen werden könne, "da unter anderem weitere Alterseinkommen und der Haushaltskontext nicht berücksichtigt sind". Häufig bestünden auch Ansprüche aus anderen Sicherungssystemen wie der betrieblichen Altersvorsorge. Zudem sind Durchschnittswerte bei der Rente wenig aussagekräftig, da darin auch Versicherte enthalten sind, die nicht lange eingezahlt haben. Gleichzeitig liegen aber auch die Kosten für pflegebedürftige Heimbewohner deutlich höher. So ist der EEE nur ein Bestandteil der Kosten. Aus eigener Tasche müssen Heimbewohner auch noch für folgende Posten zahlen: Unterkunft und Verpflegung: Kosten für Zimmer, Mahlzeiten, Zimmerreinigung und Wäscheservice Investitionskosten: Ausgaben zur Instandhaltung und Modernisierung des Pflegeheims Zusatzleistungen: optional vereinbarte Leistungen, etwa eine spezielle Zimmerausstattung Der Verband der Ersatzkassen hatte im Januar dieses Jahres ermittelt, dass Pflegebedürftige in Heimen im ersten Aufenthaltsjahr durchschnittlich 3.245 Euro selbst zahlen müssen. Tendenz: stark steigend. Linke fordert Pflegevollversicherung Immer mehr Menschen sind in der Folge mit den hohen Kosten für die Pflege finanziell überfordert und bitten den Staat um Hilfe. Laut einer Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit erhalten bereits 37 Prozent der Pflegeheimbewohner unterstützende Sozialhilfeleistungen. Mehrere Strategien: So schützen Sie Ihr Vermögen vor dem Pflegeheim Frag t-online: Bei Pflege: Darf das Sozialamt das Elternhaus antasten? "Pflegebedürftigkeit frisst die Rente auf – und räumt in kürzester Zeit jedes Sparbuch leer", kommentierte Evelyn Schötz, Sprecherin für Pflege und psychische Gesundheit der Linksfraktion, die neuen Zahlen. Für Schötz liegt die Lösung auf der Hand: die Einführung einer Pflegevollversicherung. "Das ist finanzierbar, indem der Beitragsdeckel für die Reichen aufgehoben wird, Mieten und Renditen herangezogen werden und alle einzahlen – auch Bundestagsabgeordnete und Beamte ", forderte die Bundestagsabgeordnete. Aufgrund der prekären finanziellen Lage will auch die Bundesregierung die Pflegeversicherung überarbeiten. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken will bis zur Sommerpause einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen. Anfang kommenden Jahres soll die Reform dann in Kraft treten.
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